Das Werben um Jacqueline Lölling und Annika Drazek

Jacqueline Lölling bleibt Winterberg und der RSG Hochsauerland treu. Foto: Matthias Graben
Jacqueline Lölling bleibt Winterberg und der RSG Hochsauerland treu. Foto: Matthias Graben
Jacqueline Lölling und Annika Drazek rasten bei der Bob- und Skeleton-WM in Winterberg zu Silber. Die eine im Skeleton, die andere im Zweierbob. Sie sind die Top-Talente ihrer Disziplinen - und dementsprechend begehrt bei Klubs und Stützpunkten.

Winterberg..  Sie ist nur noch eine harmlose Beton-Rinne, ein ödes graues Band, das sich durch die grüne Landschaft schlängelt. Das Eis der Bobbahn in Winterberg ist längst geschmolzen, der Betrieb auf Sommer umgestellt. „Aber ich denke gerne an diese Tage zurück“, sagt Jacqueline Lölling. An diese weiß-bunten Tage im März, als Schnee lag im Hochsauerland, als Fernseh-Anstalten live von der Weltmeisterschaft an der Kappe sendeten und Lölling ebenso sensationell wie überraschend vor zigtausend Zuschauern zu WM-Silber im Skeleton raste.

Seitdem gilt Jacqueline Lölling, diese 20-Jährige aus Brachbach im Siegerland, die vor der Heim-WM nur in zweitklassigen Rennserien und nicht im Weltcup fahren durfte, als der größte Rohdiamant ihrer Disziplin in Deutschland. Wie das mit Rohdiamanten ist: Zum funkelnden Juwel wollen ihn viele schleifen, um sich mit seinem Glanz zu schmücken. Im Bob- und Skeleton-Sport sind die Tage im Frühjahr deshalb die Tage der Diamantenräuber, welche nach Lesart der hiesigen Klubs in Bayern oder Thüringen beheimatet sind.

Es geht nicht nur ums Geld

„Ein Vereinswechsel steht bei mir aber nicht zur Debatte“, erzählt Jacqueline Lölling. Sie weiß, was sie an der RSG Hochsauerland hat, und deshalb hält sie dem kleinen Klub aus Olsberg-Wiemeringhausen die Treue. „Ich will dort nicht weg“, sagt Lölling lachend. Nach Informationen dieser Zeitung buhlte besonders der Olympiastützpunkt in Oberhof um die Silbermedaillengewinnerin.

„Oh ja, es gab Avancen aus einer Richtung“, erklärt auch RSG-Vorsitzender Wolfram Schweizer, ohne konkret zu werden. „Aber Jacka findet bei uns und am Stützpunkt in Winterberg ein sehr gutes, familiäres Umfeld vor.“ Außerdem pflegt sie einen engen Draht zu Schweizer, der Vereinsboss und Chefmechaniker der deutschen Skeletonis ist. Mit Geld lockt die RSG nicht. „Unsere Sportler können sich selbst und unabhängig vom Verein vermarkten.“

Das unterscheidet die RSG vom benachbarten BSC Winterberg, der durchaus mit finanziellen Prämien arbeitet. Jedoch in eng gesteckten Grenzen. „Wir überzeugen unsere Athleten mit einem auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Gesamtpaket“, erklärt Jens Morgenstern, Vorsitzender des BSC. Er musste sich in den vergangenen Wochen besonders heftiger Attacken der Diamantenräuber erwehren. Sein Juwel in spe trägt den Namen Annika Drazek, ist ebenfalls 20 Jahre jung und Silbermedaillengewinnerin bei der Heim-WM. Als Anschieberin katapultierte Drazek, die erst ein halbes Jahr zuvor aus der Leichtathletik in den Eiskanal gewechselt war, den Bob von Anja Schneiderheinze in die Winterberger Bahn.

„Annika ist die beste Anschieberin in Deutschland seit Jahrzehnten“, sagt Morgenstern über die Gladbeckerin. Als solche stand sie nicht nur auf dem Wunschzettel etlicher Klubs in Deutschland. Doch auch Drazek bleibt Winterberg, speziell dem BSC treu. Was übrigens ebenso für Jannis Bäcker gilt, der 2013 seinen Piloten Francesco Friedrich zum damals jüngsten Zweierbob-Weltmeister aller Zeiten anschob, die Heim-WM aber verletzt verpasste. „Ich bin zum einen sehr vereinstreu“, erklärt der 30-jährige Bäcker, „zum anderen steht unsere Zusammenarbeit auf so einer guten Basis, dass ich wohl beim BSC bleiben werde, bis ich meine Karriere beende.“

Schon wieder im Training

Davon ist er allerdings noch weit entfernt. Wie Lölling und Drazek, die derzeit gemeinsam ihre Ausbildung bei der Bundespolizei in Bad Endorf absolvieren, trainiert Bäcker für die ersten Tests zur neuen Saison. Für die ersten Fahrten auf der Bobbahn in Winterberg, die dann nicht mehr nur eine harmlose Beton-Rinne, sondern wieder ein bissiger Eiskanal ist.

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