Finale A 45 – oder: Einsam in Olpe

Als regelmäßiger Intensivbefahrer der Sauerlandlinie ist mein Wortschatz an Autofahrerflüchen immer noch steigend. Die dusseligen Wohnmobile, die an Steigungen sich Elefantenrennen liefern. Die Wohnwagengespanne, die die Funktion des Fahrtrichtungsanzeigers offenbar abgeklemmt haben. Die wild schlingernden Lastwagen, die einen auf die Gegenfahrbahn boxen wollen.

Sonntagabend gab’s keinen Fluch, nur Stille. Ich hatte in Rekordzeit aus dem Wittgensteiner Land die Anschlussstelle erreicht, ohne Ampelstopp in Hilchenbach oder Kreuztal. Ich fühlte ein tiefes Unbehagen, weil irgendetwas nicht stimmte: Um knapp 22 Uhr kein Auto auf der Straße, nicht vor, nicht hinter mir, nicht auf der Gegenfahrbahn. Gab es hier einen Großschadensfall? War gar die Autobahn aus Sicherheitsgründen gesperrt? Lag ein Flugzeug quer auf der Bahn? Und ich der einzige Irre, der hier entlangbraust?

Die Radioübertragung über das WM-Finale tat das Übrige und war derart nervenzerrend, dass ich irgendwann abdrehte. Jetzt nicht auch noch das Finale verlieren, wo hier schon offenbar eine Neutronenbombe alles menschliche und automobile Leben ausgelöscht hat!

Endlich jemand auf der Gegenfahrbahn. Er blinkt mich heftig an. Will er mich warnen? Ist etwa endlich ein Tor gefallen? Oder grüßt er nur, wie sich zwei Wanderer in der Wüste Gobi grüßen?

In Drolshagen fängt es an, Katzen und Hunde zu regnen. Ich rege mich langsam ab. So kenne ich die A 45. Alles wird gut. Finale A 45.

 
 

EURE FAVORITEN