Greipels Helfer Marcel Sieberg stach in Neheim heraus

Kurze Pause: Marcel Sieberg (2.v.li.) mit seiner Mannschaft in Pau. Foto: Imago
Kurze Pause: Marcel Sieberg (2.v.li.) mit seiner Mannschaft in Pau. Foto: Imago
Foto: imago/Panoramic International
Marcel Sieberg sorgte einst mit dem RC Victoria Neheim für Furore. Bei der Tour de France kämpft er uneigennützig für André Greipel um das Grüne Trikot - und derzeit in den Bergen. Für Paris gibt es einen besonderen Plan.

Pau/Neheim..  Wie sie so dasitzen in einem der vielen Straßencafes der hübschen französischen Stadt Pau. Wie sie nachmittags ihren Milchkaffee oder Espresso trinken - wie Touristen das eben tun, wenn sie auf der Tour von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten einen Zwischenstopp einlegen. Allerdings sind Marcel Sieberg und seine Begleiter keine Touristen im herkömmlichen Sinn. Sie sind zwar ebenso zu Besuch, aber es ist ein Besuch der besonderen Art, ein von Kameras beäugter. Wie sie so dasitzen an diesem Montagnachmittag sind die Herren vom Team Lotto-Soudal in ihren eng anliegenden rot-weißen Trikots und den nicht minder körperbetonten schwarzen Radlerhosen selbst eine Touristenattraktion.

Der erste Ruhetag der Tour de France bildet eine Zäsur. Ab Dienstag geht es in die Berge. Vorbei ist vorerst die Zeit der Sprinter wie Mannschaftskapitän André Greipel einer ist. Vorbei ist vorerst die Zeit ihrer Helfer im Sprintzug wie Marcel Sieberg einer ist.

„Erwarten sollte man im Hochgebirge nicht allzu viel von den deutschen Fahrern“, sagt Marcel Sieberg auf Nachfrage dieser Zeitung. Sein erstes Zwischenfazit allerdings fällt äußerst positiv aus. „Zwei Etappensiege und dazu sechs Tage das Grüne Trikot. Ich glaube, wir waren mit Etixx-Quick Step das erfolgreichste Team“, erklärt der in Bocholt wohnende 33-Jährige zufrieden.

DM-Titel im Neheimer Trikot

Einer, der Siebergs Karriere im Radsport bereits vor gut 16 Jahren kommen sah, ist Jörg Scherf, der Vorsitzende des RC Victoria Neheim, der derzeit dabei ist, ein Profi-Team im Sauerland zu gründen. Insgesamt zwei Jahre fuhr der gebürtige Castrop-Rauxeler Sieberg damals für den Klub aus dem Sauerland, wurde in dieser Zeit deutscher Meister und sorgte unter Trainer Lothar Föst mit der Neheimer Mannschaft in der Junioren-Bundesliga für Furore. „Wir waren schon zwei, drei talentierte Fahrer in der Truppe“, sagt Jörg Scherf lachend - und wohl wissend, dass er einer davon war. „Aber Marcel stach bereits damals heraus.“

Zum mittlerweile sechsten Mal gehört Sieberg zum Peloton der Frankreich-Rundfahrt. Seine Rolle: Er ist eine der Zugmaschinen, die Kapitän Greipel in eine möglichst brillante Ausgangslage im Kampf um die Sprintwertung und Etappensiege bringen. Obwohl: Sieberg ist nicht nur einer von Greipels Helfern, er ist der Edelhelfer, der Riese unter den Helfern.

Allein wegen seiner Körpergröße von knapp zwei Metern behält Sieberg die Konkurrenten im Blick und mit seiner Tempohärte sorgt er für perfekte Positionen auf der Zielgeraden. Zweimal ging der Plan von Lotto-Soudal bereits auf, zweimal holte Greipel, Siebergs Kumpel und Trauzeuge, einen Etappensieg und sechs Tage fuhr er in Grün. Den ehemaligen Neheimer freut dies einfach nur. „Ich liebe meine Aufgabe und ich bin stolz, mit meinen Jungs zu fahren“, twitterte er zwischenzeitlich. Seine eigenen Ambitionen stellt der verheiratete Vater einer Tochter komplett zurück. „Wir sind ein eingespieltes Team“, sagt er nur, „und jeder hat seine Aufgabe.“

Ziel: Etappensieg in Paris

Die wird in den kommenden Tagen auf eine harte Probe gestellt. In den Bergen. „Wir werden um das Grüne Trikot kämpfen. Ich denke, selbst wenn wir so nach Paris fahren, wären wir schon zufrieden“, erzählt Marcel Sieberg, „aber noch ein Etappenerfolg wäre klasse.“ Konkreter: „Wir hoffen, gesund anzukommen und dort um den Etappensieg mitzukämpfen.“ Dort? In Paris. Im Ziel der Tour auf dem Champs-Élysées. Und anschließend gibt es Champagner - nicht nur Milchkaffee und Espresso.

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