RRX: Warum die schöne neue Bahn Opium fürs Pendlervolk ist

Der RRX ist der ICE des kleinen Mannes - oder doch nur Opium fürs Pendlervolk?
Der RRX ist der ICE des kleinen Mannes - oder doch nur Opium fürs Pendlervolk?
Foto: dpa

Ich bin verliebt. In eine Bahn mit dem Namen RRX. Wäre ich ein Highschoolschüler in einem 80er-Jahre-Teenagerfilm, hätte ich ein Poster dieser Bahn in meinem Spind.

Nun, in das Phänomen der Objektliebe kann ich mich nur schwer hineindenken. Aber diese Bahn würde ich vielleicht nicht von der Bettkante stoßen (was mir bei einem 200-Tonnen-Zug wohl auch nur schwer gelänge).

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Diese Bahn ist anders als die anderen. Der Rhein-Ruhr-Express ist immer pünktlich. Es gibt immer einen Sitzplatz. Und der ist auch noch bequem gepolstert. Das Wlan funktioniert, das Licht ist angenehm gedimmt, die Temperatur zum Wohlfühlen - und sogar die Fahrgäste sind irgendwie besser: Hier legt keiner seine Füße auf den Sitz und der Sitznachbar spielt auf seinem Smartphone zwar Candycrush, aber im Lautlos-Modus. Der RRX ist der ICE des kleinen Mannes.

RRX: Der ICE des kleinen Mannes

Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich absichtlich einen Zug der Deutschen Bahn verpasse, um mit dem RRX fahren zu können. Auch wenn der Putz der neuen Abellio-Linie schon jetzt ein wenig bröckelt.

Die vollautomatischen Toilettentüren sind immer wieder defekt. Und die großen Info-Screens zeigen bisweilen Dinge an, die an diese Computer aus „Matrix“ erinnern. Tja, und neulich hat einer den Ton bei Candycrush dann doch auf volle Lautstärke gedreht (PlingPlingPling!). Nun, das kann man wohlwollend unter harmlose Kinderkrankheiten verbuchen, der RRX ist ja noch neu. Also bis auf die Sache mit Candycrush – das ist eine Krankheit, die man ernst nehmen muss, und für die der RRX nun wirklich nichts kann.

Die Idee ist gut - aber die Bahn noch nicht bereit

Ärgerlich aber ist: Der glänzende RRX hat uns eingelullt. Er ist Opium fürs Pendlervolk.

+++ Deutsche Bahn: Diese Grafik erklärt auf einen Blick, warum so viele Züge verspätet ankommen +++

Denn allmählich zeigt sich, dass die Versprechungen, die der Verkehrsverbund bei der Einführung des RRX gemacht hat, nur schwer haltbar sind. Die 160 Stundenkilometer schnellen RRX-Züge sollen mittelfristig viermal pro Stunde auf der Kernstrecke zwischen Ruhrgebiet und Rheinland fahren – bislang gibt es nur drei Regionalverbindungen.

Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit. Denn das Schienennetz bietet keinen Platz für die neuen Züge. Nur zwischen Köln und Duisburg wird die Strecke ausgebaut. Zwischen Dortmund und Duisburg hingegen teilen sich auch künftig die Fernverkehrszüge und die Regionalzüge die vier alten Bahngleise. Das wird zwangsläufig zu Stau führen – und damit zu vermehrten Verspätungen.

Schon jetzt passiert es immer wieder, dass der RRX warten muss, damit ein ICE ihn überholen kann - genau das sollte ja eigentlich nicht passieren.

Wenn's schlecht läuft, macht der RRX das Pendeln schwerer

Wenn alles schlecht läuft, wird der RRX uns Pendlern das Leben also schwerer machen, statt es zu verbessern. Bis 2030 soll das RRX-Projekt umgesetzt sein. Noch ist also Zeit, den Plan zu überdenken – und auf der Strecke nachzurüsten.

+++ Wegen eines bürokratischen Fehlers: RRX darf in Essen deutlich lauter als in anderen Städten sein +++

Sollte das gelingen, werde ich die RRX-Bahn sicher fragen, ob sie mit mir zum Abschlussball der Pendler-Highschool geht. „Mein RRX gehört zu mir“, werde ich sagen und beim Einsteigen schwungvoll das Wlan anknipsen. Und wenn ich 37 Minuten später wieder aussteige, werde ich der Bahn hinterherblicken und sagen: „I had the time of my life.“

Hoffentlich wird der Pendler-Traum wahr ...

 
 

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