Freifunker vernetzen Südwestfalen

Hagen..  Ein funktionsfähiger Internetzugang ist genauso wichtig wie Strom, Wasser, Heizung und Telefon - so sieht es zumindest die stetig wachsende Freifunker-Community. Sie hat es sich daher zur Aufgabe gemacht hat, ganz Deutschland dezentral zu vernetzen. Der Trend zum Teilen ist auch in Südwestfalen angekommen - mit steigender Tendenz.

Für 20 bis 35 Euro kann jeder potenzielle Freifunk-Anbieter einen Router erwerben, der anschließend noch mit einer entsprechenden Software ausgestattet werden muss. Dann können Menschen in dem jeweiligen Umkreis das W-LAN kostenlos mitbenutzen. Ohne Zugangsschlüssel einwählen, online gehen, E-Mails checken, Facebook nutzen - und was sonst alles nur am heimischen Computer oder per Mobilfunkdaten geht.

Auf die Netzgeschwindigkeit desjenigen, der das W-LAN zur Verfügung stellt, hat das keinen Einfluss. Auch Smartphones und Laptops können mit der nötigen Software zu kleinen Hotspots werden. Die einzelnen Freifunk-Knoten verbinden sich und tauschen Daten aus. Am Ende soll es ein flächendeckendes, dezentrales und nicht-kommerzielles Netzwerk für Jedermann geben.

Zentraler Provider

Die Freifunk-Communitys aus der Region sind dem Freifunk-Rheinland e.V angeschlossen, der den Hauptserver stellt. Indem Freifunk-Rheinland als zentraler Provider fungiert, umgeht man das Prinzip der Störerhaftung. Für illegale Downloads haftet also nicht der Besitzer des Routers. Aber: Den Schutz des eigenen Handys oder PCs, mit dem man sich in ein Freifunknetzwerk einwählt, muss jeder selbst mit einer Anti-Viren-Software gewährleisten.

Freifunk boomt: Zuletzt gab man sich in Hagen große Mühe, den Rückstand zur freien Internetversorgung des Stadtteils Hohenlimburg aufzuholen. In Attendorn sind drei Straßenzüge in der Innenstadt vernetzt, in absehbarer Zeit werden alle Haupteinkaufsstraßen mit freiem Internet versorgt sein. Unter anderem sind Olpe, Drolshagen und kleinere Gemeinden um den Biggesee nachgezogen. Im Ennepe-Ruhr-Kreis treiben vor allem Gevelsberg und Sprockhövel den Netztausbau voran. In den meisten Communitys kommen fast täglich neue Router dazu.

Auch dort, wo die Netzwerke noch nicht weit ausgebaut sind, gibt es immer wieder Vorstöße von Einzelnen. In Iserlohn zum Beispiel. Obwohl die Innenstadt noch keine Freifunkanbindung hat, wagte dort eine Zahnarztpraxis den ersten Schritt und ermöglichte ihren Patienten freies W-LAN im Wartezimmer.

Eine Art Meta-Community ist unter dem Dach von „Freifunk Möhne“ zu Hause. Ihre Router stehen im Hochsauerlandkreis und im Kreis Soest - 650 Knotenpunkte, das heißt 650 Hotspots, die sich untereinander vernetzen.

Keine Funktionsgarantie

„Einen Anstoß hat im Mai 2014 der Bürgermeister von Arnsberg gegeben“, sagt Thomas Drewermann vom Freifunk Möhne. „Es haben sich schnell Freiwillige gefunden, die sich für das Projekt einsetzen.“ Aus gutem Grund: Für Einzelhändler und Gastronomen verspricht das freie Internet steigende Besucherzahlen. Insgesamt steigt die Attraktivität einer vernetzten Fußgängerzone erheblich. Doch auch soziale Aspekte spielen eine Rolle - das W-LAN mit denen teilen, die sich selbst keinen Internetzugang leisten können.

Arnsberg ist in vielerlei Hinsicht Vorreiter beim Thema Freifunk. Die Innenstadt, vor allem der historische Stadtkern, hat einen großen Schritt in Richtung flächendeckendes Netz gemacht. Bald soll das Freifunknetz sogar in kulturelle Projekte eingebunden werden. Entlang einer „Baukulturroute“ erhält bald jeder, der sich in entsprechende QR-Codes einwählt, Informationen zu historischen Gebäuden der Altstadt. „Es gibt keine Funktionsgarantie“, sagt Thomas Drewermann, „aber bisher hatten wir wenig Ausfälle.“

In Siegen und Umgebung ist man noch nicht ganz so weit: An „Brennpunkten“, wie es Klaus Stricker vom Freifunk Siegerland ausdrückt, gibt es bereits freies W-LAN für alle. In Hotels, Restaurants oder beim Stammfriseur. „Es gibt aber immer wieder Anfragen“, sagt Stricker. Vom Turnverein, der ein Freibad betreibt, vom Tourismusverband, von Sportvereinen, die sich freies Internet in ihren Sporthallen wünschen.

Doch auch die Siegener Freifunker denken sozial. Sie würden gerne Flüchtlingen die Möglichkeit geben, über ein freies W-LAN-Netz Kontakt zu ihren Familien zu halten, die Situation im Heimatland zu verfolgen. Dafür müssten sich aber genügend Leute in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft einen Router zur Verfügung stellen.

 

EURE FAVORITEN