Galanterien aus dem hohen Norden

Der Cembalist Ketil Haugsand
Der Cembalist Ketil Haugsand
Foto: Klavierfestival Ruhr
Der Cembalist Ketil Haugsand entdeckt beim Klavierfestival Ruhr auf Schloss Hohenlimburg vergessene Barock-Komponisten aus Skandinavien neu

Hagen.. Schloss Hohenlimburg zählt zu den schönsten Spielorten des Klavierfestivals Ruhr – und zu den kleinsten. Das historische Ambiente eignet sich besonders für Cembalomusik, und so konnten die Besucher in den vergangenen Jahren bereits die Cembalo-Traditionen Europas dort kennenlernen. Nun hat der norwegische Alte-Musik-Spezialist Ketil Haugsand Skandinavien ins Spiel gebracht. Bei dem vom Interpreten launig moderierten Konzert stellt sich schnell heraus: Komponisten sind Kosmopoliten. Sie wollen wissen, wie anderswo die Musik klingt. Dafür ist ihnen kein Weg zu weit.

Zu Fuß nach Lübeck

So wie dem 20jährigen Johann Sebastian Bach, der 1705 zu Fuß die 400 Kilometer von seinem Dienstort Arnstadt in Thüringen nach Lübeck zurücklegte, um dem Organisten Dietrich Buxtehude die Geheimnisse seiner Kunst abzulauschen. Buxtehude und Bach bilden die Pole des Programms, zwischen denen Haugsand vergessene nordische Barock-Meister wieder entdeckt. Etwa Johan Daniel Berlin, der aus Memel nach Trondheim kam und das letzte Konzert für Zink der Geschichte schrieb, „hundert Jahre, nachdem das Instrument nicht mehr gebraucht wurde. Das ist ein Nebenprodukt von Provinzialität“, so Haugsand. Oder Johan Helmich Roman, Hofkapellmeister in Stockholm, der in London bei Händel studierte.

Der Fürstensaal schafft eine intime Atmosphäre. Publikum und Künstler kommen sich nahe, versteckt werden kann hier gar nichts, auch nicht, wenn dem Virtuosen die Finger auf den schmalen Tasten verrutschen. Ungefähr so darf man sich die höfischen Konzerte der Barockzeit selbst vorstellen, wie sie auf der westfälischen Höhenburg zur Zeit des Reichsgrafen Moritz Casimir I. von Bentheim-Tecklenburg erklangen. Dieser stellte bekanntlich nur Bedienstete ein, die ein Instrument spielen konnten.

Es sind galante Stücke, die Haugsand auswählt, und mit denen er virtuos den bezaubernden Klangreichtum des Cembalos erschließt. Der Kölner Musikprofessor spielt ein zweimanualiges Instrument, das der Bremer Cembalobauer Martin Skowroneck 1985 gefertigt hat, und auf das er 17 Jahre warten musste, „das war jede Minute wert“.

Elegante Verzierungen

So kann er anhand von Berlins Sonatine demonstrieren, wie elegant Triller und andere Verzierungen die Melodie würzen. Die Sonate von Roman startet wie eine Opernouvertüre mit dramatischen Kontrasten, die Haugsand durch Registerwechsel orchestriert. In Buxtehudes Präludium und Fuga in g-moll stellt der Interpret die Expressivität heraus, die sich aus den harmonisch pikanten Läufen ergibt.

Der Dreh- und Angelpunkt der Cembalokunst ist und bleibt aber Johann Sebastian Bach, dessen Englische Suite Nr. 6 Haugsand mit Herzblut angeht und dabei zeigt, wie das Zusammenspiel zwischen Bass, Mittel- und Oberstimmen eine polyphone Klangarchitektur aufbaut und wie die glitzernden Arpeggien das Publikum in Verzückung bringen. Der Höhepunkt ist natürlich der Einsatz des Lautenzuges. Dabei dämpft ein Filzstück die Saite, während sie vom Kiel angerissen wird. So entsteht ein ganz zarter Klang, der sich apart vom rauschenden Effekt der gekoppelten Vier- und Achtfuß-Register abhebt.

Das Publikum des von der Firma C.D. Wälzholz ermöglichten Konzertes ist am Ende so begeistert, dass der Solist mit nicht weniger als zwei Zugaben davonkommt – natürlich beide von Bach.

www.klavierfestival.de

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