Der Kampf gegen Windmühlenflügel

Menden..  Was unterscheidet Don Quichote vom Rotmilan? Der Greifvogel kann gegen Windmühlen gewinnen. So geschehen im Mendener Ortsteil Asbeck, wo brütende Rotmilane die Planung für Windkrafträder verhindern. Der Greifvogel ist aber nur einer von mehreren Gründen, weshalb die Stadt Menden seit rund 16 Jahren keine geeigneten Vorrangflächen für Windräder findet. Mal verweigerte ein Grundstückseigentümer die Kooperation, mal stand ein Segelflugplatz im Weg. Zurzeit läuft Suchverfahren Nummer vier. Sollte es ebenfalls scheitern, bedeutet das aber nicht, dass die Hönnestadt windradfrei bleiben darf. Im Gegenteil, theoretisch droht Menden trotz aller Anstrengungen ein Wildwuchs an Winkraftanlagen.

Für Außenstehende klingt die Situation von Kommunen wie Menden absurd. Wenn eine Stadt keine Vorrangflächen für den Bau von Windkraftanlagen ausweist, können Investoren einzelne Windräder bauen – sofern sie die gesetzlichen Vorschriften einhalten, also Lärmschutz, Abstandsflächen zu Wohnhäusern und den Schattenwurf der Rotoren berücksichtigen. Die Stadt kann diese Räder dann baurechtlich nicht verbieten. Dieses Privileg für Windkrafträder soll dafür sorgen, dass Kommunen diese Form der erneuerbaren Energieerzeugung nicht grundsätzlich verhindern können. Nicht vorgesehen ist aber offenbar der Fall, dass eine Stadt keine geeigneten Vorrangflächen besitzt.

Viele Waldgebiete, wenig Freiflächen

Menden ist bereits drei Mal mit Vorschlägen für Vorrangflächen gescheitert, wie Baufachbereichsleiter Frank Wagenbach und seine Mitarbeiter Birgit Rindel und Ludger Köck erläutern. 1997 startete das erste Verfahren, in dem zwei Flächen – am so genannten Gaxberg und an der L680 – als geeignet schienen. Der Stadtrat entschied sich für den L680-Bereich – und wurde von der Bezirksregierung zurückgepfiffen. Bei der Abwägung zwischen beiden Arealen habe es Fehler gegeben, so die Begründung. 2002 bis 2006 lief die zweite Suche. Die Rechtslage hatte sich geändert, so dass die ­bereits erwähnte Fläche im Ortsteil Asbeck in den Fokus geriet. Bis die Horste des gefährdeten Rotmilans dort entdeckt wurden. Die ­Bezirks­regierung lehnte deshalb auch diese Fläche ab. Das dritte Suchverfahren ab 2009 konzentrierte sich auf ein Gelände im Stadtviertel Osterfeld – bis der betroffene Eigentümer es plötzlich ablehnte, die Fläche zur Verfügung zu stellen.

Menden scheitert an zwei Grundproblemen, die sich nicht aus der Welt schaffen lassen. Zum einen besitzt die Stadt viele Waldgebiete und zu wenige Freiflächen, auf denen mehrere Windräder gebaut werden könnten. Zum anderen ist das Stadtgebiet durchzogen von vielen Tabuflächen. „Siedlungen, Grünflächen, Versorgungsleitungen, Richtfunktrassen, Flugwege und Naturschutzflächen fallen raus“, erklärt Frank Wagenbach. Die 56 verbleibenden Areale sind so klein, dass die vorgeschriebenen mindestens drei Windräder dorthin nicht passen.

Offenbar hatten auch andere Kommunen ihre Probleme, Vorrangflächen zu finden, die den gesetzlichen Vorschriften entsprachen. Jedenfalls änderte ein Erlass der Landesregierung 2011 die Lage. Seither dürfen Städte auch in Waldgebieten nach geeigneten Standorten für Windräder suchen. Allerdings hatte Menden erneut Pech. Eine vom Orkan Kyrill stark beschädigte Waldfläche bot sich zuerst an, schied dann aber wieder aus: Die Windräder hätten dort den Betrieb eines Segelflugplatzes gestört.

Planung hat weiterhin Vorrang

Frank Wagenbach und Birgit Rindel geben aber nicht auf. „Wir könnten jetzt aufhören und den Weg frei machen für Anträge auf einzelne Anlagen“, sagt Wagenbach. „Wir wollen aber weiterhin steuern, wo wir Windkraftanlagen haben, die verträglich sind“. Und zwar nicht nur planungsrechtlich, sondern auch in den Augen der Bürger. „Die Windräder lösen ein emotionales Für und Wider in der Bevölkerung aus“, weiß Birgit Rindel. Gegner verfluchen die „Verspargelung“ der Landschaft. Befürworter begrüßen Windräder, wie sie nur wenige Kilometer nördlich von Menden auf dem Höhenzug der Haar in Massen stehen, als Zeichen der Energiewende.

EURE FAVORITEN