Die Wahrheit ist politisch korrekt

In der Silvesternacht sind rund um den Kölner Hauptbahnhof Dutzende Frauen massiv sexuell belästigt und ausgeraubt worden.
In der Silvesternacht sind rund um den Kölner Hauptbahnhof Dutzende Frauen massiv sexuell belästigt und ausgeraubt worden.
Foto: Marius Becker

Zu spät, viel zu wenig, so lauten Leser-Vorwürfe

Der Anlass, die Frage an dieser Stelle zu beantworten, hat auch mit den aktuellen Ereignissen zu tun. Aber nicht nur. Es geht ums Grundsätzliche. Werden Journalisten gesteuert?

Silvester-Übergriffe in Köln Ich bin seit 30 Jahren in diesem Beruf, und in dieser langen Zeit hat noch kein Politiker oder Verleger ernsthaft versucht, mich von einer Berichterstattung abzuhalten oder zu einer bestimmten Tendenz zu drängen. Unser Produkt wird jeden Tag oder jeden Monat von Menschen bezahlt, denen unsere Arbeit etwas wert ist. Das schafft Unabhängigkeit, bringt aber auch Verantwortung mit sich. Von der Gefahr, Fehler zu machen, befreit es nicht. Einen solchen Fehler haben wir am Montag gemacht. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Sorgfalt vor Schnelligkeit

Die ganze Dimension der Ereignisse rund um die Kölner Domplatte war größer als zunächst eingeschätzt. In der gestrigen und der heutigen Ausgabe nimmt das Thema großen Raum ein und es wurde keineswegs verschwiegen, dass die mutmaßlichen Täter vor allem dem nordafrikanischen oder arabischen Raum zuzuordnen sind. Niemand hält uns davon ab. Gerade aber, wenn viele Umstände ungeklärt sind, muss Sorgfalt vor Schnelligkeit gehen. Nur ein Beispiel: Ging es im Kern um sexuelle Übergriffe auf Frauen oder um widerliche Ablenkungsmanöver für dreiste Diebstähle von organisierten Banden? Die Antwort auf diese Frage ist für das künftige Handeln des Staates bedeutsam. Die Wahrheit bleibt auf jeden Fall politisch korrekt.

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