Ein Stück Heimat ist mit an Bord

Büren..  Bilder aus der Produktion vom Fotografen dieser Zeitung? Nein. Kein Gedanke daran. Robert Heggemann winkt ab: „Entschuldigung, das ist nicht möglich.“ Sein Unternehmen ist kein Hochsicherheitstrakt, aber die Produkte, die in den Hallen gefertigt werden, sind nicht für den Wochenmarkt: Sie sind für sensible Bereiche in der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Übertriebene Vorsichtsmaßnahme? Nur weil das Unternehmen direkt am Airport Paderborn-Lippstadt liegt, muss es schließlich nicht gleich abheben. Atmosphärisch gesehen. Falsch gedacht.

Hitzeschutzschild aus Titan

Die Heggemann AG liefert, was wenige wissen, seit zwei Jahrzehnten Bauteile für die europäische Ariane-Rakete. Als Kleinstserien entstehen unter Einhaltung extrem hoher Qualitätsanforderungen möglichst leichte aber extrem stabile und zu 100 Prozent geprüfte und dokumentierte Strukturbauteile aus Titan - zum Beispiel für das Hitzeschutzschild der Steuerung. Der 54-Jährige spricht es nicht aus, aber der Besucher ahnt: Ein gutes Geschäft. Alles verglüht irgendwann nach dem Start und muss wieder neu produziert werden. So bis zum Jahr 2020 für die europäische Trägerrakete Ariane 6.

Allein in ihre Entwicklung steckt die Europäische Weltraumorganisation (ESA) vier Milliarden Euro. Ein winziges Stückchen dieses Raumfahrtkuchens wird in dem Familienunternehmen vernascht, sprich, es geht um Aufträge in Millionenhöhe. Der Chef, 54 Jahre alt, sieht das verständlicherweise gerne: „Die Luftfahrt steht für Innovation und Qualität wie kein anderer Industriezweig.“ Mit einem Schmunzeln im Gesicht erinnert er sich an die Zeiten, als Auspuffanlagen für Sportflugzeuge oder Kniegelenke für Beinprothesen gebaut wurden: „Die Beherrschung von Komplexität erhält und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit.“

Intelligente Verknüpfungen

Um der Konkurrenz immer ein Schritt voraus zu sein, setzt Heggemann auf eine intelligente Verknüpfung von fachmännischer Handarbeit, „wir schweißen mit der Hand 0,6 Millimeter dünne Bleche“, mit modernen Produktionsmethoden und hoher Ingenieurskunst.

Auf die Idee, sich angesichts niedriger Lohnkosten im Ausland niederzulassen, kommt er nicht. „Für uns hat es keinen Sinn, in ein Land zu gehen, in dem kostengünstig produziert werden kann“, versichert Heggemann. „Beispiel China: Hier findet in gewisser Weise ein Ausverkauf von Know-how europäischer Unternehmen statt.“

Sein Ziel ist es, das Unternehmen mit ständigen Innovationen auf dem Markt zu behaupten: technisch, organisatorisch und in der Mitarbeiterentwicklung - statt Billiglöhne zu zahlen. Dass das Unternehmen ausschließlich hochwertige Strukturbauteile für Geschosse kleinerer oder größerer Art in der Raumfahrt entwickeln und bauen kann, ist ein Irrtum. Baufertige Komponenten für Trägerraketen auf Satellitenmission stehen für Schnelligkeit, die Fahrwerke, für Luftschiffe des Traditionsunternehmens ZLT Zeppelin Luftschifftechnik in ­Friedrichshafen für Langsamkeit.

Laien können nur erahnen, was ein Fahrwerk aushalten muss, wenn es auf unbefestigten Landeplätzen Stöße abfedern muss und sich um 360 Grad drehen kann. Hinter der Konstruktion verbergen sich in der Entwicklung Hunderte Einzelschritte. Teile für die Luft- und Raumfahrt machen 60 bis 65 Prozent des Umsatzes aus. Heggemann: „Wir sehen zu, dass wir nicht abhängig von einer Branche werden.“ So ist das Unternehmen auch in der Automobilindustrie gut unterwegs. Mehr kann hier nicht verraten werden.

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