Iserlohnerin kämpft gegen Reise-Riesen

Lässt sich nicht unterkriegen: Marija Linnhoff, Reisebüroinhaberin in Iserlohn, hat die Branche kritisiert und bangt nun um ihre Existenz.
Lässt sich nicht unterkriegen: Marija Linnhoff, Reisebüroinhaberin in Iserlohn, hat die Branche kritisiert und bangt nun um ihre Existenz.
Foto: Funke Foto Services
  • Marija Linnhoff, Inhaberin eines kleinen Reisebüros in Iserlohn, hat die Branche kritisiert.
  • Nun fühlt sie sich unter Druck gesetzt.
  • Mehrere Reiseveranstalter haben ihr die Verträge gekündigt.

Hagen/Iserlohn..  Urlaubsträume verkaufen – das lässt Marija Linnhoff mittlerweile schlecht schlafen. Dabei liebt sie ihre Arbeit. Doch die streitbare Iserlohnerin hat in der Branche rebelliert, Missstände öffentlich gemacht – und sieht sich nun unter Druck gesetzt. Man wolle sie in die Insolvenz treiben, ist Marija Linnhoff überzeugt. Denn mehrere große Veranstalter haben ihr die Verträge gekündigt.

Seit bald zehn Jahren nun führt Marija Linnhoff ihren Kampf gegen die Goliaths der Branche. Im Jahr 2005 hat sie in Iserlohn ein Reisebüro übernommen. Ein auskömmliches kleines Unternehmen, wie Linnhoff glauben musste. 300 000 Euro wollte ihr Vorgänger allein mit dem Verkauf von Thomas-Cook- und Neckermann-Reisen in Iserlohn gemacht haben. Jedoch hatte er offenbar viele dieser Reisen in einem zweiten Büro in Altena verkauft und dem Iserlohner Büro nur zugeschrieben.

Wie der Ärger begann

Denn je mehr Reisen ein Büro von einem Veranstalter verkauft, desto höher die Provisionen. Wer zum Beispiel pro Jahr mehr als 175 000 Euro Umsatz mit Thomas-Cook-Reisen macht, bekommt zehn Prozent Provision. Bei weniger Umsatz sind es sieben Prozent. Um solche Grenzen zu überspringen, tricksen manche Reisebüros: Wer keinen Agenturvertrag hat, bucht die Reisen auf ein anderes Reisebüro. Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Der eine bekommt die höhere Provision, und der Kollege überspringt die magische Umsatzgrenze. Wenn der Kunde auf der Reise Ärger habe, wisse er aber gar nicht, wer sein eigentlicher Ansprechpartner sei, so Marija Linnhoff über mögliche Folgen.

Dies hat sie öffentlich gemacht. „Die Wirtschaftswoche“ berichtete schon im Jahr 2009 über ihren Fall und die Branchenpraxis. Die kleine Reisebüro-Inhaberin verklagte auch den großen Thomas-Cook-Konzern, warf ihm vor, die tatsächlichen Zahlen gekannt zu haben. Schließlich schloss man einen Vergleich. Später kündigte Thomas Cook den Agenturvertrag. Das Vertrauensverhältnis sei beschädigt gewesen, so ein Sprecher des Unternehmens. Als Grund nennt er dieser Zeitung „Äußerungen in der Öffentlichkeit“.

Das Wort aber lässt sich Marija Linnhoff auch seitdem nicht verbieten. Stattdessen hat sie in der Folge Medien darauf hingewiesen, dass sich immer mehr „mobile Reiseverkäufer“ auf dem Markt tummeln, die zu Hause vom Küchentisch auf den Agenturvertrag eines Reisebüros buchen. „Laien“ ohne Ausbildung und Fachkenntnisse über Kundenrechte, Reiseziele und Versicherungen, so Linnhoff.

Ein neuer Verband

Jetzt hat sie den Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR) gegründet. Ein Grund dafür: die geplante EU-Pauschalreiserichtlinie. Die würde für viele Reisebüros das Aus bedeuten, ist Linnhoff überzeugt. Denn es soll neue Haftungsregeln geben. Reisebüros würden dann vom Vermittler zum Veranstalter, wenn sie dem Kunden neben dem Hotel zum Beispiel einen Mietwagen anbieten.

Auf diese Existenzsorgen aber gehen die beiden bereits bestehenden Verbände, in denen zum Teil auch die großen Konzerne vertreten sind, ihrer Meinung nach nicht genügend ein, kritisiert Linnhoff.

Jetzt ist sie Vorsitzende des neuen VUSR. Und eine ihrer ersten Amtshandlungen: Lautstark hat sie öffentlich kritisiert, dass eines der großen Reservierungssysteme, mit denen viele Reisebüros arbeiten, die Kundendaten in den USA speichert.

Nun sieht sie sich nach eigener Einschätzung „Repressionen“ ausgesetzt. Seitdem der neue Verband in Gründung ist, haben mehrere Reisekonzerne Linnhoff die Agenturverträge gekündigt. Schauinsland in Duisburg zum Beispiel. Acht Jahre habe sie mit dem Veranstalter zusammengearbeitet. Der will sich zu Vertragsbeziehungen nicht öffentlich äußern, weist aber vehement zurück, dass eine eventuelle Kündigung irgendetwas mit einer Verbandsgründung oder Verbandsarbeit zu tun habe. Auch Ameropa will zu Vertragsbeziehungen nichts sagen.

Ein Lichtblick

Reisen von diesen Veranstaltern kann Marija Linnhoff zwar noch verkaufen – aber nur über so genannte Reisebürokooperationen, also Einkaufsgemeinschaften. Dort aber bekommt sie nur die Hälfte der Provision. Das sei unwirtschaftlich, so Marija Linnhoff.

Immerhin: Thomas Cook hat nun – auf Nachfrage dieser Zeitung – erklärt, dass sich das Verhältnis zu Frau Linnhoff deutlich verbessert habe. „Wir sind im Gespräch.“

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