Drei Generationen – eine Kanzlerin

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht am 26.11.2016 während des Landesparteitages der CDU in Hameln (Niedersachsen) auf der Bühne. Die CDU Niedersachsen will hier einen neuen Landesvorsitzenden und Herausforderer des amtierenden, sozialdemokratischen Ministerpräsidenten wählen. Foto: Peter Steffen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht am 26.11.2016 während des Landesparteitages der CDU in Hameln (Niedersachsen) auf der Bühne. Die CDU Niedersachsen will hier einen neuen Landesvorsitzenden und Herausforderer des amtierenden, sozialdemokratischen Ministerpräsidenten wählen. Foto: Peter Steffen/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Foto: Peter Steffen
  • Elf Jahre Angela Merkel – und kein Ende in Sicht.
  • Welche Bedeutung hat ein Mensch, der so lange die Politik bestimmt, für Menschen in Südwestfalen?
  • Drei Generationen erzählen.

Hagen.  2005 ist das Jahr, in dem wir Papst werden. Das Jahr, in dem George W. Bush für seine zweite Amtszeit als US-Präsident vereidigt wird. Das Jahr, in dem das Arbeitslosengeld II erstmal ausgezahlt wird. Lange scheint das her. Es ist das internationale Jahr der Physik. Und das Jahr, in dem eine Physikerin Bundeskanzlerin in Deutschland wird.

Die Jugend

Elf Jahre sind vergangen. Sieben Jahre war Elisa Sobkowiak damals gerade alt. Wie so

viele, die in der zweiten Hälfte der 90er Jahre geboren sind und die bei den kommenden Bundestagswahlen zum ersten Mal mit abstimmen dürfen, kennt sie eigentlich nur eine Person auf dem Kanzlerposten: Angela Merkel. Helmut Kohl ist für sie Geschichte. „An die Kanzlerschaft Gerhard Schröders kann ich mich nicht mehr erinnern. Für mich gibt es nur sie an der Regierungsspitze“, sagt die 18-Jährige aus Warstein.

Mit Angela Merkel ist Elisa Sobkowiak groß geworden. Sie hat in dieser Zeit wichtige Weichen ihres Lebens gestellt, ist zur Schule gegangen, hat Abitur gemacht, ein Studium der Journalistik in Dortmund begonnen. Sie ist in dieser Zeit politisch sozialisiert worden, wenn auch spät: Zum ersten Mal habe sie Politik richtig bewusst wahrgenommen, als Angela Merkel die Euro-Krise managen musste.

„Für viele andere in meinem Alter ist Angela Merkel sicher alternativlos“, fügt sie hinzu. Ein Wort, das Angela Merkel selbst gern in der politischen Debatte verwendet hat und das im Jahr 2010 zum „Unwort des Jahres“ gekürt worden ist, weil damit politische Diskussionen unterbunden würden, lautete die Argumentation der Jury damals.

Elisa Sobkowiak aber sind Alternativen nicht undenkbar. Sie sei gespannt, was passieren werde, wenn ein anderer Kanzler, eine andere Kanzlerin kommt, sagt sie. Bei der nächsten Wahl oder der übernächsten. „Vielleicht habe ich aber auch ein bisschen Angst davor, wie es dann weitergeht, denn immerhin hat Angela Merkel eine hohe Reputation in der Welt und ein enormes Standing.“

Und die für sie ganz persönlich wichtigste Entscheidung in dieser Kanzlerschaft? „Die Atomwende“, sagt sie bestimmt. „Das ist für meine Zukunft und die Zukunft meiner Kinder, die ich vielleicht eines Tages haben werde, entscheidend.“

Die Mitte

Der Ausstieg aus der Atomkraft hält – es scheint einer dieser Momente, in dem deutlich w

ird, dass nicht gleich ist, wer regiert. Er ist auch für Björn Bowinkelmann persönlich wichtig in dieser Kanzlerschaft. „Eine Wende“, wie er sagt. Denn anfangs, im Jahr 2005, da hatte Bowinkelmann keine großen Erwartungen an diese Kanzlerschaft, keine Vorfreude, wie er sagt. Aber auch keine Abneigung. In diesen elf Jahren hat Björn Bowinkelmann sein Studium beendet, im Beruf festen Fuß gefasst als stellvertretender Pressesprecher der Universität Siegen.

Er hat auch beobachtet, wie sich Politik in diesen elf Jahren verändert hat, wie auf einmal ein sehr sachlicher, pragmatischer Politikertypus gefragt ist: Angela Merkel, Olaf Scholz oder Winfried Kretschmann. Björn Bowinkelmann ist ein Kind der Kohl-Ära. 1980 geboren hat es auch für ihn „ziemlich lange gedauert, bis ich den ersten Kanzlerwechsel erlebt habe“, sagt er. Seitdem weiß er: „Mit einer neuen Person würde sich etwas ändern“, gerade im politischen System der Bundesrepublik, wo der Kanzler die Richtlinien vorgebe und die Koalition am Laufen halte.

Das Alter

Casp

ar-Heinrich Kotthoff kennt sie alle. Der Hagener ist 76 Jahre alt. Im Jahr 1940 geboren hat er sämtliche Kanzler der Bundesrepublik erlebt. „Jeder hatte andere Aufgaben – und jeder war zu seiner Zeit der beste“, ist er überzeugt.

Als Angela Merkel ins Amt kam, da war er bereits zwei Jahre im Ruhestand. Die Enkel waren auf der Welt, das Leben war eigentlich gestaltet. Große Erwartungen hatte Kotthoff, vor seinem Ruhestand Prüfer bei der Bundesanstalt für Arbeit, an diese Kanzlerin nicht. Für ihn war sie, wie für so viele, noch „Kohls Mädchen“. „Ich hatte sie unterschätzt und nie gedacht, dass sie so lange im Amt bleibt,“ sagt er.

Jetzt „hätte ich sie gern noch vier Jahre dabei“, sagt er. Denn es gebe noch viel für sie zu tun.

 
 

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