European Homecare stellt vorbestraften Sexualtäter ein

European Homecare hat in einer Notunterkunft in Finnentrop-Heggen einen Mann eingestellt, der 19 Mal zum Teil einschlägig vorbestraft war. Unter anderem wegen eines Sexualdelikts.

Arnsberg.. Vor dem Arnsberger Landgericht ist am Montag der Prozess gegen den ehemaligen Leiter einer Notunterkunft in Finnentrop-Heggen gestartet. Dem Angeklagten (51) aus den Niederlanden wird vorgeworfen, mindestens viermal eine Bewohnerin (23) aus Syrien vergewaltigt zu haben (wir berichteten). Die Frau habe zwischen Januar und März diesen Jahres mehrere Wochen in seinem Haus in einem Mescheder Ortsteil gewohnt.

Im laufenden Prozess vor der Zweiten Großen Strafkammer wird klar: Der Mann steht nicht zum ersten Mal vor Gericht. Er wurde bereits 19 Mal verurteilt – hauptsächlich in den Niederlanden, aber auch in Belgien und Deutschland – unter anderem wegen der Herstellung von Drogen, Hehlerei, Urkundenfälschung und im Jahr 2000 wegen eines Sexualdelikts.

Verantwortung für 200 Menschen

Dennoch wurde der Mann in der Unterkunft in der ehemaligen Jugendherberge in Finnentrop als Leiter eingestellt, in der er zwischenzeitlich die Verantwortung für 200 Menschen übernahm. „Für die Auswahl des Personals ist ausschließlich das Betreuungsunternehmen zuständig“, sagt Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Arnsberger Bezirksregierung, auf Nachfrage dieser Zeitung. Sehr gründlich kann die Überprüfung, ob dieser Vorstrafenliste nicht gewesen sein.

Wachleute werden überprüft

Die Unterkunft wurde damals von European Homecare (EHC) betrieben. Der Betreuungsverband, der unter anderem durch den Folter-Skandal im siegerländischen Burbach in die Kritik geraten war. 2013 hatten mehrere Wachleute einen Bewohner gefesselt, misshandelt und Fotos von ihm gemacht.

Die Richtlinien zur Einstellung von Wachleuten wurden daraufhin im Jahr 2014 verschärft. Die Mitarbeiter werden nun umfassender kontrolliert, unter anderem wird das polizeiliche Führungszeugnis angefordert und der Staatsschutz überprüft die Wachleute. Dies konnte allerdings nicht verhindern, dass es – wieder in Burbach – sieben Wachleute gab, die gegen Ausländer im Internet gehetzt haben. Sie wurden für den Dienst in den Unterkünften des Landes gesperrt.

Träger übernimmt Unterkunft in Rüthen

Eine ähnliche vertragliche Regelung soll es in Zukunft auf für das Leitungspersonal in den Einrichtungen geben. Dies geschieht laut Söbbeler im Zuge der Neuausschreibungen. Bis Anfang des Jahres werden alle Betreuungsverträge der Zentralen Unterbringungseinrichtungen (ZUE) des Landes ausgeschrieben.

EHC, den ein Firmensprecher als „Aldi unter den Anbietern“ bezeichnete, übernimmt im nächsten Jahr die Unterkunft in Rüthen. Das Unternehmen hatte sich in einem dieser Ausschreibungsverfahren gegen die Johanniter, den bisherigen Betreuungsverband, durchgesetzt. Die Umbesetzung sorgte in der Kommune für Unmut.

Der angeklagte Niederländer leitete die Notunterkunft in Finnentrop bis zum 31. Januar. Danach mietete die Gemeinde Finnentrop das Gebäude für ein kommunales Wohnheim für 83 Flüchtlinge.

23-Jährige schwanger

Am ersten Prozesstag schweigt der Angeklagte. Die 23-jährige Bewohnerin aus Syrien war schwanger von ihm. Das ergab ein DNA-Gutachten nach dem Schwangerschaftsabbruch. Das Urteil in dem Vergewaltigungs-Prozess wird im Januar erwartet. Am nächsten Verhandlungstag sagt die Frau aus Syrien aus.

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