Einige Kommunen in Südwestfalen wollen wieder feste Schulbezirke

Kurze Beine, kurze Wege: Eltern können demnächst in einigen Kommunen selbst entscheiden, wo ihre Kinder zur Schule gehen.
Kurze Beine, kurze Wege: Eltern können demnächst in einigen Kommunen selbst entscheiden, wo ihre Kinder zur Schule gehen.
Foto: dapd
Einige Kommunen in Südwestfalen wollen wieder feste Bezirke einführen, um die kleinen Schulen auf dem Land zu erhalten. Während es auf manche Grundschulen einen Ansturm gibt, drohen andere, leer zu laufen.

Hagen. Zurück auf Los: Vor vier Jahren hatte die schwarz-gelbe Landesregierung die Schulbezirke abgeschafft. Von da an hatten Eltern die freie Wahl. Nun müssen sie ihre Kinder wieder auf die nächstgelegene Grundschule schicken, zumindest in manchen Kommunen Südwestfalens.

Kurze Beine, kurze Wege - das Motto gilt in Lüdenscheid bereits nach den Sommerferien wieder. Möglich macht es eine Gesetzesänderung, die die rot-grüne Landesregierung bereits im Dezember 2010 beschlossen hat. Seitdem können die Kommunen selbst entscheiden, ob sie Eltern die Wahl lassen oder so genannte Schuleinzugsbezirke einführen.

Stadt Lüdenscheid befürchtet weniger Anmeldungen

Man habe beobachtet, dass es einen Ansturm auf manche Grundschulen gebe, andere dagegen drohten, leer zu laufen, begründet eine Sprecherin der Stadt Lüdenscheid das Ende der Wahlfreiheit. Die Verwaltung hatte die Befürchtung, dass insbesondere an den Lüdenscheider Innenstadtschulen nicht genügend Kinder angemeldet würden. Wenn es eine Wahlfreiheit gebe, könnte die Verwaltung über den Fortbestand einer Schule aber nur von Jahr zu Jahr entscheiden, so die Begründung weiter. „Mittelfristige Planungen sind kaum möglich“, heißt es.

Auch im nahen Plettenberg denkt man nun darüber nach, im übernächsten Schuljahr wieder feste Bezirke einzuführen, um die kleinen Schulen auf dem Land zu erhalten, erklärt Christoph Wilk, Sachgebietsleiter Schulen. Wobei man, ebenso wie in Lüdenscheid, auch Ausnahmen zulassen wolle, wenn die Eltern ihr Kind zum Beispiel an eine Schule schicken wollen, die auf dem Weg zur Arbeit oder bei den Großeltern um die Ecke liegt.

Freie Schulwahl in Arnsberg

„Freie Schulwahl für freie Bürger“, heißt dagegen in Arnsberg das Motto. Zwar macht sich der demografische Wandel auch hier bemerkbar: Weil es immer weniger Grundschüler gebe, habe man bereits Schulen zu Verbünden zusammengeschlossen, erklärt Stadtsprecher Elmar Kettler. Den Eltern aber vorzuschreiben, auf welche Schule sie ihr Kind schicken müssen, hält er nicht für das adäquate Mittel, dem Bevölkerungsschwund gegenzusteuern.Auch in Iserlohn und Menden denkt man nicht daran, die Schulbezirke wieder einzuführen. Es habe sich gezeigt, dass die Eltern mit ihren Kindern ohnehin die nächstgelegene Grundschule ansteuern, heißt es.

Eine Einschätzung, die Anna Makles von der Universität Wuppertal bestätigen kann. Die Wissenschaftlerin hat gemeinsam mit einem Team um Professorin Kerstin Schneider untersucht, welche Auswirkungen die Aufhebung der Grundschulbezirke in NRW hatte. Keine, lautet im Prinzip ihr Ergebnis. „Es hat sich wenig verändert“, sagt Anna Makles. Auch habe sich die soziale Kluft nicht wie befürchtet vergrößert: „Es gibt also keine Notwendigkeit, die Schulbezirke wieder einzuführen.“

Stattdessen bestätigen internationale Studien ihrer Meinung nach eine andere Vermutung: Wenn Eltern und Kinder wählen können, gibt es einen positiven Wettbewerb. „Dann müssen sich die Schulen etwas einfallen lassen, um die Kinder zu halten oder zu gewinnen.“

 
 

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