Für die Natur auf Millionen verzichtet

Christoph Vetter

Heiligenborn.  Er hat den Urwald in Barbados und Brasilien gesehen und sich für den Erhalt dieser einmaligen Naturgebiete eingesetzt. Aber immer wieder zog es den heute 73 Jahre alten Dieter Mennekes ins Sauerland zurück. „Ich habe viel von der Welt gesehen. Das hat dazu geführt, dass ich meine Heimat umso mehr schätze.“

Jetzt hat der Unternehmer und Umweltschützer seinen 370 Hektar großen Waldbesitz als Stiftung für die „Wildnis Heiligenborner Wald“ zur Verfügung gestellt. Das tut der 73-Jährige aus Überzeugung und verzichtet damit auf rund sechs Millionen Euro, die er nach eigenen Angaben bei einem Verkauf hätte erzielen können. Die jährlichen Einkünfte aus dem Wald würden bei einer viertelmillion Euro liegen. Nach Ansicht von NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) ist nun an der Ilsequelle bei Bad Laasphe am Donnerstag mit einem „einzigartigen Vorgang ein bundesweites Signal“ ausgegangen. Es sei „der Startschuss für ein neues Kapitel im Buch der Naturschutzpolitik“.

Als der Jagd begeisterte Mennekes 1998 davon Wind bekam, dass die Rentkammer in Laasphe Wald verkauft, ging er nach Gesprächen mit Botho Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein als Besitzer eines 370 Hektar großen Gebietes bei Heiligenborn aus den Verhandlungen hervor. „Hier gibt es mehr Laubwald als auf der anderen Seite des Rothaarkammes, das hat mich gereizt,“ erinnert sich Dieter Mennekes an den Start in den Wittgen­steiner Wäldern.

Liebe zur Natur lag in der Wiege

Mennekes hat schon von seinem Vater Aloys die Liebe zur Natur mit auf den Lebensweg bekommen („Ich war schon als Bursche immer gern im Wald“). Diese Passion blieb und wuchs – auch wenn der Wirtschaftsingenieur Dieter nach Stationen in Berlin und München zunächst mit seinem Bruder Walter in Kirchhundem das Lebenswerk des Vaters („Mennekes Stecker“) fortsetzte und zu einem international renommierten Unternehmen ausbaute. Bis sich der berufliche Weg der Brüder trennte. „Ich wollte gestalten, die Umwelt verbessern und mit guten Leuten für eine gute Sache erfolgreich arbeiten.“ Für dieses Ziel war Mennekes ein beachtlicher Teil des durch das Ausscheiden aus dem Unternehmen erhaltenen Vermögens nicht zu schade. Sein Engagement hilft dem Naturschutz im fernen Barbados ebenso wie Projekten in Brandenburg oder auf Sylt.

„Ein Umweltverbesserer möchte ich schon ganz gern sein,“ gibt Mennekes gern und mit einem Augenzwinkern zu, und er verhehlt nicht, dass er Teile seines Vermögens dafür uneigennützig zur Verfügung stellt. „Es hat wenig Sinn, der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein.“ Deshalb sei ihm der Heiligenborner „Wald als Einnahmequelle auch nicht so wichtig“, begründet Mennekes seine Initiative in Wittgenstein, die in Diethard Alt­rogge, dem Leiter des Regionalforstamtes, von Anfang an einen überzeugten Mitstreiter fand.

Sponsor für alternativen Nobelpreis

Wie er auf das Projekt in Heiligenborn gekommen ist? Einer der Ideengeber war der Greifswalder Prof. Michael Succow (73). Succow ist Träger des alternativen Nobelpreises „Right Livelihood Award“, der von Dieter Mennekes gesponsert wird. Auf Initiative von Prof. Succow wurde im September 1990 in der letzter Sitzung des DDR-Ministerrates beschlossen, weite Flächen der DDR als Nationalpark oder Biosphärenreservat unter Naturschutz zu stellen.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Naturschützers inspirierten auch Mennekes. „Wir verlangen die Bewahrung der Wildnis am Amazonas, warum nicht auch im Ilsetal?“ erklärt Mennekes seinen Schritt. In Heiligenborn „mache ich das, so gut ich kann“, verspricht der 73-Jährige für die uralten Buchen, drei Flusstäler, eine Schlucht, Wiesen und schöne Aussichtspunkte.

„Hier möchte ich den Wald sich optimal entwickeln sehen“, sagt er und fügt hinzu: „Hier soll der Wald sich selber leben. Jeder Baum ist ein Gedicht, das die Erde an den Himmel schreibt.“