Ein Mann der beharrlich leisen Töne

Detlef Wetzel und Jörg Hofmann von der IG Metall.
Detlef Wetzel und Jörg Hofmann von der IG Metall.
Foto: Frank Rumpenhorst
Detlef Wetzel aus Siegen gibt im Oktober sein Spitzenamt bei der IG Metall in Frankfurt in neue Hände. Jörg Hofmann als bisheriger zweiter Mann für Nachfolge vorgeschlagen.

Hagen/Siegen.. Knapp zwei Jahre Amtszeit - das ist nicht viel für den Chef der mächtigsten Einzelgewerkschaft der Welt. Es gab IG-Metall-Vorsitzende, die deutlich länger amtiert haben als Detlef Wetzel (62), der während seiner acht Jahre in Frankfurt (zuvor als zweiter Vorsitzender unter Berthold Huber) beharrlich an seinem Hauptwohnsitz Kreuztal festgehalten hat.

Lange Jahre Wetzel erklärte gestern erstmals öffentlich, beim nächsten Gewerkschaftstag am 20. Oktober dieses Jahres nicht mehr zur Wahl anzutreten und den derzeitigen zweiten Vorsitzenden Jörg Hofmann (59) aus Baden-Württemberg als seinen Nachfolger vorzuschlagen.

Kein Paukenschlag, weder das eine noch das andere. Wetzel selbst hatte die Entscheidung für sich selbst längst getroffen, sie aber nach außen offen gelassen, „weil wir nicht wollten, dass er als Interims-Lösung gehandelt wird“, so ein mit dem Vorgang vertrauter IG-Metaller. Weiteres Problem: Hätte er volle vier Jahre weitergemacht bis 67, „hätte man das politisch ausschlachten können“, so der Insider. Die Regel ist auch, dass der bisherige zweite Mann (Jörg Hofmann), für den Chefposten vorgeschlagen wird. Nicht die Regel ist allerdings eine Frau in der engsten Gewerkschaftsführung. Wetzel schlug für das Amt der Zweiten Vorsitzenden die Diplom-Soziologin Christiane Benner (47) vor, die nun gute Chancen besitzt, Hofmann in vier Jahren an der Spitze zu beerben.

Kein Tarifexperte

Wetzel, ein Mann der beharrlich leisen Töne, gilt nicht als ausgewiesener Tarifexperte, das ist eher sein Nachfolger in spe Hofmann. Er wird als Reformer und Modernisierer in Erinnerung bleiben, einer, der es geschafft hat, nicht zur Kernkompetenz einer IG Metall zählende Themen wie Leiharbeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse nach vor zu bringen, heißt es bei der Gewerkschaft. Außerdem schaffte er es, den Mitgliederschwund umzudrehen.

Auf der Arbeitgeberseiteweint ihm mancher eine Träne nach. Er sei immer ein sehr angenehmer Partner gewesen, urteilt Horst-Werner Maier-Hunke über Detlef Wetzel. „Persönlich schätze ich ihn sehr“, so der Iserlohner aus seiner langjährigen Erfahrung als früherer Präsident der Metallarbeitgeber in NRW. Und doch zeigt er Verständnis für den Abgang des IG-Metall Chefs: „So ein Job ist ein aufreibender Posten. Da zählt jedes Jahr doppelt“, sagt der 77-jährige Unternehmerpräsident in NRW.

Harter Partner

Jörg Hofmann, Wetzels designierter Nachfolger bei der IG Metall und bisheriger Vize, ist für die Arbeitgeber kein Unbekannter: Er hat die Tarifverhandlungen für die Gewerkschaften bereits in den vergangenen Jahren geführt: „Ein ausgewiesener Fachmann“, so Maier-Hunke. „Einer der härtesten Partner, die ich kenne“, fügt er hinzu. Dass nun vermutlich eine Frau auf den Stellvertreterposten kommt, begrüßt Maier-Hunke: „In der Sache wird das nichts ändern – aber vielleicht im Stil.“

Der aktuelle Metallarbeitgeberchef in Nordrhein-Westfalen, Arndt Kirchhoff, lobte Wetzel als „fairen Kämpfer“ und „zielorientierten Kommunikator“, der „Bemerkenswertes“ geleistet habe. Und nicht auf die laute Art - „da gab es lautere. Er ist alles andere als ein Show-Mann.“ Wetzel wird wohl der Arbeitnehmerbewegung in irgendeiner Weise erhalten bleiben und sich nicht zu seinen Bienen zurückziehen, wie seine Pressesprecherin Ingrid Gier mutmaßt. Imkerei ist sein Hobby.

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