Iserlohner machte als Hofprediger des Kaisers Karriere

Andreas Thiemann
Der Strauß-Biograf Dr. Friedhelm Groth.
Der Strauß-Biograf Dr. Friedhelm Groth.
Foto: wp
Als Deutschland noch Monarchen hatte, gab es auch Hofprediger. Einer von ihnen war der gebürtige Iserlohner Gerhard Friedrich Abraham (1786-1863).

Berlin/Iserlohn. Als Deutschland noch Könige und Kaiser hatte, gab es auch Hofprediger und Oberhofprediger. Einer von ihnen war der gebürtige Iserlohner Gerhard Friedrich Abraham Strauß (1786-1863). Er predigte und lehrte in Berlin über 20 Jahre hinweg gleich unter drei gekrönten Häuptern: Friedrich Wilhelm III., Friedrich Wilhelm IV. Und dem späteren Kaiser Wilhelm I.

Der Iserlohner Pfarrer i.R. Friedhelm Groth beschäftigt sich seit langem mit dem Leben und Wirken des berühmten Theologie-Kollegen aus dem Märkischen. Jetzt hat ihn die Berliner Humboldt-Universität zu einem Vortrag über den Hofprediger Strauß eingeladen - während im Predigerzimmer des Berliner Doms noch immer ein Porträt von Gerhard Friedrich Abraham hängt und vom erfolgreichen Schaffen des Iserlohners im Schatten der großen wilhelminischen Politik und auch intensiven Glaubensüberzeugung kündet.

Karriere führte über Umwege nach Berlin

Die Karriere des jungen Strauß führte über Umwege von Iserlohn nach Berlin. Umwege, die allerdings das schließliche Ziel an der Spree wohl zur wichtigen Voraussetzung hatten. Denn hätte sich Gerhard Friedrich Abraham als junger Pastor in Wuppertal nicht unsterblich in die Bankierstochter Johanna von der Heydt verliebt und sie dann auch geheiratet, wäre er vielleicht niemals in die deutsche Hauptstadt gekommen.

Doch es waren eben auch die guten von der Heydt-Kontakte, die dem ohnehin karrierebewussten Iserlohner die Türen zu den Reichen und Einflussreichen öffneten. Strauß hatte sich schon während seiner Studienjahre in Heidelberg „einen erlesenen Freundeskreis“ erschlossen, wie Friedhelm Groth betont. So war Strauß in vielfacher Hinsicht ausgezeichnet vernetzt, wie man heute sagen würde. Darüber hinaus galt er auch von Iserlohn über Hagen bis nach Wuppertal als großer und charismatischer Prediger, der sich ganz der evangelischen Erweckungsbewegung verschrieben hatte.

Rektor der Berliner Universität

Diese protestantische Richtung, die später ins Evangelikale führte, wurde auch am Berliner Hof sehr geschätzt, und so kam der nun 36-jährige Strauß im Jahre 1822 nach Berlin. „Ein Aufstieg wie aus der Regenbogenpresse oder wie aus einem Märchen, einfach eine glänzende Karriere“, bekundet Strauß-Forscher Groth in seinem Hochschul-Vortrag. Dass der Hof- und Domprediger Strauß dann gleich auch noch Theologie-Professor und schließlich sogar von 1833 bis 1834 Rektor der honorigen Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität (der heutigen Humboldt-Universität) wurde, kennzeichnet sein unbedingt hohes Ansehen.

Bischof Friedrich Eylert, einer der wichtigsten Berater von König Wilhelm III., urteilte über Strauß: „Er ist einer der talentvollsten und geistreichsten jetzt lebenden Geistlichen, der besonders die Gabe der Beredtsamkeit besitzt und mit unwiderstehlicher Gewalt auf das Herz seiner Hörer und Leser wirkt.“ Ähnlich sieht es auch Strauß-Biograf Friedhelm Groth heute: „Was dem Iserlohner an geschliffener Denkkraft fehlen mag, das holt er mit Temperament und Leidenschaft wieder herein.“

Geistig und geistlich überzeugend

Mit eben diesen Tugenden eroberte Strauß auch die Sympathien im preußischen Königshaus, was ihn wiederum mehrmals wöchentlich an den Hof führte, um dort zu unterrichten, zu predigen und nicht zuletzt auch zu beraten. Auch Wilhelm I., so belegen es Quellen, schätze seinen Oberhofprediger, und „er profitierte von ihm geistig und geistlich“.

Als Gerhard Friedrich Abraham Strauß am 19. Juli 1863 in Berlin starb, wurde in einem Nachruf der Ev. Kirchenzeitung notiert: „Unter Palmen und Blumen, welche Liebe und Treue in überreicher Fülle gespendet, lag die theuere Leiche da, angethan mit dem Talare, den er ja zuletzt noch verlangt hatte, in den gefalteten Händen ein Kreuz haltend, und auf den Zügen noch immer den Ausdruck des Friedens.“