Vogeldieb aus Bottrop klaut trotz Verurteilung weiter Tiere

Mit dem Verkauf heimischer Tierarten lassen sich gute Geschäfte machen.
Mit dem Verkauf heimischer Tierarten lassen sich gute Geschäfte machen.
Foto: Correctiv
Der Verkauf heimischer Tiere ist offenbar sehr lukrativ. Horst D. verdiente jahrelang hohe Summen – und hört nicht auf, obwohl er erwischt wurde.

Bottrop.. Jahrelang haben die Behörden den Vogelhändler Horst D. im Visier. Immer wieder taucht sein Name bei Ermittlungen auf. Auf einem Friedhof in Bottrop wird der Vogelfänger sogar auf frischer Tat ertappt – mit Lebendfallen und Lockvögeln. Letztendlich bringt Horst D. eine Anzeige seiner Nachbarn zu Fall; sie haben das illegale Treiben in seinem Garten häufig beobachtet.

150 Vögel stellen Ermittler bei einer Razzia im Jahr 2012 auf seinem Grundstück sicher – untergebracht in 20 zum Teil gut getarnten Volieren. Die Beamten staunen, als sie auch ein akribisch geführtes Geschäftsbuch finden: 100 000 Euro hat der Rentner allein in den vergangenen fünf Jahren verbucht – als Reingewinn. Und das nicht mit selten Arten, sondern mit Allerweltsvögeln: mit Blaumeisen, Kleibern, Buchfinken, Gimpeln und Stieglitzen.

Kunden sind Züchter und Vogelliebhaber aus ganz Deutschland. Unter anderem die Betreiber des so genannten Finkenmanövers in Sachsen-Anhalt: einem Volksfest, das zum nationalen Kulturerbe Deutschlands gehört.

Weitermachen statt Einsicht

Jürgen Hintzmann von der Stabsstelle für Umweltkriminalität NRW sagt, dies sei der größte bekanntgewordene Fall eines illegalen Vogelfängers in Deutschland. Erst im April 2015 aber wird Horst D. schuldig gesprochen. 111 Fälle von Wilderei können ihm nachgewiesen werden. Das Urteil: ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung und die Zahlung von 100 000 Euro als Strafe. Doch anstatt Einsicht zu zeigen, macht Horst D. weiter.

Reporter der Recherche-Plattform „Correct!v“ und der ARD-Sendung „Fakt“ können von Horst D. in einer verdeckten Aktion Dutzende Vögel kaufen, die eindeutig der Natur entnommen sind. Illegale Tiere.

Die Gesetzeslage ist hier in Deutschland eindeutig: Es ist verboten, wild lebende Tiere zu fangen und zu handeln. Trägt ein Vogel keinen Ring, zählt er als Wildvogel. Wer unberingte Vögel verkauft, verstößt gegen das Naturschutzgesetz.

Italienische Vogelfänger-Mafia

Die Reporter täuschen Kontakte zur italienischen Vogelfänger-Mafia vor. Zusätzlich lassen sie einen italienischen Jagdaufseher nach Bottrop einfliegen, der als Vogel-Pate auftritt. Ende Mai kaufen sie bei Horst D. Buchfinken, unberingt, das Paar zu 55 Euro. „Beringt wären sie etwas teurer“, sagt Horst D. und hebt einen der Käfige in seiner Garage an. Er zeigt auf einen kleinen Vogel. „Sehen Sie, der hat nur einen Fuß, der andere ist halb ab. Da muss was passiert sein.“ D. zuckt mit den Schultern. „Irgendwas in der Natur.“

A ls die Ermittler im Jahr 2012 das Haus von Horst D. untersuchten, fanden sie auf einer Arbeitsbank im Keller eine Heißluftpistole und Werkzeug, mit denen man Ringe erhitzen und erweitern kann, um sie ausgewachsenen Vögeln nachträglich überzuziehen. Wenn das schief geht, fehlt eines der nur millimeterschlanken Beinchen.

Eine neue Razzia, Waldvögel säckeweise

Für Axel Hirschfeld vom Komitee gegen Vogelmord in Bonn ist die Sachlage eindeutig: „Die Tatsache, dass dieser Händler trotz Strafverfahrens weitermacht, zeigt, wie geldgierig der Mann ist. Mit Tierliebe hat das rein gar nichts zu tun.“

Die Behörden führen am 24. Juni gemeinsam mit Vertretern des Veterinäramtes eine erneute Razzia im Haus von Horst D. durch. Sie finden im Garten ausgelegte Netzfallen, tragen unberingte Waldvögel in Säcken vom Grundstück. Horst D. droht ein neuer Prozess.

Die von „Correct!v“ illegal erworbenen Vögel werden einer Vogelschutzstation übergeben.

Axel Hirschfeld sagt: „Mit dem Verkauf von einigen heimischen Arten lässt sich so viel Geld machen, wie mit dem Schmuggel von Elfenbein.“

 
 

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