Die Verwaltung wird zum Netzwerk

Arnsberg..  „Alles Quatsch“, murmelt Arnsbergs Bürgermeister Hans-Josef Vogel, als Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, ihn als einen führenden Mitarbeiter im Innovators Club der Kommunalvertretung rühmt. Aber Zufall ist es natürlich nicht, dass die sogenannte „Innovaters Lounge“ zum Thema demografischer Wandel unter dem Titel „Lang lebe die Stadt“ gestern in Arnsberg stattfand.

Erfahrungsaustausch

Den Club der Erneuerer hat der Städte- und Gemeindebund 2004 ins Leben gerufen. Knapp 60 Bürgermeister, die sich intensiver als andere mit strategischen Zukunftsthemen befassen, sind Mitglieder dieser Vereinigung, die Ideenschmiede und Denkfabrik sein will. Das funktioniert durch Wissenstransfer aus Wissenschaft und Wirtschaft und durch Erfahrungsaustausch zwischen den Kommunen. Und da hatte Vogel gestern 30 Bürgermeistern aus NRW, Hessen und Niedersachsen in der Akademie der Firma Trilux einiges weiterzugeben. „Die Stadt des langen und guten Lebens“ war sein Vortrag überschrieben.

Was Arnsberg ein wenig früher als andere umsetzen will, fußt nach Angaben Vogels auf drei Säulen: „Erstens müssen wir die Strukturen anpassen. Städte sind von jungen Leuten für junge Leute gebaut. Jetzt kommt es darauf an, Barrieren abzubauen.“ Dazu müssten private Haushalte Hilfestellungen beim Umbau ihrer Häuser und Wohnungen erhalten und eine dezentrale Lebensmittelversorgung, also: Einkaufen ohne Auto, sei sicherzustellen.

Zweite Säule: Potenziale der Bürger nutzen. „Die Stadtverwaltung darf nicht mehr als Bürokratie auftreten, sondern als Unterstützer und Anreger privater Netzwerke.“ Da gehe es nicht nur um Hilfe von Senioren für Senioren, sondern um generationsübergreifende Projekte.

Und drittens habe die Stadt daran zu arbeiten, Familien bei der Pflege besser zu unterstützen, durch Schaffung von Strukturen, die die Arbeit von Profis, Ehenamtlichen und Angehörigen verknüpfen.

Dabei ist es Vogel aber wichtig, die Jugend nicht aus dem Blick zu verlieren: „Bei einer Umfrage haben wir festgestellt, dass die Hälfte der jungen Leute sich stärker für die Gemeinschaft engagieren will. Noch haben wir gar nicht die Kraft, diese Potenziale zu heben.“ Es sei auch wichtig, von Kindern und Jugendlichen zu lernen: „Wir müssen sie nicht in unser Boot holen, sondern in ihr Boot steigen. Die Lebenswirklichkeit, etwa beim Umgang mit digitalen Medien, gehört ins Rathaus.“ Aus all diesen Gründen werde die Kommunalpolitik künftig anstrengender, aber auch spannender. Und wichtiger, wie Städtebund-Sprecher Habbel ausführte: „Wie wir künftig leben werden, wird in den Kommunen entschieden.“ Und zwar von den Bürgern selbst.

Kooperation mit der Wirtschaft

Trilux-Geschäftsführer Johannes Huxol war gestern nicht nur Gastgeber, sondern auch Diskussionsteilnehmer. Er erklärte, dass die Demografie gerade für Unternehmen im ländlichen Raum eine riesige Herausforderung darstelle. Er bemängelte, dass Südwestfalen nicht mobil genug sei und mahnte die Kommunen, mehr für den öffentlichen Verkehr zu tun. Aber er zeigte sich auch sehr angetan von der Idee, dass die Städte voneinander lernen sollten: „Nur starke Kommunen können Heimat starker Unternehmen sein.“ Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Gemeinden sei unverzichtbar.

Habbel erwartet auch aus anderen Gründen Veränderungen: „Wir haben in diesem Jahr 11 Kommunalwahlen. 100 000 Kommunalpolitiker werden gewählt. Das gibt automatisch Bewegung.“

 
 

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