Von Dortmund bis Kamp-Lintfort strahlen Lämpchen und Kinder

Attraktion Nummer 1 während der Wissensnacht des Ruhrgebietes ist in Bochum am Blue Square der Fahrsimulator.
Attraktion Nummer 1 während der Wissensnacht des Ruhrgebietes ist in Bochum am Blue Square der Fahrsimulator.
Foto: Ralf Rottmann
Lämpchen strahlen, Kinder strahlen. An elf Standorten von Dortmund bis Kamp-Lintfort zeigen Wissenschaftler, was sie so treiben. Die Menschen, denen sie schwierige Experimente erklären, sind begeistert. Rund 8000 kamen zur ersten „Wissensnacht Ruhrgebiet“.

Ruhrgebiet. Im Forschermobil der „Gelsenkirchener Kindertagesbetreuung“ macht Doris Podraza gerade, was sie immer am liebsten macht: Leute neugierig. Batterien hat sie dazu da, Magneten, Kabel mit Krokodilklemmen und eine Handvoll Mädchen und Jungen, die um den Tisch herum tüfteln. Sie fummeln, machen und tun, und irgendwann klappt’s dann halt.

Lämpchen erstrahlen, Kinder erstrahlen. Helle Köpfe, das. Wissen macht Ah!

Es ist die erste „Wissensnacht“ des Ruhrgebietes: An elf Standorten vom Dortmunder U bis zur Hochschule Kamp-Lintfort stellen von nachmittags bis Mitternacht zahlreiche Wissenschaftler vor, was sie treiben. Und trotz solarbetriebener Bobby-Cars in Gelsenkirchen oder der Lego-Baustellen für Zukunftsstädte in Essen ist das keine Nacht nur für die Kinder: Die wenigen Leute, die das nicht sowieso alles wissen, können sich auch informieren über „Punktfokussierte Systeme“, die „Genetische Optimierung von Hohlkörperdecken“ oder „Heterogene Katalyse“. Keine Sorge: Laila Sahraoui vom Mülheimer „Max-Planck-Institut für Kohlenforschung“ kann das wirklich wunderbar erklären. Selbst mir.

Aus Nüssen wird schadstoffarmer Diesel

Dazu ist die Nacht ja da, diese wenigstens: Die Wissenschaft des Ruhrgebiets erklärt sich dem Ruhrgebiet auf populäre Weise – und Sinn haben die Projekte auch noch. Wie Schiffe grüner werden, ist so ein Thema, oder: wie Menschen aus Nüssen Diesel machen, besonders schadstoffarmen.

Wenn Victor Lopez auf der Bühne über CO2-Abtrennung spricht, dann wirft er das Bild einer überfüllten U-Bahn an die Wand und sagt: „Je höher der Druck, desto mehr Moleküle passen rein.“ Versteht jeder. Und selbst der per Stromschlag erhitzte Hot Dog von Dortmund hat seinen energiesparenden Zweck. Schmecken soll er ja, sagt ein zupackender Kollege, er sieht halt nur sehr naja aus, also, der Hot Dog.

Das Gebäude „Blue Square“ in Bochum ist eigentlich das Stein gewordene Symbol für diesen Anspruch: Wissenschaft findet Stadt. Denn erst im 49. Jahr ihres Bestehens hat die außerhalb liegende Ruhr-Universität sich dieses Standbein in der Innenstadt erlaubt. Da brennt jetzt Licht auf vier Etagen, es ist mal voller, mal leerer, und Attraktion Nummer 1 ist offenbar der Fahrsimulator: „Komm, da stellen wir uns jetzt an!“

Unscharfe Brillen und dicke Handschuhe

An einem Tisch sitzen dreizehn Besucher, sie tragen besonders unscharfe Brillen, dicke Handschuhe, Ellenbogenschoner verkehrt herum und Ohrenschützer, damit sie besser schlecht hören können. Kurzum: Sie werden nach Kräften behindert.

Die „Hochschule für Gesundheit“ verschafft ihnen diese Erfahrung, denn erfahren ist begreifen. Honigbrot schmieren? Geht nicht. Zeitung lesen? Geht nicht. „Das ist total interessant, normale Sachen werden plötzlich ganz schwierig“, sagt Doris Eckenberg aus Marl: „Ich sollte mein Handy saubermachen mit so einem Pad, aber ich habe noch nicht mal das Handy aus der Tasche gekriegt.“ Ihr Sohn Till ist besonders beeindruckt, dass er eines dieser kleinen Nutella-Portionsdöschen nicht mehr aufbekam.

Eltern mit wissbegierigen Kindern

Eltern, unterwegs mit ihren wissbegierigen Kindern, sind übrigens die typischen Gäste dieser Nacht. Kristin Nikel, Mann, Kind gehören auch zu der Sorte. Sie habe ein Plakat gesehen und gedacht, „dass wird ein spannender Abend“, sagt die Dorstenerin. Eine Viertelstunde hören sie jetzt schon zu. Alles über Geothermie und Gesteinsschichten. Und? „Spannend“, sagt Kristin Nikel.

Der Veranstalter, der „Regionalverband Ruhr (RVR)“, spricht hinterher von einem „gelungenen Experiment“. Rund 8000 Menschen seien gekommen, ein Erfolg angesichts von „Premiere, langem Wochenende und Ferienbeginn“, so sein Sprecher Jens Hapke. Tief in der Nacht war es dann tatsächlich deutlich leerer geworden bei der Wissensnacht.

Wissen macht gähn!

 
 

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