Der „Sharlih“ im Sauerland

Michael Kunz

Elspe.  Er ist der Macher, der Mann, der lieber im Hintergrund steht und kein großes Aufsehen um seine Person mag. Jahrelang hatte sich Jochen Bludau gegen eine öffentliche Ehrung durch die große Karl-May-Familie gesträubt. Am Samstag nahm er nun doch erkennbar bewegt den „Sharlih“ für sein Lebenswerk entgegen, den Preis des Karl-May-Archivs in Göttingen, der seit 1992 unter anderem an Pierre Brice, Eddi Arent, Claus Wilcke, Komponist Martin Böttcher sowie Dunja Rajter und „Nscho-Tschi“ Marie Versini vergeben wurden, die an diesem Wochenende beide nach Elspe gekommen waren. „Sharlih“ ist Winnetous Aussprache für Charlie oder eben Karl, den Vornamen seines Freundes Shatterhand, den Bludau so lange auf der Bühne spielte.

Nach dem früheren Segeberger Winnetou Klaus-Hagen Latwesen ist Jochen Bludau der zweite Bühnendarsteller, der den Preis erhält. Er danke allen, die „seit etwa 1970“ seinen Weg mitgegangen seien, damals ihre Häuser beliehen hätten, um der heute so erfolgreichen GmbH das nötige Startkapital zu liefern, sagte der Darsteller, Autor und Regisseur. Einer allein „kann so etwas nicht auf die Beine stellen“. Und er danke vor allem seiner Frau, „die unseren Kindern weit weg von meinem Arbeitszimmer Märchen vorgelesen hat, sonst wäre manches Stück nie geschrieben worden“, fügte er an.

In Elspe wurde an vier Tagen erstmals das Karl-May-Fest gefeiert. Sonst vornehmlich in Bad Segeberg und Berlin beheimatet, ehrten Film- und Festspielfreunde Jochen Bludau, jenen Mann, „ohne den unsere Fanszene gar nicht existierte, weil er Pierre Brice wieder zum Winnetou gemacht hat“, wie Veranstalter Michael Petzel es formulierte. Neben einer Podiumsdiskussion am Freitag mit Vertretern dreier May-Bühnen wurde der Galaabend am Samstag zum Höhepunkt des Wochenendes. Elspes langjähriger Winnetou-Darsteller Benjamin Armbruster hielt die Laudatio auf seinen „Boss, der auch mein langjähriger Freund ist“ aus Sicht der ­Kollegen.

Zuvor war bereits Meinolf Pape geehrt worden, der sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feiert und an ­diesem Wochenende aus ­gesundheitlichen Gründen seinen diesmal unwiderruflichen Abschied ankündigte.