Unterricht der Zukunft - Das iPad kommt ins Klassenzimmer

Die Kaiserin-Augusta-Schule in Köln ist Vorreiterin in Sachen Technik. Als eine von wenigen Schulen in Nordrhein-Westfalen nutzt sie iPads. Ein Lehrer setzte die Idee durch, trotz vieler Skeptiker. Die Idee ist nun Wirklichkeit und die Schüler nutzen die Geräte im Unterricht.

Köln.. In der Schule der Zukunft gibt es Bildschirme statt Bücher. Lehrer belohnen Schüler mit Smileys im Dokument statt mit Stickern im Heft. Und die Tastatur ersetzt den Tintenfüller.

Ist das die Schule der Zukunft? Nein, das ist die Schule der Gegenwart: Am Kölner Gymnasium Kaiserin-Augusta-Schule findet seit Anfang Februar Unterricht online statt - mit dem iPad. Die flachen Computer im Format zwischen DIN A4 und DIN A5 (242,8 mal 189,7 mal 13,4 Millimeter) von Apple sorgen für eine hohe Motivation der Schüler. Da ist sich zumindest Musik- und Religionslehrer André Spang sicher. Er hat die iPad-Initiative gestartet und befindet sich mit seinem Pilotprojekt auf neuen Pfaden.

„Mit dem iPad ist der Unterricht viel flexibler. Die Klasse muss nicht mehr in den Computerraum wechseln und hat das gesamte Unterrichts-Material auf einem Gerät.“ Mathe-Formeln, Musik-Produktionen und natürlich das normale Schreiben, alles sei mit Hilfe von Apps auf dem iPad möglich. „Vielleicht brauchen wir irgendwann nicht einmal mehr einen Stift oder das Erlernen von Schrift, spekuliert Spang. „Aber dieses Thema ist heiß diskutiert.“

„Wir mussten Wände einreißen“

Viel diskutieren mussten er und andere iPad-Befürworter auch an der Schule, bevor sich seine Idee durchsetzte. „Wir mussten Wände einreißen.“ Doch trotz Skepsis besitzt die Schule nun 20 iPads, die Lehrer mit vorheriger Reservierung ausleihen können. „Die Nachfrage steigt“, so Spang. Um weitere Skeptiker zu überzeugen, sind detaillierte Erfahrungen und Tipps zum iPad auf einem Blog der Schule dokumentiert. Dort haben 42 Schüler über iPads im Unterricht abgestimmt und sie positiv bewertet.

Die Geräte finanziere derzeit ein Förderverein. „Die Stadt konnte uns bisher keine Fördermittel zusagen“, bedauert der Lehrer. Vielleicht ist auch die Finanzierung ein Grund dafür, dass bisher wenige Schulen mit dem iPad hantieren. Auch die Gemeinschaftshauptschule Effey in Ennepetal sei iPad-Nutzerin. Die iPads werden vom Schulträger bezahlt. „Als die iPads auf den Markt kamen, haben wir direkt welche für eine Projektklasse bestellt. Damit sind wir europaweit eine der ersten Schulen, die das iPad im Unterricht nutzen“, erklärt Schulleiter Peter Hillebrand. Das Projekt der Effey-Schule laufe seit sechs Monaten. „Wir beraten in den Osterferien, wie wir es ausweiten können.“ Die ganze Stadt habe schon seit einiger Zeit auf das Betriebssystem Apple umgestellt. Werden sich andere Städte diesem EnAppletal anschließen?

„Das gibt es in Deutschland doch noch gar nicht“

Noch herrscht Skepsis gegenüber flächendeckender iPad-Nutzung im Unterricht. An einer Schule in Geseke nahe Lippstadt schreibt ein Lehrer über seine Erfahrungen mit dem neuen Gerät. Seine Bilanz fällt eher negativ aus: „Präsentieren - Hier bin ich absolut enttäuscht“ schreibt „S. Dorok“ in einem Blog. Und: „Der Unterricht stoppt in jeder Klasse zunächst für einige Augenblicke, da zumindest alle männlichen Lerner zunächst ‘Er hat ein iPad – das gibt es doch in Deutschland noch gar nicht’ raunen müssen, bis das Gerät als ARBEITSgerät akzeptiert wird.“ Auch die Apps (Anwendungen für das iPad) seien noch nicht vielfältig genug und die Tastatur umständlicher als herkömmlichen PC-Tastaturen.

„Die Bedeutung des Schulbuches ist ungebrochen“

Die Trends auf der kürzlich stattgefundenen Bildungsmesse Didacta in Hannover geben Spang recht. Andrea Staude, Autorin des Messeberichts schreibt: „Der Markt für neue Medien und Lernsoftware wächst beträchtlich. Gleich eine Reihe von Ausstellern brachte die ‘Tafel von morgen’, das Whiteboard, als multimediales Arbeitsinstrument mit.“ Das digitale Whiteboard kann man sich als Tafel vorstellen, die an einen Computer angeschlossen ist. das Bild wird über einen Beamer projeziert. Doch trotz aller technischer Möglchkeiten sei die Bedeutung des Schulbuches ungebrochen, soll Bildungsministerin Annette Schavan gesagt haben.

Auch Jürgen Baues, stellvertrender Vorsitzender des Philologenverbandes in NRW, ist vorsichtig, wenn es um Neue Medien im Unterricht geht. „Es ist nicht damit getan, dass man Unterrichtsmethoden verherrlicht. Es kommt auf die Lerninhalte an.“ In Nordrhein-Westfalen gebe es zwar viele junge Lehrer, die offen mit neuer Technik im Unterricht umgingen. „Der einzelne Lehrer ist aber vermutlich überfordert“, sagt Baues. „Hier muss das Land Konzepte erarbeiten und den Lehrern das entsprechende Rüstzeug mitgeben.“

Lehrer Spang jedenfalls lässt sich nicht aufhalten. Die 20 iPads sollen erst der Anfang gewesen sein und im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der Stadt oder von Fördervereinen weitere angeschafft werden. Spang: „Das war erst der Startschuss und noch lange nicht das Ende.“ Und so sieht das iPad aus

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