Kirche geht in der Schule neue Wege

Hagen.  Der Vater eines muslimischen Jungen aus Paderborn verstand die Welt nicht mehr. Er wollte seinen Sohn an einer nahen katholischen Grundschule anmelden, aber vom Religionsunterricht befreien lassen. Das aber sieht das Konzept Bekenntnisschule, das es so nur in Teilen Niedersachsens und eben in Nordrhein-Westfalen gibt, nicht vor – und das, obwohl katholische oder evangelische Grundschulen zu 100 Prozent vom Steuerzahler finanziert werden. Der Vater scheiterte später vor Gericht.

Für Eltern wird es einfacher

Vom Schuljahr 2015/16 soll es für Eltern und Kommunen nun leichter werden, die knapp 1000 katholischen und evangelischen Grundschulen im Land in konfessionslose Gemeinschaftsgrundschulen umzuwandeln. Die Quoten bei Elternbefragungen werden gesenkt, die strenge Konfessionsbindung für Lehrer wird gelockert. Der Anfang vom Ende der Bekenntnisschulen?

Das katholische Bistum Essen erwartet keine Welle von Umwandlungen. „Für uns ist es wichtig, dass dem Elternwillen Rechnung getragen wird. Wenn die Bekenntnisschule nicht mehr von einer Mehrheit gewünscht wird, müssten wir das leider akzeptieren“, erklärte ein Bistumssprecher. Deshalb hätten die Bistümer und Landeskirchen auch Einvernehmen mit SPD und Grünen über die Reform erzielt. Im Bistum geht man davon aus, dass die verbliebenen Bekenntnisschulen mehrheitlich von den Eltern weiterhin gewollt werden. Im Ruhrbistum gibt es noch 63 von ihnen, vor zehn Jahren waren es noch 90. Wo die katholischen Schülerzahlen zu stark rückläufig waren, reagierten die Städte bereits mit Zusammenlegungen oder Schließungen. Allein in Gelsenkirchen verlor man 2006 sieben von acht Bekenntnisschulen. Landesweit waren an katholischen Grundschulen 2012 nur noch 57 Prozent der Schüler katholisch, an evangelischen Grundschulen nur 44 Prozent Protestanten.

An den verbleibenden Bekenntnisschulen in NRW wird sich die Lehrerschaft wandeln. Außer dem Schulleiter muss das übrige Kollegium nach der Gesetzesreform nicht mehr zwingend die „richtige“ Konfession haben.

Konfessionelle Landkarte verändert

Im Bistum Essen kann man damit leben. In den eigenen bischöflichen Schulen wurde die Lehrerauswahl zuletzt sogar liberaler gehandhabt als an den staatlich finanzierten Bekenntnisschulen. So durften an katholischen Gymnasien längst auch evangelische Studienräte unterrichten. Zudem sei es mit dem Bildungsanspruch der Kirchen nur schwer zu vereinbaren gewesen, heißt es, dass man an Bekenntnisschulen lieber Unterrichtsstunden ausgefallen ließ, als einen falsch getauften Lehrer vor die Klasse zu stellen.

Ähnlich sieht es auf protestantischer Seite aus. „Zuwanderung und wachsende Mobilität haben die konfessionelle Landkarte verändert“, heißt es bei der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW). Deshalb sei es richtig, die Umwandlung von Bekenntnisgrundschulen in Gemeinschaftsgrundschulen und umgekehrt zu vereinfachen. Richtig sei auch, dass der Gesetzentwurf am klaren konfessionellen Profil von Bekenntnisschulen festhält. „Zum Selbstverständnis einer evangelischen Bekenntnisgrundschule gehört, dass alle Lehrkräfte dem betreffenden Bekenntnis angehören und danach unterrichten und erziehen“, so ein EKvW-Sprecher.

Eine evangelische Schule zeichne sich durch Erziehung in evangelischer Freiheit aus, heißt es bei den westfälischen Protestanten. Die Kinder lernten „nicht nur Fakten und Fertigkeiten, sondern auch Orientierungswissen“, hieß es weiter. In den vorangehenden Beratungsprozess sei man als evangelische Kirche intensiv eingebunden. „Denn“, so der Sprecher weiter, „wo evangelisch draufsteht, soll auch evangelisch drin sein.“

 
 

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