Die Oscar-Nacht des deutschen Krimis

Der Ausnahme-Trompeter Frederik Köster und sein Ensemble mit Christian Brückner beim Tango Criminale. Foto: Raphael Sprenger
Der Ausnahme-Trompeter Frederik Köster und sein Ensemble mit Christian Brückner beim Tango Criminale. Foto: Raphael Sprenger
Foto: raphael sprenger photographie wp

Olsberg. Es gibt improvisierte Dankesworte, es gibt Tränen - und es gibt die schwarze Hand von Bödefeld als Statuette: Der „Tango Criminale“ ist die Oscar-Nacht des deutschen Krimis. Mit der Verleihung der Glauser-Preise und des Hansjörg-Martin-Preises für den besten Jugendkrimi hat Deutschlands größtes Krimifestival im HSK seinen glanzvollen Abschluss gefunden.

„Ich wünschte, unser Vater könnte das erleben“, weint Nina George, die in der Kategorie Kurzkrimi für ihre Geschichte „Das Spiel ihres Lebens“ ausgezeichnet wurde. Wie sie werden auch Lena Avanzini (Tod in Innsbruck, bestes Debüt), Maja von Vogel (Nachtsplitter, bester Jugendkrimi) und Michael Theurillat in der Königsdisziplin des besten Krimis (Rütlischwur) von der Auszeichnung überrascht, denn eine vorherige Warnung gibt es nicht.

Die Spannung bleibt in der Olsberger Konzerthalle bis zum letzten Augenblick erhalten. Der Schweizer Theurillat muss ebenfalls die Tränen unterdrücken: „Wer gibt schon einem Ex-Banker einen Krimipreis?“ Traditionsgemäß besteht die Dotierung aus 5000 Euro in kleinen, nicht durchlaufend nummerierten Scheinen. Den Ehren-Glauser erhält Thomas Przybilka für seine Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur. Er hat das Bonner Krimiarchiv begründet und war der erste, der zum Thema Krimi wissenschaftlich geforscht hat.

Die Gala-Nacht ist traditionell der Höhepunkt des jährlichen Krimiautoren-Treffens, für das 2012 der Hochsauerlandkreis bereits zum zweiten Mal der Tatort war. Entsprechend der Wertigkeit der Auszeichnungen ist das Rahmenprogramm erlesen. Christian Brückner liest aus den Texten der geehrten Schriftsteller, zusammen mit dem Trompeter Frederik Köster und dessen Ensemble gestaltet er zudem ein tief berührendes Benno-Ohnesorg-Programm. „Jeder kennt die deutsche Stimme von Robert De Niro“, führt Ralf Kramp den berühmten Sprecher ein. „Er könnte Ihnen das Telefonbuch vorlesen oder das Bundesgesetzbuch oder den Anzeigenteil der Westfalenpost, und Sie könnten stundenlang zuhören.“

Zusammen mit der Mendener Autorin Kathrin Heinrichs moderiert Kramp die Gala, und das Duo sorgt für viel Heiterkeit im Auditorium. „Wir, die Autoren, die ortsfremd sind, haben festgestellt, dass man von Olsberg aus überall hin im HSK 40 Minuten fährt“, kartographiert Kramp das Hochsauerland, das viele der gut 240 Schriftsteller an den fünf Criminale-Tagen bei ihren über 80 Lesungen zum ersten Mal erkundeten. Prof. Frederik Köster, der junge WDR-Jazzpreisträger und hochdekorierte Trompeter, ist in Olsberg geboren. Nicht das war der Grund, ihn für die musikalische Gestaltung der Feier einzuladen, sondern die Tatsache, dass Köster zu den besten und innovativsten zeitgenössischen Jazztrompetern zählt. Die Gruppe „Wildes Holz“ aus dem Ruhrgebiet ergänzt den feierlich-ungewöhnlichen Rahmen mit rockig-virtuosen Klängen auf Blockflöte, Gitarre und Kontrabass.

Christian Brückners entspanntes Lächeln beweist auch bei der anschließenden Party: Das Konzept geht auf. Die Literaten mischen sich fröhlich mit den Künstlern und dem Publikum. Diese Vielfalt ist ein großer Pluspunkt der Criminale. „Die Rückmeldung der Autoren ist eindeutig: dass es ein wunderbares Festival war. Hier sind einige Dinge zusammengekommen. Die Autoren haben die Region kennen gelernt, die sich ungeheuer gastfreundlich und interessiert gezeigt hat. Und auf Seiten des Publikums ist deutlich geworden, dass die Criminale im HSK angekommen ist“, bilanziert Georg Scheuerlein, der als Leiter des Kulturbüros Sauerland der Organisationschef des Festivals ist.

Bei der Criminale haben elf Städte und Gemeinden im HSK zusammengearbeitet. Auch Landrat Dr. Karl Schneider ist begeistert von der positiven Resonanz, zeigt sie doch, dass es sich lohnt, die Stärken zu nutzen, die die Region hat, um Menschen hierhin zu ­holen.

Die Autoren selbst liefern das beste aller denkbaren Komplimente der Erfolgsgeschichte Criminale 2012: „Dürfen wir in sieben Jahren wiederkommen?“, fragt Kathrin Heinrichs stellvertretend für die 240 Schriftsteller. Die Antwort von Landrat Schneider ist westfälisch knapp: „Auf jeden Fall.“

Damit würde das Sauerland dann einen weiteren Rekord brechen: als erste Region, die sogar zum dritten Mal Criminale-Schauplatz wird.