18 Kommunen in Südwestfalen freuen sich über Fördermittel

Die ehemaligen Lutherkirche am Bahnhof in Hagen soll in eine Kindertages- und Begegnungsstätte für Theater, Sprachkurse und Sport umgebaut werden. Kosten: 3,6 Millionen Euro.
Die ehemaligen Lutherkirche am Bahnhof in Hagen soll in eine Kindertages- und Begegnungsstätte für Theater, Sprachkurse und Sport umgebaut werden. Kosten: 3,6 Millionen Euro.
Foto: WR Theo Schmettkamp
Integration wirkt. Nicht nur in eine Richtung. Das Landesbauministerium schüttet insgesamt 72 Millionen Euro an Städte und Gemeinden aus, um Räume und Möglichkeiten für Begegnungen, Schulungen und Förderung von und mit Geflüchteten zu schaffen.

Düsseldorf/Hagen.. Mit diesem Geld können die Kommunen Neu- und Umbauten verwirklichen, die andernfalls vielleicht nicht notwendig, aber ganz sicher auch finanziell kaum möglich gewesen wären. Der Profit: Durch die Integration werden Quartiere aufgewertet und derzeit ungenutzten Gebäuden eine neue Nutzung gegeben.

Jede zweite Kommune in NRW hatte sich um die Gelder beworben; 184 Städte und Gemeinden haben jetzt den Zuschlag bekommen.

Südwestfalenweit den Löwenanteil der Fördermittel erhält Hagen:1,4 Millionen Euro für einen Anbau im Kinder- und Jugendpark Haspe sowie knapp 3,6 Millionen Euro für den Umbau der ehemaligen Lutherkirche am Bahnhof in eine Kindertages- und Begegnungsstätte für Theater, Sprachkurse und Sport. „Wir freuen uns sehr“, sagt Reinhard Goldbach, Hagens Fachbereichsleiter Jugend und Soziales. Die 3,6 Millionen Euro machen 90 Prozent der Investitionssumme aus. Sanierung mit finanzieller Unterstützung oder Abris: Das waren Goldbach zufolge die Alternativen für die seit Jahren entwidmete und verfallende Kirche. Ziel sei eine sechsgruppige Kita mit Quartiersmanagement im Glockenturm vor allem für EU-Binnenmigranten aus Rumänien und Bulgarien. „Es wäre schön, wenn wir Ende 2017 dort die ersten Kinder begrüßen könnten“, sagt Goldbach.

„Das Programm wurde kurzfristig aufgelegt, wir mussten schnell reagieren“, berichtet Ludwig Rasche, Fachbereichsleiter für Soziales bei der Gemeinde Finnentrop, die ein Hotel im Ortsteil Bamenohl erwerben und mit Hilfe des Landeszuschusses von 275 380 Euro zur Flüchtlingsunterkunft und Begegnungsstätte umbauen will – die Begegnungsstätte mit Vereins-Beteiligung in den Gasträume im Erdgeschoss und die Wohnungen im Obergeschoss. Das Projekt soll Ende dieses Jahres fertig sein; die Personalkosten werden bis Ende 2018 gedeckt. Gefördert wird allein die Begegnungsstätte (Grunderwerb, Herrichtung der Räume). Bei einer 70-Prozent-Förderung beträgt der Eigenanteil der Gemeinde immer noch 120 000 Euro.

„Das war ein bisschen wie Lottospielen, es war ein richtiger Wettbewerb um die Fördergelder“, freut sich Hubertus Mühling, Bürgermeister aus Balve, über den Zuschlag: Die Kleinstadt am nord-östlichen Rand des Märkischen Kreises bekommt 1,058 Millionen Euro aus dem Förderprogramm. Für den Neubau einer Kindertagesstätte mit Integrationszentrum.

„Noch ist da eine grüne Wiese“, beschreibt Mühling. Die Idee für das Projekt gab es schon; insofern konnte die Stadt rechtzeitig „schlüssige Pläne als Wettbewerbsbeitrag vorlegen“. In einem Stadtteil soll eine Kindertagesstätte für zwei Gruppen entstehen, inklusive eines „Multifunktionalraums“, der von der benachbarten Grundschule mitgenutzt werden soll. Dort sollen sowohl Sprachkurse angeboten werden, aber auch Freizeitangebote, die zur Integration geeignet sind. Vereine und Verbände sind beteiligt: „Der Musikverein bietet eine Bläserklasse an. So können die Flüchtlinge an unser Brauchtum herangeführt werden“, sagt der Bürgermeister.

„Unter Vorbehalt“ steht noch das Projekt, für das Lippstadt rund 388 000 Euro bekommt: den Umbau des denkmalgeschützten, ehemaligen Landratshauses zu einer Spiel- und Begegnungsstätte. „Das Gebäude gehört dem Kreis Soest und der muss noch zustimmen“, erläuterte Stadtsprecherin Julia Scharte. Bisher sei das Kreismedienzentrum dort zu Hause; die Einrichtung zieht allerdings gerade nach Soest um. Der ausgediente Herrschaftssitz, erbaut zwischen 1860 und 1890, biete „gute Voraussetzung, um zur Spiel- und Begegnungsstätte zu werden“, so Scharte; es sollen Räume für eine unterschiedliche Nutzung entstehen: etwa für eine Kinderbetreuung, während die Eltern nebenan Sprachunterricht bekommen. „Wir nehmen Begegnungsstätte aber wörtlich und wollen sie für andere Gruppen aus dem Quartier öffnen: vom Seniorenkreis bis zur Mutter-Kind-Gruppe“.

Ein neuer Quartiers-Treffpunkt mit einem Landeszuschuss von 122 000 Euro soll im früheren Kreuztaler Problemviertel Fritz-Erler-Siedlung für eine Wohnumfeld-Verbesserung sorgen – zur Begegnung aller Mieter. „Die Flächen werden genutzt für Veranstaltungen und einen kleinen Markt“, betont Bürgermeister Walter Kiß. Das Projekt – eine Wiese mit Parkplätzen wird aufgebrochen und terrassiert – werde von Sozialarbeitern begleitet; die Bürger hätten sich mit „pfiffigen Ideen“ beteiligt. Beim Fördersatz von 50 bis 60 Prozent bleibt ein größerer Betrag an der Kommune hängen - das ist Bürgermeister Kiß klar. „Einzelförderungen sind nett, aber reichen nicht“, meint er. „Da muss pauschal noch etwas kommen.“ Es sei ein Skandal, dass man die Kommunen in der Flüchtlingsfrage nicht kostendeckend ausstatte.

„Die Kreishandwerkerschaft hatte die Idee“, berichtet Thorsten Grote, Abteilungsleiter für Stadtentwicklung in Iserlohn. Eine neue Ausbildungshalle für das Berufsbildungszentrum der Handwerkerschaft des Märkischen Kreises anstelle des bisherigen Zeltes. Bis zu 75 Auszubildende zusätzlich sollen dort untergebracht werden. „Das passt hervorragend als Integrationsprogramm in die Flüchtlingsproblematik“, freut sich Grote. „So lassen sich junge Flüchtlinge an den deutschen Berufsalltag gewöhnen.“ Auch hier schultert die Stadt einen Eigenanteil von 130 000 Euro.

Die Flüchtlinge einbinden beim Umbau einer im Stadtzentrum liegenden, leer stehenden Gaststätte in ein Integrations- und Begegnungszentrum - das ist das Rezept von Dr. Andreas Hollstein, Bürgermeister von Altena. Beaufsichtigt werden sollen sie von lokalen Handwerkern. Hollstein kann sich dort einen „Info-Punkt für den Tourismus“ vorstellen, der von den Flüchtlingen selbst geführt wird – Sprachkenntnisse vorausgesetzt. Altena ist die Stadt in NRW, die am stärksten vom Einwohnerrückgang betroffen ist und im letzten Jahr bundesweit für Schlagzeilen sorgte, als sie mehr Geflüchtete aufnahm, als sie müsste.

 
 

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