Wie Ärzte, Pfleger, Helferinnen mit sterbenden Patienten reden

Annika Fischer

Düsseldorf. Wie sage ich es dem Patienten? Dass seine Krankheit nicht zu heilen ist. Wie viel Zeit er noch hat. Dass er sterben wird, bald? Nicht nur für Mediziner ist das „die höchste Schule der Kommunikation“ – und in diese Schule sollen Ärzte, Pflegekräfte, Arzthelferinnen nun gehen: Die Ärztekammer Nordrhein startet ein Pilotprojekt zur besseren Kommunikation mit schwerstkranken und sterbenden Menschen.

Diese gut zu begleiten, gehört für Kammerpräsident Rudolf Henke „zu den wichtigsten Aufgaben der Gesundheitsberufe“. Nicht nur der Mediziner also: Krankenschwestern und Praxis-Angestellte sind ja oft die Ersten, die den Patienten auffangen müssen. Die noch da sind, wenn der Arzt den Raum verlassen hat, wenn die Nachricht sackt und die Fragen kommen. Und die oft mehr hören. Studien haben zudem gezeigt: Je schwerer die Krankheit, desto kürzer die Gespräche mit den Betroffenen. Dabei ist, weiß der Palliativmediziner Prof. Lukas Radbruch, die richtige Kommunikation „eine Fähigkeit, die man erlernen kann“.

Erstmals sollen die Berufsgruppen deshalb miteinander lernen und voneinander. Fortbildungen sollen ihnen die Arbeit der anderen erklären, die Gefühle der Kranken und den Umgang damit. Denn das, sagt Ludger Risse vom Pflegerat NRW, „bedeutet immer auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod und dem Angehöriger“. Eine Säule des Projekts umfasst daher die „Selbstfürsorge“ der Pflegenden: die sich bei allem Mitgefühl nicht überfordern dürften, warnt Henke.

Zwar sollen die Teilnehmer anhand von Fallbeispielen üben, sich in die Lage kranker Menschen hineinzuversetzen. Lernen müssten gerade Ärzte aber auch, so Prof. Radbruch, dass nicht sie „sagen, wo’s langgeht: Die Menschen haben das Recht, sich unvernünftig zu entscheiden“, etwa eine vorgeschlagene Therapie abzulehnen. Solche Gesprächsführung wird an den Universitäten zwar inzwischen gelehrt; ältergediente Ärzte und ihre Mitarbeiter aber will die Ärztekammer nun gewissermaßen „nachschulen“.

Das Pilotprojekt startet zunächst gemeinsam mit einem Krankenhaus, einem Pflegeheim, einem Pflegedienst und mehreren privaten Praxen in Nettetal. Wenn dort die Vernetzung gelingt, Forbildungen angenommen werden, Patienten und Angehörige zufrieden sind, dann wollen die Verantwortlichen, wie Hannelore König vom Verband der medizinischen Fachberufe sagt, „das Konzept in die Welt tragen“.