Die Einäugigen unter den Blinden?

Beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor der Wahl wirkten Südwestfalens CDU-Politiker noch zuversichtlich. Mit dem Wahlergebnis jedoch können auch sie nun nicht zufrieden sein.
Beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor der Wahl wirkten Südwestfalens CDU-Politiker noch zuversichtlich. Mit dem Wahlergebnis jedoch können auch sie nun nicht zufrieden sein.
Foto: WR

Hagen. Die CDU ist auf der politischen Landkarte eine Randerscheinung geworden. Die Mitte Nordrhein-Westfalens ist dagegen rot. Nur die alten Hochburgen im Münsterland, Ostwestfalen und im Sauerland haben dem Sturm standgehalten.

Doch so richtig freuen mag sich hier eigentlich niemand über die gewonnene Wahl. Denn auch hier hat die CDU stark eingebüßt, in der Wahlnacht vier Wahlkreise an die SPD verloren. Darunter zum Beispiel Siegen-Wittgenstein: Nach 17 Jahren im Landtag hat Monika Brunert-Jetter ihr Mandat verloren.

Und selbst dort, wo die CDU gesiegt hat, hat sie ähnlich viele Prozentpunkte verloren wie im Landesdurchschnitt. „Wenn eine solche Welle über das Land schwappt, dann wird man einfach mitgerissen“, so der bisherige Landtagspräsident Eckhard Uhlenberg, der im Wahlkreis Soest I das Direktmandat mit 41,8 Prozent der Stimmen erneut gewonnen hat. Doch war der Stimmenvorsprung der CDU bei der vergangenen Wahl im Hochsauerland, Olpe und auch Soest so groß, dass man selbst dieses Minus verkraften konnte.

Bisher also scheint ein Teil Südwestfalens eine sichere Bank für die CDU zu sein, auf der auszuruhen sich die Parteipolitiker jedoch nicht trauen. Das Wahlverhalten der Bürger habe sich geändert, so Uhlenberg: „Die Ausschläge werden größer.“ Auch die SPD habe sich bei der letzten Bundestagswahl mit 23 Prozent begnügen müssen.

„Wir müssen eine Menge tun, damit wir stark bleiben und wieder stärker werden“, sagt daher auch CDU-Mann Karl Schneider, Landrat im Hochsauerlandkreis. Einen Fehler jedenfalls wollen sie alle bei der nächsten Wahl nicht wieder begehen: dass der Landesvorsitzende und Spitzenkandidat nicht Mitglied im Düsseldorfer Landtag ist. „Das hat schon damals unter Norbert Blüm nicht geklappt“, blickt Eckhard Uhlenberg zurück. Und obwohl Norbert Röttgen doch ein waschechter Rheinländer sei, hätten die Wähler den Bundesminister nicht recht mit dem Land in Verbindung bringen können, so der Werler CDU-Mann.

Dass Röttgen zu Beginn des Wahlkampfes nicht erklären wollte, auch bei einer Niederlage nach Düsseldorf zu gehen, dass nehmen ihm die südwestfälischen Politiker krumm. „Der Wahlkampf war von Beginn an verpatzt“, ärgert sich nicht nur Karl Schneider. Wenn man etwas mache, dann müsse man es auch richtig tun, wirft der Westfale dem Rheinländer vor.

Doch es liegt nicht am Spitzenkandidaten allein: „Es ist uns nicht gelungen, Visionen für Nordrhein-Westfalen aufzuzeigen“, analysiert Patrick Sensburg. „Stattdessen haben wir uns an dem Thema Schulden abgearbeitet“, fügt er hinzu. Und Karl Schneider pflichtet bei: „Allein mit Verschuldung und Finanzpolitik kann man keinen Wahlkampf gewinnen, das ist zu wenig Botschaft.“ Man müsse nun wieder stärker auf die kommunale Kompetenz besinnen, also auf die Arbeit in den Städten und Gemeinden, fordert Klaus Kaiser, Vorsitzender der CDU Südwestfalen und Wahlsieger im Hochsauerland.

Bis dahin, fürchten die südwestfälischen Politiker, ist die Region im Land stark geschwächt, wie Hubert Kleff erklärt. Weil die Partei nämlich weniger Direktmandate gewonnen hat, greift nun die Landesliste. Und auf der sind vor allem Politiker aus den Ballungsgebieten abgesichert worden. Auch fürchtet Kleff, der nicht mehr zur Wahl angetreten ist, dass Rot-Grün wieder das Ruhrgebiet bevorzugt, weil sie dort ihre Wähler wissen. Patrick Sensburg appelliert daher an die ländlichen SPD-Leute, in Düsseldorf gemeinsam mit der CDU für die Region einzustehen.

 
 

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