Warum "Johannes-Rau-Airport" auf so viel Widerwillen stößt

Deutschlands drittgrößter Flughafen: bislang schlicht „Düsseldorf Airport – DUS“ genannt.
Deutschlands drittgrößter Flughafen: bislang schlicht „Düsseldorf Airport – DUS“ genannt.
Foto: dpa
Hannelore Kraft und Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel wünschen sich einen Namenszusatz für den Flughafen. Und lösen schwere Turbulenzen aus.

Düsseldorf. Mit diesem Gegenwind hat der Chef einfach nicht gerechnet, erzählen sie im Düsseldorfer Rathaus. Aber da hat der Schwabe Thomas Geisel (52, SPD) als zugereister Oberbürgermeister der Landeshauptstadt das rheinländische Temperament gründlich unterschätzt: Seit die von ihm mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ausgekungelte Idee, dem Flughafen den Namenszusatz „Johannes Rau“ zu verpassen, durch Indiskretionen vorab öffentlich wurde, verstopft geballte Empörung die Leserbriefspalten der örtlichen Zeitungen. Und die Lokalpolitik nörgelt feste mit. Tenor: Was soll das?

Eine Ratsmehrheit, die Geisel im Februar für das umstrittene Vorhaben bräuchte, ist nicht in Sicht. Der Oberbürgermeister, um dessen Selbstbewusstsein einem sonst nicht bange sein muss, dreht schon mal vorsichtig bei: „Ich werde nichts tun, was dem Andenken an Johannes Rau schadet.“

Dafür ist es allerdings womöglich schon zu spät. „Jetzt kommen natürlich alte Unappetitlichkeiten hoch“, sagt die FDP-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (57). In der Tat werden Raus Verwicklungen in die WestLB-Flugaffäre von aufgebrachten Bürgern hervorgezerrt, sein ruppiger Umgang mit Joseph Beuys, sein großes Interesse fürs Ruhrgebiet, verbunden mit einem vermeintlich geringen für die Landeshauptstadt. Das wurmt die Düsseldorfer. Rau war hier nie so beliebt wie im Revier, auch wenn ein Denkmal samt Platzbenennung vor der ehemaligen Staatskanzlei an ihn erinnert. Das Land sei wirtschaftlich unter ihm zum Stillstand gekommen, ist zudem in vielen Briefen zu lesen.

Immer diese Politiker

Und spürbar ist der Unwillen, „alles nach Politikern zu benennen“. München („Franz-Josef Strauß“) hat’s getan, Berlin („Willy Brandt“), wenn auch ein wenig verfrüht, und Hamburg („Helmut Schmidt“) bereitet es vor. Rau jedoch steht nicht explizit für Düsseldorf, kritisieren viele. Aber steht der Flughafen nicht für die ganze Region?, fragt man im Rathaus.

Strack-Zimmermann, die Wortführerin der politischen Gegner, beteuert, ihr gehe es nicht um Rau. „Aber der Düsseldorfer Flughafen ist ein Markengeschenk, und den Namen ,Düsseldorf Airport – DUS’ sollte man nicht verwässern.“ Das Thema sei „Killefitt“, der Vorschlag „totaler Quatsch“. Auch das Vorgehen ärgert sie. Der Flughafen gehöre zur Hälfte der Stadt, zur Hälfte privaten Partnern: „Die Landesregierung hat da nichts zu sagen.“ Es könne kein Zufall sein, dass sich Geisel zeitgleich für eine Umbenennung des „Mannesmann“- Hochhauses in „Richard-von-Weizsäcker-Haus“ einsetze. „Da sollte die CDU besänftigt werden.“ Daraus wird aber nichts: Die Union will weder das eine noch das andere. Im Fall Rau droht Parteichef Thomas Jarzombek gar mit einer Unterschriftensammlung.

Hochschule statt Flughafen?

Pikanterweise fand einst auch die Landes-SPD, dass Rau und Flughäfen nicht zusammengehören: Einen Vorschlag der Genossen aus Berlin nach Raus Tod 2006 blockten die NRW-Landesparteifreunde ab: „Bei Johannes Rau denkt man an Hochschulen, nicht an einen Flughafen“, begründete damals der innenpolitische Sprecher Karsten Rudolph aus Witten.

Beim Flughafen selbst unternimmt man diplomatische Klimmzüge, um nicht unangenehm aufzufallen. „Wir sehen zahlreiche Möglichkeiten, an das Leben und Werk von Johannes Rau zu erinnern, ohne unseren Markenauftritt ändern zu müssen“, sagt Sprecher Thomas Kötter tapfer.

So bleibt neben Geisel und der SPD, deren Fraktionschef Markus Raub sich allerdings „einen breiten Konsens“ wünscht, derzeit nur die Jüdische Gemeinde, die den Vorschlag laut begrüßt. Rau sei ein großer Freund Israels gewesen.

Ob seine Witwe Christina dem Treiben weiter zusieht, ist offen. Die Idee ist mit ihr abgestimmt, der Ärger, der noch Wochen andauern kann, nicht eingepreist. Zieht sie die Reißleine, will Geisel den Vorschlag begraben.

Versöhnen statt spalten, war Johannes Raus Motto. Hat in Düsseldorf nicht ganz geklappt.

 
 

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