BVB-Ultras im Visier der Neonazis

Dortmund.  Die rechtsradikale Partei „Die Rechte“ provoziert gerne, sei es mit schwarz-gelben Wahlplakaten, mit Anfragen im Rat der Stadt oder mit unfreiwillig komischen Videos, die einen selbsternannten „Stadtschutz“ in Aktion zeigen. Die Neonazis wollen einschüchtern und auf sich aufmerksam machen. Doch nun könnten sie sich den falschen Gegner ausgesucht haben: die Ultras von Borussia Dortmund.

Bei Spielen der zweiten Mannschaft, die parallel zu Partien der Profis und weitgehend ohne Ultras stattfinden, zeigen Hooligans der rechtsextremen Borussenfront und Rechten-Parteikader Präsenz.

Immer wieder Zusammenstöße

Immer wieder kommt es zu Zusammenstößen wie bei einem Testspiel der zweiten Mannschaft in Lünen. Wobei die Rechten nach Ansicht von Szene-Beobachtern eine erstaunliche Beharrlichkeit an den Tag legen: „Die Nazis wissen, dass sie immer auf die Fresse kriegen, und tauchen trotzdem immer wieder auf“, bringt es einer auf den Punkt.

Dass die Ultras keine Neonazis dulden, machten sie in den vergangenen Monaten mehrfach mit großen Spruchbändern auf der Südtribüne deutlich: „Nazis enttarnen und bekämpfen“, forderten sie unmissverständlich. Auf einem anderen Plakat richteten sie ein deutliches „Verpisst euch!“ an die Partei Die Rechte, die vorher versucht hatte, das Revierderby für ihre Propaganda zu instrumentalisieren.

Zur bislang größten Eskalation kam es nach dem Saisonauftakt des BVB gegen Borussia Mönchengladbach. In der südlichen Innenstadt hatten sich 30 Rechte versammelt und versucht, in eine Kneipe zu gelangen. Nachdem der Wirt ihnen Lokalverbot erteilt hatte, starteten sie einen Angriffsversuch auf das in der Nähe gelegene Büro des Fan-Projekts, wo sie eine Gruppe Ultras vermuteten. Die Neonazis, so schildern es Augenzeugen, provozierten die Ultras mit Hitlergruß und „Scheiß Juden“-Rufen. Ein massives Polizeiaufgebot trennte beide Gruppen und schritt ein, bevor es zu handfesten Auseinandersetzungen kommen konnte.

„Mit den Falschen angelegt“

Die BVB-Fanabteilung erreichten Beschwerden über den Polizeieinsatz. Demnach hätten die Rechten Bewegungsfreiheit gehabt, während die Ultras eingekesselt worden seien. „Wir werden der Polizei einige Fragen stellen“, so Jakob Scholz, Vorstandsmitglied der Fanabteilung.

Mehrere Zeugen der Ereignisse betonen, dass sich nicht nur Ultras gegen die Neonazis gestellt hätten: „Hunderte Leute haben gezeigt, dass sie die Nazis nicht wollen.“ Szenekenner hoffen nun, dass das Verhalten der Rechten sogar einen positiven Effekt auf die Fanszene haben wird: „Jeder weiß jetzt, was Die Rechte für ein Spiel treibt. Wenn die Nazis jetzt an die Fußball-Fans gehen, haben sie sich mit den Falschen angelegt.“

In vielen deutschen Fanszenen herrschen Konflikte zwischen Ultras und rechten Gruppierungen. „Es gibt aber auch rechte Ultras“, warnt Robert Claus, Experte für Fankulturen an der Leibniz Universität Hannover, vor Verallgemeinerungen. Tendenziell, so Claus, seien Ultras fanpolitisch aktiv und engagierten sich gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie. Das wiederum stoße bei vorgeblich unpolitischen, oftmals aber klar rechten Hooligans auf Gegenwehr.

 
 

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