Geueke/Gamm setzen die Star-Doppel gewaltig unter Druck

Falk Blesken
In der Weltspitze angekommen: Robin Geueke (li.) und David Gamm (2.v.li.) standen zweimal mit (v.li.) Toni Eggert und Sascha Benecken sowie Tobias Wendl und Tobias Artl in Winterberg auf dem Siegerpodest.
In der Weltspitze angekommen: Robin Geueke (li.) und David Gamm (2.v.li.) standen zweimal mit (v.li.) Toni Eggert und Sascha Benecken sowie Tobias Wendl und Tobias Artl in Winterberg auf dem Siegerpodest.
Foto: Ralf Rottmann
  • Platz zwei in Winterberg bestätigt den Aufwärtstrend
  • Sauerland-Doppel auch im Sprint auf dem Podest
  • Sascha Benecken warnt: „Wir spüren ihren Atem“

Winterberg. Johannes Geueke war stolz. Und doch traurig zugleich. Immer wieder gratulierten ihm Freunde und Bekannte. Sie nahmen ihn in den Arm oder klopften ihm auf die Schulter. „Genial“, „super“, „perfekt“ – das waren die Worte, die der Mann in der grünen Winterjacke im Sekundentakt zu hören bekam. Er selbst schaute immer wieder sehnsüchtig in Richtung des Siegerpodests in der Zielarena der Bobbahn in Winterberg.

Denn dort standen sein Sohn Robin Geueke und dessen Rodelkollege David Gamm – und diesem Duo war beim Weltcup-Auftakt der Rennrodler eine Sensation gelungen. Der Doppelsitzer des BSC Winterberg hatte beim Heimrennen an der Kappe nicht nur zum ersten Mal ein Weltcup-Podest erreicht, sondern war sogar hinter den Siegern Toni Eggert/Sascha Benecken auf Platz zwei gefahren – vor dem zweiten deutschen Top-Doppel Tobias Wendl/Tobias Arlt.

Warum Johannes Geueke trotzdem traurig war? „Ich konnte meinen Sohn noch gar nicht umarmen“, sagte er.

Geueke dämpft die Euphorie

Denn der 24-Jährige war ebenso wie sein 21-jähriger Vereinskollege David Gamm gefragt wie selten zuvor. „Eine bessere Bahn für unsere erste Podestplatzierung hätten wir uns echt nicht aussuchen können“, sagte Gamm grinsend.

Bereits in der vergangenen Saison war dem Sauerland-Doppel der internationale Durchbruch gelungen, mit Platz vier bei der WM in Innsbruck hatten Geueke/Gamm sich endgültig als Nummer 3 in Deutschland hinter den beiden Star-Paarungen Wendl/Arlt und Eggert/Benecken etabliert. Ihren neuen Schlitten und den Heimvorteil in Winterberg nutzten sie nun, um den nächsten Schritt, den auf ein Weltcup-Podest, zu machen.

„Sie haben zwei sehr gute Läufe gezeigt“, lobte auch Bundestrainer Norbert Loch die beiden Sauerländer, die nach dem ersten auf Rang drei hinter der deutschen Konkurrenz lagen. Nach ihrem zweiten starken Durchgang standen sie in der Leaders Box und schauten fast ungläubig auf den kleinen Monitor vor ihnen, auf dem die Zeit von Wendl/Arlt rot unterlegt blieb, während aus den Boxen das Sauerland-Lied dröhnte und sie plötzlich mindestens Zweite waren. „Wir haben das Malheur von Wendl/Arlt am Start gar nicht mitbekommen“, sagte Gamm, „für die war das natürlich ärgerlich, für uns sehr erfreulich.“

Und obwohl Geueke/Gamm auch am Sonntag beim Sprint-Rennen hinter Eggert/Benecken und Wendl/Arlt auf das Podest rasten, dämpften sie sofort die überbordende Euphorie. „Das heißt jetzt auf gar keinen Fall, dass wir überall auf das Podium fahren werden“, sagte Robin Geueke. „Natürlich haben wir gesehen, was wir können, wenn wir zweimal geradeaus runterfahren. Und ich hoffe auch, dass wir unsere Leistung bestätigen können – aber wir müssen weiter hart arbeiten.“ Zumal auf der anstehenden Nordamerika-Tour Bahnen warten, auf denen ihnen die Erfahrung fehle.

Großes Lob von den Stars

Die nationale Konkurrenz nimmt das Sauerland-Doppel allerdings seit Samstag noch ernster als ohnehin schon. „Für uns alle kann es nur gut sein, dass die beiden so dicht aufgeschlossen haben“, sagte Sascha Benecken im Gespräch mit dieser Zeitung. „Das erhöht den Druck innerhalb der Mannschaft und bringt uns alle weiter“, erklärte er. Und: „Wenn einer wackelt, schließt der nächste die Lücke. Man hat keine Zeit mehr, kurz Luft zu holen. Wir spüren ihren Atem im Nacken.“

Das tat Johannes Geueke kurz vor der Siegerehrung der Doppelsitzer ebenfalls. Wenigstens den seines Sohnes Robin, als er ihn gefühlt einen Lauf lang umarmte, der stolze und fröhliche Papa.