Wirte zeigen Sky nach saftiger Preiserhöhung die Rote Karte

In manchen Kneipen gehören solche Bundesliga-Bilder nun der Vergangenheit an.
In manchen Kneipen gehören solche Bundesliga-Bilder nun der Vergangenheit an.
Foto: Mathias Schumacher / WAZ FotoPool
Der Bezahlsender Sky erhöhte die Preise für sein Sportprogramm saftig. Wenn am Freitag die erste Fußball-Bundesliga in die neue Saison startet, bleiben in vielen Kneipen die Bildschirme aus. Nicht nur Wirte, sondern auch der Gaststättenverband übt Kritik an der Preisanpassung.

Ruhrgebiet. Bundesligazeit ist Kneipenzeit. Doch wenn am Freitag die erste Fußball-Bundesliga startet, bleiben in vielen Kneipen die Fernseher aus. Zum 1. September treten die neuen Preise des Bezahlsenders Sky in Kraft. Durchschnittlich 30 Prozent mehr sollen Gastronomen für das Sportangebot zahlen. Für die Kneipiers im Ruhrgebiet ein Grund zum Zähneknirschen – oder zur Kündigung des Abos.

So wie für Sven Dülfer. Weil für ihn künftig statt 495 satte 886 Euro monatlich fällig sein sollten, hat der Betreiber der Essener Kneipe „Cafe De Prins“ Konsequenzen gezogen. Über seine goldgerahmten Flachbildschirme rollt kein Bundesliga-Ball mehr. Stattdessen zeigen sie einen röhrenden Hirschen – der sich in regelmäßigen Abständen in einen malerischen Bergsee übergibt. Sinnbild dafür, was Dülfer von Sky hält.

"Wer guckt denn Tennis und Golf in der Kneipe?"

Der Bezahlsender rechtfertigt die Erhöhung mit gestiegenen Lizenzgebühren. „Die aktuelle Situation macht in diesem Jahr eine Anpassung erforderlich“, verteidigt sich Sky-Sprecherin Britta Krämer. Dafür erhielten Gastronomen „ein attraktives Portfolio überwiegend exklusiver Live-Sport-Berichterstattung“. Sven Dülfer kann darüber nur lachen. „Wer guckt denn Tennis und Golf in der Kneipe?“

Abhängiger vom Fußball ist „Die Eule“. In der Traditionskneipe trafen sich Fußballbegeisterte schon zum Public Viewing, als es den Begriff noch nicht gab, in den 90ern, als Sky noch Premiere hieß. Inhaber Simon Heidenreich hat angesichts einer Preissteigerung von rund 60 Prozent zunächst gekündigt, um sich beim Abschluss eines neuen Vertrags Vergünstigungen zu sichern. „Die Spiele generell nicht zu zeigen, wäre meinen Stammgästen gegenüber unfair.“

„Die Gastronomie erzielt mit dem Sky-Angebot jährlich Zusatzerlöse in Höhe von 1,2 Milliarden Euro“, behauptet Britta Krämer. Genau solche Aussagen ärgern Heidenreich. „Wenn am Wochenende sowieso alle Tische reserviert sind, kann ich doch nicht einfach mehr Tische in den Laden stellen.“

Dehoga ist verärgert

Nicht nur die Kneipiers üben Kritik. Auch ihr Interessenvertreter, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), zeigt sich verärgert. Sky räumt Dehoga-Mitgliedern nach Größe der Gastronomie gestaffelte Rabatte ein. „Vor dem Hintergrund derart massiver Preiserhöhungen hat der Dehoga die bestehende Kooperation grundsätzlich infrage gestellt“, sagt ein Sprecher. Inzwischen hat Sky die Rabatte angepasst. Sie liegen zwischen 275 und 800 Euro – jährlich. Zu wenig für viele Wirte.

Die Wut ist groß. Viele Gastronomen reden von Kündigung. Wie viele aber ihr Abo tatsächlich beendet haben, darüber möchte Sky keine Auskunft geben. Auch dem Dehoga liegen keine Zahlen vor. Einige Landesverbände führen momentan Umfragen durch. „In den Gremien im Herbst werden wir dann über den Fortbestand der Kooperation mit Sky reden“, sagt Dehoga-Sprecher Christopher Lück.

Kaum Möglichkeiten zum gemeinsamen Boykott

Blick nach Bochum: Jens Feddersen, Inhaber der Kneipe „Freibeuter“, hat den Schlussstrich unter das Kapitel Sky gezogen. 718 statt 550 Euro waren zu viel. Die Kneipe liegt im „Bermuda3eck“, Bochums Gastronomie-Meile. Sein direkter Nachbar: eine große Sky-Sportsbar – nicht die einzige im Viertel. Einen Zusammenschluss der Kneipen gibt es trotzdem nicht. „Manche Bars sind darauf angewiesen, Fußball zu zeigen. Wir haben nicht die Möglichkeit, Sky gemeinsam zu boykottieren“, sagt Feddersen. Angst, seine Gäste könnten in die benachbarten Kneipen abwandern, hat er nicht. „Man muss die großen Sportsbars eben auch mögen – und die Preise in Kauf nehmen.“

 
 

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