Kirchen warnen vor Insolvenzen ihrer Kitas

In schwerer See sehen sich die Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft nicht erst durch die aktuellen Tarifverhandlungen der Erzieher.
In schwerer See sehen sich die Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft nicht erst durch die aktuellen Tarifverhandlungen der Erzieher.
Foto: dpa
Egal wie die Tarifverhandlungen für Erzieher bei den Kommunen ausgehen: Schon heute ist der Betrieb der Kitas für Kirchen ein Zuschussgeschäft.

Hagen.. Zehn Prozent mehr oder nicht – die Frage lässt Hans-Gerd Mummel, Geschäftsführer der Katholischen Kindertageseinrichtungen Siegerland-Südsauerland, fast schon gleichgültig. Dabei müsste er diese stattliche Tarifhöhung seinen Mitarbeitern auch bezahlen, wenn sich die Erzieherinnen der kommunalen Kitas mit ihren Forderungen durchsetzten. Denn die Ergebnisse der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in kommunalen Einrichtungen werden zeitversetzt in der Regel von den Kirchen übernommen.

Lücke klafft immer weiter

Doch auf diese zehn Prozent mehr käme es kaum noch an: Selbst bei einer geringfügigen Lohnsteigerung „werden wir die Finanzierung der Kindertageseinrichtungen in ein oder zwei Jahren kaum mehr schultern können“, warnt Hans-Gerd Mummel. Denn der Betrieb der Kindertagesstätten ist für freie Träger ein Zuschussgeschäft. Während nämlich die Kindpauschalen, die das Land bezahlt, jährlich nur um 1,5 Prozent erhöht werden, sind die Personalkosten für die Erzieher in den vergangenen Jahren teils um mehr als drei Prozent gestiegen. Folglich klaffe die Finanzierungslücke immer weiter auseinander. 15 Prozent liegen die tatsächlichen Kosten mittlerweile über den Pauschalen, die das Land bezahlt, klagt auch Christian Heine-Göttelmann, Vorstand der Diakonie Westfalen. „Wir freuen uns, wenn unsere Mitarbeiter angemessen entlohnt werden“, betont er. „Aber die Belastung steigt jedes Jahr mehr“, fügt er hinzu.

Noch geht bei Hans-Gerd Mummel die Rechnung einigermaßen auf, weil sich die Kommunen freiwillig an einem Teil der Kosten beteiligen. Dennoch verzeichnet er bei einem Drittel von 25 katholischen Kitas in der Region Siegerland-Südsauerland am Jahresende ein Defizit.

Im Erzbistum Paderborn hat man bereits im Kindergartenjahr 2012/2013 ein Defizit von 10,4 Millionen Euro verzeichnet für insgesamt 595 Einrichtungen. Das macht pro Einrichtung durchschnittlich ein Minus von 17 500 Euro. Und zwar allein für die Personalkosten.

Das Bistum schieße hinzu, die Kirchengemeinden und die Kommunen ebenso, schildert Hans-Gerd Mummel, wie er die Löcher bisher füllt. „Wenn sich aber an der Finanzierung nicht bald etwas ändert“, mahnt er, „dann bekommen wir ein Problem.“

Ein Ort der Verkündigung

Im Bistum Münster hat das Generalvikariat nun sogar empfohlen, die defizitären Einrichtungen zu schließen. „Das wollen wir nicht“, so Thomas Throenle aus der Pressestelle des Erzbistums Paderborn. Denn die Kindertagesstätten seien auch „ein Ort der Verkündigung. „Wir können Schließungen aber auch nicht mehr ausschließen“, räumt er ein.

„Die Kindertagesstätten sind ein wesentlicher Baustein der kirchlichen Arbeit“, will Christian Heine-Göttelmann von der Diakonie von einem Ausstieg aus der Kita-Betreuung gar nicht sprechen. „Bei uns wird keine Einrichtung in Frage gestellt“, betont Fabian Tigges, Sprecher der Diakonie Ruhr-Mark.

Andernorts offenbar schon: In vielen Gemeinden werden Priorisierungdebatten geführt, woran man in Zeiten klammer Finanzen am ehesten sparen könnte, berichtet Christian Heine-Göttelmann aus NRW. Und mancherorts fänden sich auf den Listen mit Sparvorschlägen auch Kindergärten.

EURE FAVORITEN