„Gymnasium nicht als Gesamtschule“

Wilfried Goebels

Die geplante Reform des Turbo-Abiturs in NRW ist bei den Schulexperten auf allgemeine Zustimmung gestoßen. Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) begrüßte es, dass eine große Mehrheit der Teilnehmer am „Runden Tisch“ es abgelehnt habe, die auf acht Jahre verkürzte Schulzeit im Gymnasium „auf Knopfdruck wieder umzustellen“. Die Grünen-Abgeordnete Sigrid Beer verlangte, die Lehrpläne zu durchforsten und die Schüler an Gymnasien von Hausaufgaben zu entlasten.

FDP-Landeschef Christian Lindner hält am „leistungsorientierten G8-Abitur“ fest, kritisierte aber die Vernachlässigung des Gymnasiums in den letzten Jahren. Das Turbo-Abitur brauche bessere Rahmenbedingungen, damit es in der Praxis funktioniere. Mit Blick auf die geplante „Entschlackung“ der Lehrpläne warnte Lindner aber davor, dass „das Gymnasium nicht zur Gesamtschule werden darf“.

„Gefühltes Unbehagen“

In der CDU-Fraktion referierte Schulexperte Klaus Kaiser, dass rund 40 der 45 Teilnehmer des Runden Tisches das G8-Abitur beibehalten wollten. Trotz des „gefühlten Unbehagens“ über die praktische Umsetzung des Turbo-Abiturs gab es in der CDU-Fraktion keine Forderung nach einer Rückkehr zum G9. Die SPD-Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers stellte die Frage, „ob die angeführten Stressprobleme der Schüler tatsächlich nur eine Folge der Schulzeitverkürzung von G9 auf G8 sind“. Durch Anpassung der Lehrpläne hätte die Vorgängerregierung viele Probleme vermeiden können.

Die Bürgerinitiative „Gib 8“, die wie die Landesschülervertretung die Abkehr vom G8 forderte, lehnte auch eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 an Gymnasien ab. Ziel einer Volksinitiative sei die flächendeckende Umstellung auf G9, so Sprecherin Anja Nostadt.