Düsseldorf

Düsseldorfer lässt seit Jahren Rheinbahn-Tickets im Automaten liegen – Verkehrsbetrieb findet das gar nicht lustig

Dieses Bild postete Kevin K. in die Gruppe NETT-WERK Düsseldorf. Er freute sich über ein Ticket, das ihm von einem vorherigen Fahrgast geschenkt wurde.
Dieses Bild postete Kevin K. in die Gruppe NETT-WERK Düsseldorf. Er freute sich über ein Ticket, das ihm von einem vorherigen Fahrgast geschenkt wurde.
Foto: Screenshot Facebook

Düsseldorf. Ein wahrlicher Samariter ist seit ein paar Jahren in Düsseldorf unterwegs. Kevin K. verteilt ganz selbstlos seine noch gültigen Einzeltickets an nachfolgende Bahnfahrer. Die Tickets, die immer mindestens 90 Minuten gültig sind, legt er ganz einfach wieder in den Fahrkartenautomaten der Bahn zurück, wenn sie noch nicht abgelaufen sind. Der nächste Kunde kann sein Portemonnaie zufrieden wieder einstecken.

Jetzt wurde auch er mal von einem anderen Bahnfahrer beschenkt. Und das Foto vom Automaten postete er am Dienstag direkt in die Facebook-Gruppe „NETT-WERK Düsseldorf“.

Der Beitrag wurde über 2.000 mal geliked. Jennifer H. schreibt zum Beispiel: „Nicht alle Helden tragen einen Umhang!“ Und Christian R. meint: „Gute Idee“. Auch haben viele weitere Nutzer diese „tolle Idee“ gelobt und wollen „ihren Helden“ in Zukunft nachahmen.

Ist das dann nicht Schwarzfahren?

Doch manche Nutzer sehen die Aktion auch kritischer. Fragen sich, ob es erlaubt ist. Und was wäre, wenn man damit in die Gegenrichtung fahre. Das sei doch wohl schwarzfahren?!

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Fahrkarte ist nicht übertragbar

Die sieht die Lage denn nun aus? Das sagt die Rheinbahn: Eine Fahrkarte sei „nicht übertragbar“, erklärt Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher. Kunden, die sich das Ticket nicht selbst kaufen, machen sich strafbar.

So sieht das auch Florian Beisenbusch, Anwalt für Verkehrsrecht in Gelsenkirchen. „Grundsätzlich hat die Rheinbahn nicht unrecht, wenn sie von einem strafbaren Verhalten ausgeht“, sagt er. Denn die Karten seien tatsächlich nicht übertragbar. Nur derjenige, der die Fahrkarte auch bezahlt habe, dürfe sie auch benutzen. Er bezieht sich auf Paragraf 265a StGB (Tatbestand des Erschleichens von Leistungen).

Allerdings könne der Nachweis der Strafbarkeit dabei auch nur geführt werden, wenn jemand in dem Moment dabei beobachtet wird, wie er eine fremde Karte an sich nimmt, führt auch der Anwalt aus.

Zweitnutzer des Tickets fahren eventuell schwarz

Generell mahnt der Rheinbahn-Sprecher weiterhin zur Vorsicht. Tickets gelten auch in dem noch gültigen Zeitlimit nur für eine Fahrtrichtung. „Und ein ungeschultes Auge kann den Code für die Kontrolleure nicht entziffern und weiß nicht, woher das Ticket überhaupt kommt“, sagt er. Und das ist dann Schwarzfahren und kostet 60 Euro. Beim dritten Mal in Folge von zwei Jahren gibt's dann auch eine Anzeige vom Verkehrsunternehmen.

Außerdem mache sich der ursprüngliche Besitzer in dem Augenblick strafbar, wenn er das Ticket liegen lässt und dann beim Aussteigen plötzlich ohne Ticket erwischt wird, macht Schumacher klar.

„Klar, auf Anhieb wirkt es nett. Diejenigen denken auch, sie seien sehr sozial. So ist es aber nicht. Im Prinzip schneiden sie sich selbst ins eigene Fleisch“, sagt der Rheinbahnsprecher.

Der Trick schade der Allgemeinheit

So führt er diesen Gedanken weiter aus: Die Rheinbahn gehört der Stadt und damit eben auch den Bürgern selbst. Und der Trick, die Rheinbahn um ihre Einnahmen zu bringen, schade der Allgemeinheit, so Schumacher. Nur so könne mit dem Geld den Bürgern auch weiterhin ein gutes Angebot gemacht werden.

Denn die Ticketeinnahmen seien nötig, um neue Busse oder Bahnen zu kaufen oder zu modernisieren. Schon jetzt zahlt die Rheinbahn das zwar zu 80 Prozent aus eigener Tasche. Für den Rest werde sie von den Kommunen unterstützt.

Allzu oft käme solch ein Tickettrick aber nicht vor. Würden sich die Fälle ausbreiteten, müsse der Verkehrsbetrieb strenger durchgreifen. Dann müsste mehr kontrolliert werden, auch beim Ausstieg. Das könne dann irgendwann so weit gehen, als dass die Einzeltickets auch personenbezogen herausgegeben werden müssten. (jk)