Trauma durch Porno-Mail gilt als Dienstunfall

Piet Keusen

Wesel/Düsseldorf. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat einem Polizisten aus Wesel in einem äußerst ungewöhnlichen Fall Recht gegeben. Der 39-Jährige wurde durch eine Porno-Mail vom Chef psychisch krank.

Die E-Mail vom Chef war als harmloser Spaß gedacht. Eine Power-Point-Präsentation wie sie täglich hundertfach durch deutsche Büros geschickt werden. Doch für einen 39-jährigen Polizisten aus Wesel endete der Mausklick mit einem Schock, der später auch von einem Arzt attestiert wurde. Statt der erwarteten erotischen Bilder, die eine sich lasziv räkelnde Blondine vermuten ließ, erschien auf dem Monitor das Foto eines entstellten weiblichen Unterleibs, wahrscheinlich mit einer fortgeschrittenen Geschlechtskrankheit. Der Polizeibeamte erlitt einen Schock, wurde dienstunfähig. Nun hat das Verwaltungsgerichts Düsseldorf den Vorfall als Arbeitsunfall anerkannt. So sei „das Erlebnis am Computer als überragende Ursache für die Entwicklung der Zwangsstörung anzuzusehen“, heißt es in dem Urteil.

Als der Mann am 28. September 2005 nach einem Urlaub zur Dienststelle kam, fand er die Mail seines Vorgesetzten in seinem Postfach.

Privatleben litt

Wie einige Kollegen zuvor öffnete er den Anhang und klickte sich durch, bis er zum traumatisierenden Porno-Foto gelangte. Dieses Bild ging dem Polizisten nicht mehr aus dem Kopf. Sein Intim- und Privatleben litt, die Ehe wurde geschieden, er musste sich für längere Zeit in psychiatrische Behandlung begeben. Den Antrag, das Ereignis als Dienstunfall anzuerkennen, wurde abgelehnt. Für den Landrat von Wesel als Chef der Kreispolizeibehörde sei die E-Mail als Ursache für die Erkrankung nicht nachvollziehbar gewesen. Inzwischen hat das Land NRW das Urteil aber akzeptiert und muss für die Behandlungskosten aufkommen.

Dieser Gerichtsentscheid kann weitreichende Folgen haben, glaubt Anwalt Thomas Heiske: „Dienstherren und Arbeitgeber sollten daher entsprechende Vorkehrungen ergreifen, damit Mitarbeiter angemessen geschützt werden.“ Derzeit bereite er eine Schmerzensgeldklage vor. Seinem Mandanten stünden etwa 2500 Euro zu.