Iserlohner Designer gestalten Landesausstellung

Die Kombination von Sägestein und Motorsäge ermöglicht auf einen Blick die Verbindung von der Steinzeit zur Gegenwart.
Die Kombination von Sägestein und Motorsäge ermöglicht auf einen Blick die Verbindung von der Steinzeit zur Gegenwart.
Foto: Klein und Neumann KommunikationsDesign
Motorsäge trifft Steinmesser: Die Iserlohner Designer Stefan Klein und Olaf Neumann haben das Bildkonzept für die große Landesausstellung entworfen.

Iserlohn/Bonn. Vom Faustkeil bis zum „Fichtenmoped“ ist es zwar ein großer Zeitsprung, aber nur ein kleiner technologischer Innovations-Schritt. Die eigentliche Sensation ist nicht die Kettensäge, sondern die Idee, Steine als Werkzeug zu benutzen. Das schafft die Menschheit erstmals in der Steinzeit. Die Jäger und Sammler, die von der Hand in den Mund leben, werden nach und nach zu Bauern, die Getreide aussähen, Häuser errichten und Methoden entwickeln, Nahrung zu bevorraten, damit man über den Winter kommt.

Weil die Wurzeln unserer heutigen Zivilisation in Ötzis Wohnzimmer liegen, sprechen die Wissenschaftler von der Revolution Jungsteinzeit. Unter diesem Titel zeigt das LVR-Landesmuseum Bonn ab dem 5. September die große Archäologische Landesausstellung Nordrhein-Westfalen. Das visuelle Konzept dafür haben zwei Iserlohner entwickelt: Stefan Klein und Olaf Neumann.

Steinzeit hat Konjunktur

Die Steinzeit hat Konjunktur. Paleo-Diät und Ötzi-Walk sind Modetrends, aber eigentlich weiß man wenig über Fred Feuersteins Epoche. Stefan Klein und Olaf Neumann nehmen den Begriff Fort-Schritt wörtlich. „Uns geht es darum, eine Verknüpfung zur heutigen Alltagswelt herzustellen anhand der Grundsteine, die in der Jungsteinzeit gelegt wurden, und die man so nicht vor Augen hat.“ Diese Grundsteine sind die Erfindung des Rades, die Möglichkeit, Lebensmittel zu lagern und die Fertigkeit, Materialien zu bearbeiten.

Klein und Neumann haben also Bildpaare gefunden, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Die Bandkeramik-Schale trifft auf die Plastikdose. Der Sägestein spiegelt die Motorsäge. Und über der Abbildung des ältesten deutschen Rades rollt ein moderner Treckerreifen. Das sind Kombinationen mit großem emotionalen Aha-Effekt. Mit diesem ungewöhnlichen Ansatz haben die Iserlohner Designer die Ausschreibung für die optische Vermarktung der Ausstellung gewonnen, die bis 2017 in drei Museen gezeigt wird. „Wir haben insgesamt fünf Konzepte für den Wettbewerb entwickelt. Die Jury hat sich für die Bildpaare entschieden. Wir hätten mit den anderen Konzepten auch den zweiten und dritten Platz gemacht. Das ist aber ein Luxusproblem.“

Schlüsselmotiv aus Hagen

Nun sind die Motive der beiden 45-Jährigen in Dutzenden von verschiedenen Formaten landauf, landab zu sehen: auf übergroßen und kleinen Plakaten, Katalogen, Flyern, Bleistiften, Magnetpins, Tragetaschen und Postkarten. Die Heimseite www.revolution-jungsteinzeit.de gestaltet die Firma Klein und Neumann Kommunikations-Design ebenfalls.

Eines der Schlüsselmotive kommt aus Hagen. Es ist der über 5600 Jahre alte Schädel des Steinzeitmädchens aus der Blätterhöhle. Die älteste Westfälin ist die Botschafterin der Ausstellung. Klein und Neumann koppeln das Schädel-Fundstück mit einem überirdisch schönen Frauen-Antlitz heutiger Tage, das den Betrachter direkt anblickt. So wird Liebe auf den ersten Blick zur Zeitreise in die Vergangenheit. „Am Anfang gab es Bedenken, ob diese Gegenüberstellungen nicht zu weit gehen, aber wir sind genau das kleine Stück zu weit gegangen, das es ausmacht“, analysiert Olaf Neumann.

Führungen in der Dechenhöhle

„Revolution Jungsteinzeit“ will trocken wirkende Fakten möglichst lebendig präsentieren und Gegenwartsbezüge herstellen. Dabei erhalten die Steinzeit-Vorfahren sogar ein Gesicht, denn der Kopf des Hagener Blätterhöhlenmädchens wurde eigens rekonstruiert.

Die Steinzeit ist für Stefan Klein und Olaf Neumann kein unbekanntes Gelände. „Ich habe mir mein Studium mit Führungen in der Iserlohner Dechenhöhle finanziert“, sagt Neumann. Die Dechenhöhle war auch vor 20 Jahren der erste Kunde der damals neugegründeten Agentur. Weitere Kultureinrichtungen und Museen sind dazugekommen. Das wissen nur wenige, denn eigentlich gelten die Iserlohner als die Briefmarkenspezialisten unter den Designern. Über 80 Postwertzeichen aus ihrer Feder wurden bereits vom Bundesministerium der Finanzen und der Deutschen Post herausgegeben, aber: „Die Museumsmenschen sind uns offenbar ziemlich nahe. Die sind oft bereit, sich auf etwas Außergewöhnliches einzulassen.“

Um den Staub der Jahrtausende in Leben und Farbe zu verwandeln, kommt Bildkonzept aus Iserlohn wie gerufen. Es hat nicht nur die Ausstellungsmacher überzeugt. Stefan Klein und Olaf Neumann sind selber begeistert von der ­Revolution Jungsteinzeit: „Wir haben da sehr viel Herzblut ­reingesteckt.“

www.revolution-jungsteinzeit.de

 
 

EURE FAVORITEN