Bananensprayer stellt in Hagen aus

Der bekannte Künstler Thomas Baumgärtel zeigt im Osthaus-Museum seine Jubiläumsausstellung „30 Jahre Bananensprayer“.
Der bekannte Künstler Thomas Baumgärtel zeigt im Osthaus-Museum seine Jubiläumsausstellung „30 Jahre Bananensprayer“.
Foto: MATTHIAS GRABEN
  • Bananensprayer Thomas Baumgärtel stellt in Hagen aus
  • 50 Werke im Osthaus-Museum
  • Kultige Motive und politische Botschaften

Hagen.. Die Bezeichnung „Bananensprayer“ findet er nicht despektierlich. Schließlich hat ihn die goldgelbe Kunstfrucht weltberühmt gemacht. „Außerdem ist bei mir nicht alles Banane“, unterstreicht Thomas Baumgärtel, „ich bin auch in den Bereichen Zeichnungen, Druckgrafiken, Collagen und Objektkunst unterwegs, doch natürlich ist die Banane mein Steckenpferd.“

Im Kunstquartier wird heute die Ausstellung „Thomas Baumgärtel – 30 Jahre Bananensprayer“ mit 50 Werken des in Rheinberg bei Wesel geborenen und seit Jahrzehnten in Köln lebenden Künstlers eröffnet.

"Tyrannen, die unsere Welt zerstören wollen"

Eine Retrospektive, die sich von Frühwerken aus den 80ern bis zu aktuellen Arbeiten erstreckt. Das jüngste Werk wurde gestern vor Ort fertiggestellt: die Installation „Baustelle Europa“, die Skandale und Probleme in Form gesprühter Logos abbildet.

„Ich zeige Tyrannen, die unsere Welt zerstören wollen, auf einer Wand“, sagt der 56-Jährige, der immer auch politisch daher kommt. Nicht ohne Folgen. „Ich stehe offiziell unter Staatsschutz“, sagt der Kämpfer für Freiheit und Frieden.

Zum Hintergrund: Vor knapp drei Wochen präsentierte Baumgärtel im Rahmen seiner Ausstellung „Politische Bilder“ im Kunstverein Langenfeld eine Erdogan-Bananen-Karikatur. Seitdem bekommt er ordinäre Drohungen auf Instagram und eindeutige Botschaften, die ihm „Vergeltung versprechen“.

"Draußen gehört sie schließlich hin"

„Ich habe als Künstler immer gemacht, was ich wollte, doch seit einiger Zeit wird die Bedrohung immer massiver. Viele Künstler haben Angst, viele trauen sich nicht mehr, frei zu arbeiten“, bedauert Baumgärtel.

Aber zurück ins Osthaus-Museum, jenen Ort, der schon vor sieben Jahren (kurz nach der Eröffnung des Kunstquartiers) von Baumgärtel als „bananenwürdige Stätte“ auserkoren wurde. Damals sprühte er die Banane – längst zur Ikone der Kunstwelt geworden – auf eine Wand im Osthaus-Museum.

Gestern wurde die Schablone erneut aufgelegt. Nun ziert die Kunstfrucht die gläserne Außenfassade des modernen Komplexes. „Draußen gehört sie schließlich hin“, so Baumgärtel, der sich gut an 2009 und die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Leitern des Osthaus- und des Emil-Schumacher-Museums bezüglich eines geeigneten Graffiti-Platzes erinnert.

Heute befinden sich rund 4000 Bananen an deutschen und internationalen Kunsthäusern. Alle Örtlichkeiten werden von Baumgärtel ausgesucht und von ihm „geadelt“.

Bananen-Pointillismus

„Ich habe die Banane kultiviert“, bringt es der 56-Jährige auf den Punkt. Das kultige Motiv ziert Fassaden von Museen, Galerien, Ateliers und Messehallen in New York, Moskau, Paris, Basel, Wien – und Hagen.

Doch Baumgärtel ist nicht nur berühmt für seine gesprayten Bananen, die an Andy-Warhol-Motive erinnern, sondern auch für seinen „Bananen-Pointillismus“. Mit spezieller Druck-Technik erstellt der polarisierende Künstler aus winzigen Bananen-Stiel-Motiven große Motive.

Wandfüllende Beispiele, wie das Bild, das Top-Unternehmer Steve Jobs zeigt, der einen Apfel (Apple) aus Bananenstielen in der Hand hält, sind in Hagen zu sehen.

In Werken wie „Emanzipation“ greift Baumgärtel frech und unkonventionell gesellschaftliche Missstände auf. Statt Adam einen Apfel hält Eva eine Banane in der Hand. Museumsdirektor Tayfun Belgin, der Baumgärtel seit 25 Jahren kennt und schätzt, resümiert: „Seine Kunstbanane ist ein Geniestreich der modernen Kunst.“

 
 

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