2050 alle drei Kilometer ein Windrad: „Wollen Sie dann hier noch leben?“

Winterberg..  Heiße Luft wollen sie nicht verbreiten. Nein. Die beiden Männer stecken im Thema und fordern dazu auf, die Energiewende zu Ende denken. Fotograf Willi Schmidt (66) aus Winterberg-Niedersfeld ist ein Sprecher der Vernunftwende, Dachverband von 64 Bürgerinitiativen in NRW, die Windkraftanlagen kritisch begleiten. Maschinenbau-Ingenieur Michael Brinkmann (52) ist ein Vertreter vom Bündnis Winterberg, das sich für eine Energiewende mit Vernunft ausspricht.

„Die gegenwärtigen Planungen sind erst der Anfang“, sagt Brinkmann. „Mit dem Ziel, 80 Prozent aus erneuerbaren Energien in Deutschland zu gewinnen, werden in Deutschland bis 2050 etwa 135 000 Windräder gebaut werden müssen.“ Bei gleichmäßiger Verteilung stände alle drei Quadratkilometer ein Windrad, das ergebe einen Flächenbedarf von etwa 9500 Quadratkilometern: „Das ist die zweifache Größe des Ruhrgebiets. Pro Windkraftanlage rechnet man sieben Hektar.“

Diese Dichte käme einer Verwüstung der Landschaft gleich. Und Willi Schmidt fragt: „Wollen Sie dann hier noch leben?“ Tourismusregionen wie dem Hochsauerland würde das wirtschaftliche Fundament entzogen, von gesundheitlichen Folgen ganz zu schweigen. „Dazu kommen“, ergänzt Brinkmann, „mehr als 200 Millionen Kubikmeter Beton, die in einer über 25 Generationen gewachsenen Kulturlandschaft vergraben werden“. Das entspreche vier Jahresproduktionen Beton in Deutschland. „Mit der Menge könnte die chinesische Mauer neu gebaut werden.“

Aus ihrer Sicht ein Horrorszenario, das die Stromverbraucher über die EEG-Umlage mit zusätzlich etwa 1000 Milliarden Euro Subventionen bezahlten. Dazu kämen die Kosten, für die im Schattenbetrieb laufenden konventionellen Kraftwerke, die einspringen müssten, wenn der Wind nicht wehe. Sicher sind sich beide, dass die Effekte, die Deutschland mit dieser Energiepolitik erreiche, im Weltmaßstab lächerlich seien. Brinkmann: „Der CO2-Ausstoß verringert sich bestenfalls um 0,6 Prozent, der Einsatz fossiler Energieträger nur um 0,3 Prozent.“

Viel schlimmer sei, dass 80 Prozent des deutschen Energiebedarfs auch nach der Energiewende fossilen Ursprungs sei, „weil etwa 50 Prozent der Energie weiter für Wärme und etwa 29 Prozent für Kraftstoffe eingesetzt werden“. Sinnvoller wäre es, für die Kosten einer Energiewende, „die im besten Fall eine Stromwende ist“, etwa 55 000 € zur energetischen Sanierung in jedes Wohngebäude zu stecken. „So wie jetzt läuft es auf ein volkswirtschaftliches und ökologisches Desaster hinaus.“

 
 

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