Das Master-Desaster sorgt jetzt auch angehende Lehrer

Nina Grunsky
Genug Plätze gibt es für Masterstudenten an der Universität Siegen, so der zuständige Dezernent. Auch die angehenden Lehrer werden im Herbst keine Probleme bekommen, verspricht er.
Genug Plätze gibt es für Masterstudenten an der Universität Siegen, so der zuständige Dezernent. Auch die angehenden Lehrer werden im Herbst keine Probleme bekommen, verspricht er.
Foto: Hendrik Schulz
Im Herbst bewerben sich die ersten Lehramtskandidaten um Master-Plätze. Der Asta und die Gewerkschaft GEW warnen davor, dass die Kapazitäten an den Hochschulen zu gering sind. An der Universität Siegen zeigt man sich jedoch zuversichtlich.

Hagen.  Gut ist oft nicht genug. Ein Bachelor-Abschluss mit einer Zwei vor dem Komma – das reicht an vielen Universitäten und in vielen Fächer nicht für einen Masterstudienplatz. Dieses Master-Desaster bereitet nun auch den Lehramtsstudenten in Nordrhein-Westfalen Zukunftssorgen.

Denn zum Wintersemester 2011 ist im ganzen Land die Lehrerausbildung umgestellt worden: vom Staatsexamen auf die Abschlüsse Bachelor und Master. Im Herbst dieses Jahres also suchen die ersten angehenden Lehrer mit Bachelor-Examen einen Masterplatz. Den müssen sie draufsatteln, um an den Schulen unterrichten zu dürfen. Anders als – zumindest theoretisch – Studenten anderer Fachrichtungen können sie mit dem Bachelor allein nichts anfangen.

Urteil gibt Zuversicht

Und deshalb beobachtet Julian Hopmann vom Asta der Universität Siegen mit großer Sorge die Berichte über den Mangel an Master-Studienplätzen. An der Universität Münster zum Beispiel hat zum vergangenen Wintersemester nicht einmal jeder vierte BWL-Bachelor einen Masterstudienplatz bekommen. Dabei, so die Prognose der Hochschulrektorenkonferenz, streben 80 bis 85 Prozent der Studenten ein solches Studium an.

„Das kann für die Lehramtsanwärter ab dem Sommer ein großes Problem werden“, fürchtet Julian Hopmann. „Es steht zu befürchten, dass die Plätze dann nicht reichen“, sagt auch Berthold Paschert von der Lehrergewerkschaft GEW in Nordrhein-Westfalen. Zwar stimmt ihn ein Urteil des Verwaltungsgerichts Osnabrück zuversichtlich: Das hat nun einer Lehramtsstudentin einen Anspruch auf einen Master-Platz eingeräumt. Die Universität wollte die junge Frau nicht zulassen mit der Begründung, dass sie nicht den erforderlichen Numerus-Clausus habe. Das Gericht allerdings gab der Klägerin Recht, mit dem Hinweis, dass das Bachelor-Studium allein für einen angehenden Lehrer wertlos sei.

Kapazitäten werden ausgebaut

Auch wenn das Urteil in Niedersachsen gesprochen worden ist, erwartet Berthold Paschert davon Wirkung für Nordrhein-Westfalen. Dennoch sorgt er sich, dass mancher Lehramtsanwärter ab dem Herbst Wartezeiten hinnehmen muss, bevor er mit dem Masterstudium starten kann.

Allerdings wohl nicht an der Universität Siegen: „Wir sehen im Moment keine Probleme und gehen derzeit davon aus, dass die Masterplätze für Lehramtskandidaten im Herbst nicht zulassungsbeschränkt werden“, verspricht Philipp Schmidt, Dezernent für studentische Angelegenheiten.

Auch in anderen Fachbereichen sieht er in Siegen kein Master-Desaster: „In den meisten Fächern ist der Übergang unproblematisch.“ Zwar gebe ist in geisteswissenschaftlichen Fächern Zulassungsbeschränkungen, am Ende gelinge es bisher aber oftmals doch, alle Siegener Bewerber unterzubringen. Schwieriger sei es allein in den Wirtschaftswissenschaften, schildert Schmidt die Lage.

Jedoch erwartet auch er, dass die Zahl der Master-Bewerber in den kommenden Jahren steigen wird: Man arbeite daher daran, die Zahl der Plätze zu erhöhen und die Kapazitäten auszubauen.