Windeln, Staubsauger, Mehlwürmer: An was die Jugend forscht

Einer von zwei ersten Plätzen: Henry Lemmer (15) vom Gymnasium Essen-Werden zeigt seine intelligente Windel mit Feuchtigkeitssensor. Die Idee kam ihm, als ein Freund von seinem Praktikum im Seniorenheim erzählte.
Einer von zwei ersten Plätzen: Henry Lemmer (15) vom Gymnasium Essen-Werden zeigt seine intelligente Windel mit Feuchtigkeitssensor. Die Idee kam ihm, als ein Freund von seinem Praktikum im Seniorenheim erzählte.
Foto: Lars Heidrich
Intelligente Windeln, bessere Staubsaugerroboter und Müllentsorgung per Mehlwurm: Erstaunlich, was Schüler alles erfinden für „Jugend forscht“.

Duisburg. Können Mehlwürmer die Welt von Styropormüll befreien? Auf jeden Fall können sie sich von Styropor ernähren und verwandeln selbiges in Humus. Ja, Mehlwürmer mögen Styropor sogar lieber als Haferflocken, hat Nele Stumme herausgefunden. Nele ist 13 Jahre alt, lernt am Karl-Ziegler-Gymnasium in Mülheim, und präsentiert am Mittwoch ihr Projekt beim Regionalentscheid von „Jugend forscht“ in Duisburg. Ja, sie macht sogar den ersten Platz in der Junior-Kategorie „Schüler experimentieren“ und zieht ein in den Landesentscheid. Eine clevere Idee – Neele hat mal eine Radiosendung über Mehlwürmer gehört – reicht dafür nicht, man muss schon ernsthaft experimentieren. Nur so findet man heraus, dass die Larven unter verschiedenen Styroporsorten ausgerechnet Coffee-to-go-Becher bevorzugen!

Handys in der Schulpause, mal aus anderer Sicht

An ihrem Stand nebenan stellen drei 17-jährige Jungs vom Heinrich-Heine-Gymnasium Oberhausen ihre Studie „World of Schoolcraft“ vor: Wie wirkt sich Handydaddeln in der Schulpause auf die Lernfähigkeit aus? Ergebnis: gar nicht, aber die Tests waren aufwändig genug für einen zweiten Platz.

Es ist eine richtige kleine Messe im Bildungszentrum von ThyssenKrupp Steel in Bruckhausen: Ge­genüber setzen Tobias, Hannah und Jan-Marc vom Gymnasium Essen-Werden ihrem Roboter Hindernisse in den Weg: Das ist doch tatsächlich, ja, eine fahrende Tupperdose. Vollgepackt mit Elektronik und Ultraschall-Sensoren: Die drei Abiturienten wollen ihrem Roboter „ein Bewusstsein für den Raum“ geben, er soll nicht blind wie eine Staubsaugerscheibe durchs Wohnzimmer fahren, sondern auf dem effizientesten Weg. Und während Jan-Marc erklärt, wie man den Mini-Computer „Raspberry Pi“ programmiert, fällt der Blick auf den Stapel leerer Schoko-Drink-Packungen.

Ja, sie bauen an der Welt von morgen, aber es sind noch Schüler!

Ein Drittel der 92 Tüftler sind Mädchen. 48 Projekte stehen insgesamt zur Wahl. Aber nur 17 Schulen zwischen Niederrhein und Siegerland plus der Ausrichter ThyssenKrupp haben sie entsandt. Viele Schulen sind also mehrfach vertreten, die Teilnahme hängt extrem stark vom Engagement einzelner Lehrer ab.

So kommt es, dass auch viele Teilnhemer trotz ihrer Jugend schon alte Hasen sind. Myrijam Stoetzer (14) hat schon dreimal teilgenommen und vergangenes Jahr mit Paul Foltin (16) sogar den Bundeswettbewerb gewonnen. Dieses Jahr sind die Schüler des Franz-Haniel-Gymnasiums in Duisburg erneut mit ihrem Rollstuhl mit Augensteuerung vertreten: neuer Antrieb, Kollisionserkennung, Sprach­ausgabe, schnellere Programmierung ... „Wir machen nicht mehr mit, um zu gewinnen, sondern weil wir zeigen wollen, dass wir dranbleiben“, sagt Paul. „Die Technik ist ,Open Source’, damit Menschen in Entwicklungsländern sie einmal preisgünstig nachbauen können.“ Freilich trägt Myrijam am Ende doch noch einen ersten Platz heim für ihr zweites Projekt mit Finja Schneider für das Franz-Haniel-Gymnasium in Duisburg-Homberg: „Analyse von Magnetfeldlinien als 3D-Vektorfeld“ – was bei „Schüler experimentieren“ schon deutlich herausragt.

Das Gymnasium Essen-Werden holt zwei erste Plätze

Ein Sieg bei „Jugend forscht“, hat sie erfahren, bringt Kontakte zu Professoren, Stipendienangebote und einen unschätzbaren Vorteil im Lebenslauf. Im Regionalentscheid haben sich nun gleich zwei weitere Teams des Gymnasiums Essen-Werden durchgesetzt: Michael Müller (18) und Matthias Breier (17) haben eine „Web-App zur Team-Einteilung bei Veranstaltungen“ programmiert. Und Henry Lemmer (15) kommt mit seiner intelligenten Windel „Smart Nappy“ weiter. „Viele Senioren schämen sich und melden sich nicht, wenn die Windel gewechselt werden muss.“ Henry hat also aus Alufolie, einem Klebstreifen und zwei Kabeln einen wegwerfbaren Feuchtigkeitssensor gebaut, der verbunden ist mit einem tragbaren Minicomputer, der die Daten auswertet und versendet. Ein Patentanwalt hat ihm schon Hilfe angeboten.

Aber manchmal genügt es ja schon, eine Antwort auf eine interessante Frage gefunden zu haben – wie Nele: „Das Styropormüllproblem wird nicht allein durch Mehlwürmer zu bewältigen sein, da riesige Mengen nötig wären. Mein Tipp: einfach mal auf Styropor-Verpackungen verzichten!“

 
 

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