Zeitungen wollen ran an die Jugend

Angelika Wölke
Hans Georg Schnücker, BDZV-Vizepräsident, beim Zeitungskongress. Foto: Ulrich von Born/ WAZ FotoPool
Hans Georg Schnücker, BDZV-Vizepräsident, beim Zeitungskongress. Foto: Ulrich von Born/ WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Essen. Die Jugend geht den Verlagen verloren. „Wir haben keine Wahl”, erklärte Hans Georg Schnücker beim Zeitungskongress des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger in Essen. „Wir müssen kämpfen, damit uns in 20 Jahren die jungen Menschen noch folgen”.

„Wenn eine Nachricht wichtig ist, wird sie mich schon erreichen.” Abwegig klingt diese Behauptung, die einem 15-jährigen Amerikaner zugeschrieben wird, nicht mehr. Chillend vor sich hintwittern, zum follower von sexy oder wahlweise geilen News werden – das ist heute für Jugendliche eher hip, als sich beim morgendlichen Toast durch die gute, alte Tageszeitung zu lesen.

Die Jugend geht den Verlagen verloren. Lasen 1980 noch 76,6 Prozent der 14- bis 19-Jährigen regelmäßig eine Tageszeitung, so waren es 2009 nur noch 45,5 Prozent. „Wir haben keine Wahl”, erklärte Hans Georg Schnücker beim Zeitungskongress des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger in Essen. „Wir müssen kämpfen, damit uns in 20 Jahren die jungen Menschen noch folgen”.

Keine Tabus

Schnücker, BDZV-Vizepräsident und Sprecher der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Rhein Main, plädierte dafür, sich dem Thema in Zukunft mit Nachhaltigkeit zu widmen. Bisher „gibt es bei den Tageszeitungen eine Fülle von Projekten. Es gibt aber keine Nachweise, was sie bringen.“

Dabei dürfe es keine Tabus geben. Kann man Jugend über andere Ebenen als die Tageszeitung, zum Beispiel über soziale Netzwerke, erreichen? Es müsse natürlich analysiert werden, welche Medien von Jugendlichen genutzt werden. Neben inhaltlichen und technischen Faktoren spielt für Schnücker auch die gesellschaftspolitische Ebene eine wesentliche Rolle. „Jeder Politiker, jeder Lehrer fordert heute Medienkompetenz. In jeder Klasse gibt es einen Internetanschluss. Zeitung spielt in den Lehrplänen keine Rolle“, sagt er. Das müsse sich ändern.

„Jule“ ist Netzwerk und Wissensdatenbank

Um junge Märkte zu erobern, hat die Mitgliederversammlung des BDZV „Jule“, die Gesellschaft „Initiative Junge Leser GmbH“ gegründet. Konzipiert ist „Jule“ als Netzwerk und Wissensdatenbank zum Thema Kinder- und Jugendangebote der Zeitungen. Gesellschafter sind der BDZV selbst. und die TBM Marketing GmbH (Burgwedel). „Jule“-Geschäftsführer werden Thomas Bertz (TBM), Sönke Jessen (TBM) und Jörg Laskowski (BDZV).

Basis dieser branchenweiten Kooperation soll der Aufbau einer ständig wachsenden Wissensdatenbank sein, auf die alle teilnehmenden Verlage zugreifen und sich über erfolgreiche Strategien sowie über Konzepte, Ideen, Trends, Erfahrungen, Analysen, Erkenntnisse austauschen können.

„Nur für Erwachsene“

Der Ideengeber für die Initiative, Hans-Georg Schnücker,, mahnte die Branche: „Angesichts der Vielzahl und Verfügbarkeit unterschiedlichster Medien werden Kinder und Jugendliche nicht mehr automatisch zu Zeitungslesern“.

Schnücker gibt die Hoffnung nicht auf, dass Jugendliche in einigen Jahren, anders als in einem Trailer gezeigt, Zeitung nicht mehr als „unsexy, zu sperrig, nur für Erwachsene“ beschreiben.