Ruhrgebiet: Du hast immer noch Weihnachtsdeko in deiner Wohnung? Schäm' dich!“

Steht dein Weihnachtsbaum auch noch in deiner Wohnung in NRW? (Symbolbild)
Steht dein Weihnachtsbaum auch noch in deiner Wohnung in NRW? (Symbolbild)
Foto: imago images / Jochen Eckel

Denkst du auch, dass die Nachbarn im Ruhrgebiet schon schauen, weil du immer noch die Weihnachtsdeko an den Fenstern hast? Das ist absolut kein Grund zum Schämen!

Die Traditionen an Weihnachten sorgen immer wieder für Diskussionen. Wann wird der Weihnachtsbaum aufgestellt und wann entsorgt? Und wie lange darf Beleuchtung an den Fenstern und Hausfassaden hängen? Auch im Ruhrgebiet scheiden sich die Geister.

Ruhrgebiet: Weihnachtsdeko abhängen - wann wird es gemacht?

Und dabei gibt es genau zwei Arten von Menschen: diejenigen, die sich strikt an die vorgegebene Meinung halten und jene, die nach Lust und Laune dekorieren. Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Na gut, und all jene, die sich wie der Grinch benehmen, aber die klammern wir mal aus. Denn so mancher Grinch wurde in dieser pandemischen Weihnachtszeit glatt selbst zum Christmas-Fan.

Doch gerade in der so tristen Coronazeit kam die leuchtende Weihnachtszeit wie ein rettender Anker für uns alle. Von mir aus darf das auch gerne noch eine Weile so bleiben.

Abgesehen von den anderstickenden Uhren im Supermarkt, die schon im August ihre Lebkuchen und Spekulatius anpreisen, beginnt die Weihnachtszeit offiziell mit dem christlichen Totensonntag, dem letzten Sonntag vor dem Ersten Advent.

Dann startet das Schmücken bei meinen Nachbarn rasant. Es ist fast wie ein Wettbieten. Hat der eine seinen blinkenden Weihnachtsstern ins Fenster gehängt, folgt die Kettenreaktion: Schlittenziehende Rentiere leuchten auf, Lichterketten winden sich um Geländer. Und zack, plötzlich ist die Straße in ein weihnachtliches Lichtermeer getaucht.

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Ich muss aber zugeben: In meiner Wohnung funkelte es schon vor Totensonntag adventlich. Nur traue ich mich nicht, als Erste sichtbar die Fenster zu beleuchten. Eine Freundin von mir gab sogar zu: „Bei mir wird sogar schon an Halloween dekoriert. Nur was sollen die Nachbarn denken?“ Also hat auch sie die Fenster zu Beginn ausgespart. Doch warum sollen wir warten, bis es der Norm entspricht?

Dieses Thema beschäftigt viele Menschen im Netz. In bekannten Internetforen tauschen sich die Menschen über Bräuche aus und fragen, wie man es nun am besten macht. Im Forum „Urbia“ schreibt eine Nutzerin beispielsweise „Ich halte es immer so, dass ich erst zum 1. Advent Weihnachtsdeko aufhänge und die bleibt dann meistens bis Mitte / Ende Januar dran. Eben solang ich sie noch sehen mag...“ Doch auch sie will wissen, welche Vorgaben es eigentlich gibt.

All zu christlich darf man an die Sache in der heutigen Zeit zwischen Weihnachtskommerz und Glühweinexzess nicht mehr herangehen. Das Kirchenjahr endet zwar an Totensonntag und die Vorweihnachtszeit beginnt. Doch wenn wir mal ehrlich sind, halten sich nicht mal die Weihnachtsmärkte daran.

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Immer wieder gab es Debatten um frühere Öffnungszeiten. Klammheimlich wurden sie nach vorne geschoben, sodass ab Mitte November die Buden den ersten Glühwein über die Theken schieben. Und er schmeckt trotzdem. Warum das Datum nicht auch als Startpunkt für die weihnachtliche Deko nehmen?

Der November ist sowieso ein grauer Monat. Er kann etwas heimeliges Licht vertragen. Doch jetzt nach den Weihnachtstagen kommt die nächste Frage auf: Wie lange darf ich mich des wärmenden Lichtes noch erfreuen?

Kürzlich habe ich es wieder erlebt: Pünktlich am Tag nach den Festtagen flog der Weihnachtsbaum im hohen Bogen aus der Wohnung. Auf den Essener Straßen tümmelten sich die Überreste der Knuts dieser Welt. Wie kann man es so eilig haben? Das ist mir unverständlich. Einräumen muss ich allerdings, dass der Baum bei meiner Familie erst einen Tag vor Heiligabend seine große Show bekommt. Da kann ich nicht schon am 27. Dezember Lebewohl sagen.

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Doch auch hier gibt es „Pi mal Daumen“ eine grobe Richtung. Nach dem orthodoxen Weihnachtsfest am 6. Januar hat er meist sein Dasein gefristet. Im evangelischen Glauben wird dann das Epiphaniafest (Heilige Drei Könige) gefeiert. Bei Katholiken darf er noch etwas länger „überleben“. Da ist nach Mariä Lichtmess (2. Februar) Schluss. Es sei denn, er siecht nur noch dahin und lässt die Äste hängen.

Weihnachts-Deko bis Karneval hängen lassen? „Schäm' dich gewaltig“

Du kannst natürlich ganz pragmatisch bis zur Fastenzeit warten, bevor der Dekokram wieder in Schränken verschwindet. So mache ich es oft. An Karneval ist es endgültig vorbei. Dann habe ich keine Lust mehr auf Weihnachtsstimmung. Das ist diesmal schon am 15. Februar der Fall.

In meinem Freundeskreis reagieren viele entsetzt. „Schämst du dich nicht?“ „Das kannst du doch nicht machen!“ All sowas höre ich mir jedes Jahr aufs Neue an. Aber in diesem tristen Corona-Jahr sage ich: Traut euch und genießt eure gemütliche Wohnung! Bei der „Stay Home“-Devise bleibt uns ja auch gar nichts anderes übrig. Also knips‘ abends ganz selbstbewusst deine Lichter an und geniere dich nicht.

 
 

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