Die Quelle ist nicht nachzuweisen

Warstein..  Die Staatsanwaltschaft Arnsberg hat die Ermittlungen im Zusammenhang mit der Warsteiner Legionellen-Epidemie vor anderthalb Jahren eingestellt. Ein von der Ermittlungsbehörde in Auftrag gegebenes Gutachten, das eine mögliche Schuldfrage klären sollte, wurde bereits seit November nicht weiter verfolgt, wie die Behörde gestern auf Anfrage dieser Zeitung erklärte.

„Der Nachweis, wo die Infektionsquelle liegt, lässt sich nicht führen“, begründet Oberstaatsanwalt Thomas Poggel diese Entscheidung, „damit kann auch nicht geklärt werden, ob möglicherweise fahrlässiges Verhalten zum Ausbruch der Legionellen geführt hat.“ Aus einem Gutachten des Legionellen-Experten Professor Martin Exner, das dieser für den Kreis Soest erstellt hatte, gehe eindeutig hervor, dass es keine Möglichkeit mehr gebe, die ursächliche Quelle der Legionellenerkrankungen zu finden.

Kein neuer Gutachter beauftragt

„Dieses Gutachten liegt uns seit November vor und aufgrund dieser Ergebnisse haben wir entschieden, nicht weiter zu ermitteln“, so Poggel. Die Staatsanwaltschaft hatte im vergangenen Jahr ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben, um zu klären, ob beispielsweise eine fehlerhafte oder nicht erfolgte Wartung von unternehmenseigenen Kläranlagen oder Rückkühlwerken im Warsteiner Stadtgebiet dazu geführt haben könnte, dass die Legionellen in so großer Anzahl entstanden.

Vorläufig waren dabei keine Ansatzpunkte für fahrlässiges Handeln festgestellt worden, so die Staatsanwaltschaft im vergangenen August gegenüber dieser Zeitung. Die Staatsanwaltschaft hatte schon damals deutlich gemacht, dass eine strafrechtliche Verfolgung nur bei einer eindeutig nachweisbaren Schuldkette möglich sei: „Wir kommen erst ins Spiel, wenn tatsächlich etwas gefunden wird, was nachweist, dass irgendjemand in dieser ganzen Ereigniskette fahrlässig gehandelt hat, wodurch wiederum nachweislich Menschen zu Schaden gekommen sind“, sagte Oberstaatsanwalt Werner Wolff damals.

Fokus auf Rückkühlwerken

Da der zuständige Gutachter zwischenzeitlich erkrankt war, hätte die Staatsanwaltschaft nun einen neuen Gutachter beauftragt; angesichts der Ergebnisse des Exner-Gutachtens verzichtete sie jedoch darauf. „Wenn wir nicht eindeutig sagen können, wo der Infektionsherd für die Erkrankungen ist, dann reden wir hier nur über Wahrscheinlichkeiten, wo vielleicht etwas nicht ordnungsgemäß gelaufen ist“, erklärt Oberstaatsanwalt Poggel, „strafrechtlich können wir das nicht weiter verfolgen.“

Das Gutachten Exners, der von der Stadt Warstein damals zur Suche des Infektionsherdes hinzugezogen worden war, hatte sich auf mehrere Rückkühlwerke in der Umgebung bezogen. Ein fehlerhafter Betrieb oder mangelnde Wartung dieser Kühlanlagen könnten das Legionellenwachstum begünstigt haben. „Wir kommen aber gar nicht bis zu diesem Punkt“, so Oberstaatsanwalt Poggel, „denn es ist nicht einwandfrei nachweisbar, wo der Serotyp Legionellen, an dem die Betroffenen erkrankten, entstanden ist.“

Zivilrechtliche Klagen nun schwierig

Für mögliche zivilrechtliche Verfahren, an deren Ende für die Betroffenen, die erkrankt waren oder Angehörige verloren haben, möglicherweise Schadensersatzzahlungen stehen könnten, bedeutet das eingestellte Verfahren keine gute Nachricht. Ohne einen strafrechtlichen Nachweis, wer durch fahrlässiges Handeln zu einer Vermehrung und Verbreitung der Legionellen beigetragen hat, gestaltet sich eine zivilrechtliche Klage auf Schadensersatz schwierig.

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