Die Angst des Zahnarztes vor der Lücke

Ein Zahnarzt behandelt eine Patientin. Foto: Oliver Lang/dapd
Ein Zahnarzt behandelt eine Patientin. Foto: Oliver Lang/dapd
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Hagen/Kirchhundem.. Mit Lücken kennt sich Joachim Hoffmann von Beruf wegen aus. Wie man aber das Loch füllen sollen, das er nun vor sich sieht, dagegen hat er kein schnelles Mittel: Auf dem Land drohe in Zukunft ein Zahnärztemangel, sagt er.

Vor 22 Jahren hat sich Joachim Hoffmann mit einer Praxis in Kirchhundem-Würdinghausen selbstständig gemacht, einem Dorf mit heute etwa 1200 Einwohnern. 300 000 Mark habe er damals dafür bezahlt, erinnert er sich. Dass er selbst in einigen Jahren, wenn er sich zurückzieht, auch Geld dafür bekommt, daran glaubt er mittlerweile nicht mehr. „Wenn sich einer findet, der die Praxis übernimmt, dann muss ich schon froh sein. Aber dass derjenige dafür auch noch Geld bezahlt, ist unwahrscheinlich“, so Joachim Hoffmann.

Von einer Unterversorgung in Südwestfalen könne man zwar noch nicht sprechen, heißt es bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KZVWL), in der auch Hoffmann aktiv ist. Doch müssten immer wieder Praxen schließen, ohne dass sich ein Nachfolger dafür finde. „Das Problem eines Zahnärztemangels wird kommen“, warnt zumindest Burkhard Branding, stellvertretender Vorsitzender der KZVWL.

30 Praxen gebe es in seinem Notdienstbezirk, rechnet Joachim Hoffmann vor. Zwei haben bereits zugemacht, weil kein Nachfolger zu finden oder der Umsatz zu gering war. In den kommenden zehn Jahren, so schätzt Hoffmann, kämen sieben weitere Kollegen in das Alter, ihre Praxis abzugeben. Doch nicht alle davon würden wie bisher weitergeführt: „Es wird eine Verschiebung in die Mittelzentren geben.“

Praxis auf dem Land stirbt aus

Manche Praxis auf dem Land, wird Hoffmann zufolge also geschlossen. So dass die Patienten weitere Wege fahren müssen. Nach Olpe, Altenhundem und Attendorn zum Beispiel, wo sich dann mehrere Spezialisten in großen Versorgungszentren zusammentun. „Die kleine Praxis auf dem Land, geführt von einem Allrounder-Zahnarzt, stirbt langsam aus“, so Burkhard Branding.

Prognosen zufolge gibt es zwar in Zukunft nicht etwa weniger angehende Zahnmediziner. Einer Studie des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen ist die Anzahl der Zahnärzte zwischen 1998 und 2008 sogar um 6000 gestiegen. Auch hat die Zahl der Zahnärzte je Einwohner zugenommen.

Etwa 70 Prozent der Studenten sind jedoch Frauen, hält Burkhard Branding entgegen. Frauen, die zumeist auch für Kinder und Familie da sein wollen, statt zwölf Stunden täglich am Bohrer zu verbringen. Mithin gehe der Trend zur Gemeinschaftspraxis und Teilzeitarbeit, erklärt Burkhard Branding.

Kooperationspartner zu finden sei in den großen Städten einfacher. Zumal sich die Gemeinschaftspraxen vor allem in Zentren wie Münster, Bielefeld und Dortmund rechneten, so Burkhard Branding: Die Übernahme einer Einzelpraxis auf dem Land scheine vielen Absolventen nicht mehr attraktiv.

Nicht rentabel

Und auch nicht rentabel. „Die Übernahmekosten sind heute einfach nicht mehr zu erwirtschaften. Die Verdienstmöglichkeiten sind stark geschrumpft“, so Branding.

Zum Beginn des Jahres hat die Bundesregierung eine neue Gebührenordnung für die Zahnärzte gebilligt. Die Novelle sieht dem Gesundheitsministerium zufolge eine Erhöhung des Honorarvolumens um sechs Prozent vor. Ein Krone kostet die Patienten damit 74 Euro mehr, wie der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen berechnet hat.

150 000 Euro beträgt derzeit der Gewinn vor Steuern einer durchschnittlichen Praxis, so Burkard Branding. Davon müsse der Zahnarzt noch Steuern, Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen.

In sieben Jahren will Joachim Hoffmann seine Schulden abbezahlt haben, „wenn ich bis dahin überstehe.“

 
 

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