Hagener Dirigent Beermann wirbt für Theater-Erhalt

Monika Willer
Der  Dirigent Frank Beermann auf einem Zwischenstopp im Emil-Schumacher-Museum  seiner Heimatstadt Hagen.
Der Dirigent Frank Beermann auf einem Zwischenstopp im Emil-Schumacher-Museum seiner Heimatstadt Hagen.
Foto: Theo Schmettkamp
Frank Beermann ist Generalmusikdirektor in Chemnitz und ein international gefragter Dirigent. Im Interview verrät er die Geheimnisse seiner Programmgestaltung und plädiert für den Erhalt des Theaters in seiner Heimatstadt Hagen

Hagen/Chemnitz. Frank Beermann hat als Dirigent international Karriere gemacht. Als künstlerischer Leiter des Klassiksommers Hamm und Gastdirigent der Hagener Philharmoniker bleibt der gebürtige Hagener seinen westfälischen Wurzeln treu. Der Generalmusikdirektor der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz ist mit preisgekrönten CD-Einspielungen bekannt geworden. Im Interview mit Monika Willer spricht Frank Beermann über die Kunst der Programmgestaltung und berichtet, warum das Theater Hagen so wichtig für seine Heimatstadt ist.

Eine der ersten Stationen Ihrer Karriere war die Hamburger Staatsoper. Sehr schnell waren sie international als freier Dirigent gefragt und wollen nie Generalmusikdirektor werden. Warum haben Sie Ihre Meinung dann geändert?

Frank Beermann: Das liegt an dem unglaublich guten Orchester in Chemnitz. Ich habe viel in Leipzig gearbeitet, als ich noch freier Dirigent war, und eine „Arabella“ in Chemnitz gehört, die sagenhaft gut war. So habe ich mich für die Robert-Schumann-Philharmonie entschieden. Ein vergleichbar gutes Orchester ist schwer zu finden, das war eine tolle Chance, die Entscheidung habe ich bis heute nie bereut. Aber die ganzen Dinge, die man sich nicht antun will, sind doch da, wenn man die Chefposition übernimmt.

Sie meinen die Diskussionen mit der Politik über Einsparungen?

Beermann: Das Orchester steht total unter Spardruck, natürlich wird in Chemnitz versucht, den Rotstift bei der Kultur zuvorderst anzusetzen. Das Orchester hat jedoch einen wunderbaren Rückhalt in der Bevölkerung. Es ist ein A-Orchester mit 100 Stellen, dabei ist die Stadt nicht größer als Hagen. Aber diese Größe hat in Chemnitz eine gewachsene Tradition.

Was machen Sie, um Ihr Publikum zu halten?

Beermann: Wir spielen Werke, an denen wir künstlerisch sehr interessiert sind, und wir sind überzeugt, dass das auch das Publikum interessiert. Von einem strategischen Vorgehen nach dem Motto, das müsste mal wieder auf den Spielplan, halte ich nicht viel.

Also kommt bei Ihnen auch Zeitgenössisches auf den Spielplan?

Beermann: Ich bin fest davon überzeugt, dass neue Musik daran krankt, dass sie oft schlecht oder mittelmäßig gespielt wird. Bei einer schlecht gespielten „Kleinen Nachtmusik“ kann sich jeder Zuhörer die Melodie noch aus der Erinnerung ergänzen, bei schlecht gespielter neuer Musik geht das nicht. Kontroverse Reaktionen auf zeitgenössische Musik finde ich gut, warum soll sich diese Musik nicht genauso bewähren wie ältere, es gibt ja gute und schlechte neue Musik.

Sie haben die deutsche Erstaufführung der Oper „Love and Other Demons“ von Peter Eötvös in Chemnitz dirigiert. Das wurde ein großer Erfolg. Aber auch hartes Brot?

Beermann: Die Musik von Peter Eötvös ist ja nicht einfach, aber sie ist so begeistert aufgenommen worden. Das schönste Erlebnis habe ich mit der Turangalila-Sinfonie von Olivier Messiaen gehabt. Wir hatten eine ganze Saison lang Messiaen-Projekte in den Schulen und dann zwei Aufführungen der Turangalila, die waren knallvoll, auch mit Eltern der Schüler, und die Stimmung war wie bei einem Popkonzert.

Für Ihre CD-Einspielungen haben Sie mehrere Preise erhalten, unter anderem einen Echo Klassik. Haben Sie eine Lieblings-Epoche?

Beermann: Ich fühle mich schon in der Spätromantik Zuhause, aber so gehe ich nicht an die Programmgestaltung heran. Denn ich finde es viel spannender, darüber nachzudenken, wie ich in einer bestimmten Konstellation mit Sängern und Musikern eine besondere Wirkung erzielen kann. Mich interessieren mehr die Menschen und Umstände (Akustik), unter denen ich ein Werk aufführe.

Das Theater Hagen hat Sie als Kind geprägt?

Beermann: Das Hagener Theater war der kulturelle Nabel meines jugendlichen Lebens, daher habe ich immer noch eine sehr emotionale Beziehung zu dem Haus. Mein erster Cellolehrer Rüdiger Brandt spielt heute noch im Orchester. Und es geht mir heute noch so, dass ich zu einem Klarinettisten Herr Hußendörfer sage, wegen der Verbindung von Namen und Instrument.

Was empfinden Sie angesichts der Existenzgefährdung der Bühne durch die Hagener Haushaltsnot?

Beermann: Hagen braucht sein Theater, weil die Stadt sonst gar nichts mehr hat, weil im Theater noch Werte diskutiert werden, ganz einfach, weil das Publikum das Theater schätzt. Theater und Kultur gehören seit 101 Jahren in Hagen zum Bildungsauftrag der Stadt. Das Theater Hagen bietet lebendige Kultur und lebendige Bildung für alle Altersschichten im positiven Sinne, nämlich so, dass es Spaß macht.