Eine Basis für die Kopfgeburt

Bezirkssprecher Uwe Lische bei der Gründungsversammlung des AfD-Kreisverbandes im Märkischen Kreis.
Bezirkssprecher Uwe Lische bei der Gründungsversammlung des AfD-Kreisverbandes im Märkischen Kreis.
Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann
In diesen Tagen gründen sich überall in Südwestfalen Kreisverbände der neuen Partei Alternative für Deutschland. Der Euro ist das Haupt-Thema.

Lüdenscheid..  Viele Deutsche machen sich Sorgen um den Euro. Aber manche machen sich größere Sorgen als andere. Die sind in der Alternative für Deutschland (AfD) aktiv. Ist das so? Was sind das für Leute? Was wollen sie? Und wie funktioniert so eine Neugründung? Das sind die Fragen, die man an eine neue Partei hat. Ein paar Antworten gab es am Freitag in Lüdenscheid. Dort gründeten 17 Parteimitglieder einen Kreisverband für den Märkischen Kreis.

Uwe Liesche, Sprecher (=Vorsitzender) des AfD-Bezirks Arnsberg, ist schon eine Stunde vor Beginn der Versammlung im Restaurant „Zum Markgrafen“. Der 45-jährige Ex-Pilot aus Witten, Geschäftsführer einer Firma für Personaldienstleistungen, ist viel unterwegs in diesen Tagen. Er hilft dabei, der Berliner Kopfgeburt („Die Partei der Wirtschaftsprofessoren“) eine Basis zu verschaffen. Im April gründeten sich Bundes- und Landespartei, darauf die Bezirksverbände, und bis Ende nächster Woche wird es in allen südwestfälischen Kreisen einen AfD-Verband geben.

Klaus Peter Berg, Mitglied im Bezirksvorstand, Steuerberater aus Olpe, ist mit seinem Kreisverband am Donnerstag dran. Am Freitag folgen Siegen und Hagen. Auch Berg ist nach Lüdenscheid gekommen. Weil er ebenso wie das frühere FDP-Mitglied Liesche politische Erfahrung hat: „Ich war bis 2011 in der CDU. Fast 25 Jahre lang.“ Die beiden wissen deshalb, wie eine Gründungsversammlung formal korrekt abzulaufen hat.

Aber was wollen sie? Zurück zur D-Mark? „Nein“, sagt Liesche. „Aber wir wollen anderen Ländern ermöglichen, geordnet aus dem Euro auszusteigen.“ Der Euro ist ihr einziges Thema? „Das wichtigste“, sagt Berg. „Wenn das in die Hosen geht, werden sich die meisten anderen Themen mangels Geld von selbst erledigen.“ Im Zusammenhang mit der Euro-Politik steht auch der „Verlust der Rechtsstaatlichkeit“, die Liesche beklagt: „Die Verträge werden permanent gebrochen.“ Auch deshalb seien viele Jura-Professoren in der AfD aktiv. Aber auch Studenten, Arbeiter, ganz normale Leute. „Wir kommen aus der Mitte der Gesellschaft.“

Mal schauen: Torsten Kloth aus Sundern, seit zehn Tagen Sprecher im HSK und heute Gast in Lüdenscheid, ist Berufskraftfahrer. Die langsam eintrudelnden Parteigründer wirken solide bürgerlich, sind mehrheitlich männlich und mehrheitlich älter. Aber das ist in den meisten Parteien so. Mit genauen Statistiken kann die AfD noch nicht dienen. Bundesweit sind mehr als 20 000 Mitglieder registriert, in NRW gut 2500, knapp 700 Anträge sind noch unbearbeitet.

Blicken wir auf die Bewerber fürs Amt des Kreissprechers: Maschinenbauingenieur Diethardt Küppers kommt aus Plettenberg und ist 68 Jahre alt. Hasso Simon aus Meinerzhagen ist 66, war Stahlkaufmann, danach bei einer Bausparkasse und dann Banker. Er war vier Jahre in der Rentnerpartei. Gewählt aber wird Sebastian Schulze aus Menden. Der 37-jährige Betriebswirt ist im mittelständischen Unternehmen seiner Familie tätig. „Draußen gibt es ganz viele Menschen, die auf uns warten“, ist er überzeugt. Und lässt sich zum Direktkandidaten für Bundestagswahlkreis 150 wählen. Simon übernimmt Nr. 149. Ohne Wahlchancen natürlich. Aber die Kandidaten und die Kreisverbände sind wichtig für den Wahlkampf vor Ort.

Und wie wird es ausgehen am 22. September? Liesche erwartet sechs Prozent. Das ist gut doppelt so viel, wie die Umfragen hergeben. Aber auf die gibt er wenig: „Bei manchen Interviews standen wir gar nicht auf der Liste. Und sehr viele Menschen kennen uns noch nicht.“ Das soll sich nun ändern. Durch populistisches Bedienen antieuropäischer Vorurteile? Die Frage empört Liesche: „Die jetzige Politik führt doch dazu, dass die Europäer sich immer schlechter verstehen. Das Schlimme ist ja, dass die versenkten Milliarden nicht beim Bauern in Saloniki landen, sondern beim Hedgefonds-Manager in London.“

 
 

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