Düsseldorf

Gewalt im Rheinbad Düsseldorf: Diese Stadt hatte die gleichen Probleme – und löste sie mit einer einfachen Maßnahme

Im Rheinbad in Düsseldorf kam es wiederholt zu Ausschreitungen durch Jugendliche.
Im Rheinbad in Düsseldorf kam es wiederholt zu Ausschreitungen durch Jugendliche.
Foto: dpa

Düsseldorf. Deutschland diskutiert über die Zustände in seinen Schwimmbädern.

Dreimal musste das Rheinbad in Düsseldorf in den vergangenen Wochen geräumt werden. Die Polizei schritt ein, nachdem es Ausschreitungen mit etlichen Jugendlichen gegeben hatte.

Rheinbad Düsseldorf: Dieses Projekt könnte Vorbildcharakter haben

Seither wird diskutiert, wie solche Vorfälle in Zukunft vermieden werden können. Kurz nach den ersten Vorfällen ist das Thema auch in der Politik angekommen. Zusätzliche Sicherheitskräfte wurden eingesetzt.

Dazu hat das Rheinbad Düsseldorf seit dem letzten Vorfall vor einer Woche, bei dem eine große Gruppe Jugendlicher randaliert und die Anweisungen des Badpersonals missachtet hat, Ausweiskontrollen eingeführt.

Jeder Besucher muss seither am Eingang seinen Ausweis vorzeigen, so werden Hausverbote kontrolliert. Die Ausweiskontrollen würden von Besuchern bislang gut angenommen, heißt es vom Rheinbad.

+++ Nach Eskalationen im Rheinbad Düsseldorf: Das ist über die Herkunft der Randalierer bekannt +++

Sozialpädagoge Hartmuth Kurzhals findet eine solche Ausweispflicht dennoch wenig sinnvoll: „Dadurch müssen nur neue Besucherdateien angelegt werden, die wiederum in jedem Bad vorliegen müssen, um 'schwarze Schafe' zu identifizieren. Das kann bei dem derzeitigen Personalmangel nicht angemessen geleistet werden.“

Kurzhals weiß wovon er spricht. Der Sozialpädagoge hat vor neun Jahren gemeinsam mit Polizei und Bäderbetrieben das Projekt „Bleib cool am Pool“ ins Leben gerufen. Damals kam es in Schwimmbädern in Berlin-Kreuzberg und Neukölln zu Ausschreitungen durch Jugendliche.

+++ Gewalt in Freibädern: Politiker hat irren Plan – wäre er auch in NRW umsetzbar? +++

Konfliktlöser sind deeskalierend unterwegs

Heute sorgen 25 sogenannte „Konfliktlöser“ in drei Berliner Bädern für Ordnung. Die Teilnehmer sind zwischen 17 und 60 Jahre alt, haben einen Migrationshintergrund und erhalten für ihren Einsatz eine finanzielle Aufwandsentschädigung.

„Wir akquirieren die 'Konflis' in Oberstufenzentren und Jugendclubs, in Einrichtungen der türkisch-arabischen Communities oder durch Mund-zu Mund Propaganda“, erzählt Kurzhals. „Die Interessenten werden dann 2-3 Monate auf ihre Einsätze vorbereitet.“ Jährlich kommen Neue hinzu, manche von ihnen sind aber auch schon seit Projektbeginn dabei.

Großeinsätze nein, Kriminalität ja

„Dank ihrer Präsens und verbalen Interventionen konnten sie dazu beitragen, mögliche Konflikte im Vorfeld von Streitereien oder Übergriffen zu deeskalieren“, erklärt Kurzhals. Sollten Situationen doch mal eskalieren, ziehen sich die Konfliktlotsen zurück und überlassen die Konfliktregelung der Security und der Polizei.

+++ Nach Angriffen im Schwimmbad: „Verpiss dich, ich f*** dich!“ – Wie schlimm ist es in unseren Bädern? Ein Besuch im Grugabad +++

Großeinsätze der Polizei und Badräumungen wie zuletzt in Düsseldorf habe es in Berlin seither so gut wie nicht mehr gegeben. Kriminalität gibt es weiterhin. Sie hat sich in den Bädern in Neukölln und Kreuzberg 2018 im Vergleich zum Vorjahr sogar fast verdoppelt.

Grund waren aber auch eine große Zahl von „sonstigen Delikten“ wie Hausfriedensbruch oder Diebstähle aus Autos rund um die Bäder, die die Statistik ein Stück weit aufblähten.

Sozialpädagoge beobachtet Zunahme an Gewalt und fehlende Rücksichtnahme

Sozialpädagoge Kurzhals macht insgesamt eine deutliche Zunahme von Gewalt und mangelnder Rücksichtnahme aus: „Da unterscheiden sich die Bäder nur minimal. Die Hemmschwellen zur expliziten Gewalttätigkeit sinken – das aber ist keineswegs nur Menschen mit Migrationshintergrund anzulasten“, so der Projektleiter.

„Vielmehr müssen wir einen in der gesamten Gesellschaft ein Mangel an Rücksicht, Erziehung und entsprechender Akzeptanz von Regeln konstatieren, was sich keineswegs nur auf die Situation in den Schwimmbädern bezieht!“

„Bleib cool im Pool“ wurde inzwischen mit einer Vielzahl von Präventionspreisen ausgezeichnet. Es könnte also auch in Düsseldorf oder in anderen Problembädern im Revier Schule machen. „Aktuell ist das noch nicht im Gespräch“, sagt Lena Eich, Sprecherin der Bäder Düsseldorf dazu.

+++ Nach Räumung des Rheinbads in Düsseldorf: Freibad geht jetzt diesen drastischen Schritt – „Ist doch erschreckend“ +++

Erstmal bekommt das Personal und die Security Unterstützung vom Ordnungsamt, auch das Jugendamt ist eingeschaltet. Für die nächste Badesaison könnten dann weitere Maßnahmen folgen, so Eich.

 
 

EURE FAVORITEN