"Talent Tage Ruhr" - Das Revier fördert seine Talente

Immer auf der Suche nach Talent: Bärbel Bergerhoff-Wodopia von der RAG-Stiftung schaut Schülerin Schülerin Zoubeida Omeirat bei der Arbeit in ihrem Kunst-LK zu.
Immer auf der Suche nach Talent: Bärbel Bergerhoff-Wodopia von der RAG-Stiftung schaut Schülerin Schülerin Zoubeida Omeirat bei der Arbeit in ihrem Kunst-LK zu.
Foto: Volker Hartmann, FUNKE Foto Services
Der Initiativkreis Ruhr lädt zu den „Talent Tagen Ruhr“ ein. Die bundesweit einmalige Leistungsschau will beweisen, was das Ruhrgebiet drauf hat.

Essen.. Nun verpasst sie den Rest der Stunde, dabei war es doch gerade so spannend! Kausar Madani steckt „mitten im Philosophie-Schreibgespräch“ an der Essener Gesamtschule Nord, als man sie zum Pressegespräch bittet. Die 18-jährige Schülerin nämlich ist: ein echtes Revier-Talent. Und um die geht es hier und heute: In einer Woche starten die 3. „TalentTage Ruhr“, 25 000 Teilnehmer werden erwartet. Gestern stellte die Bildungsinitiative des Initiativkreises Ruhr, die Talent Metropole Ruhr (TMR), das Programm vor.

Das Ziel: zu zeigen, „was das Ruhrgebiet drauf hat“, sagt Michael Schmidt, BP-Europa-Chef und Bildungsbeauftragter des Initiativkreises. Er spricht von einer „bundesweit einmaligen Leistungsschau der Bildung“. Schließlich würden vom 21. bis 30. September 90 Veranstaltungen (von der Eltern-Akademie übers Forscherfest und den „Azubi-Snapchat“ bis zum Vorstellungs-Training) angeboten. 20 Städte und 75 Partner sind beteiligt. Fünf Talentförderer werden zudem wieder mit dem „Talent Award“ ausgezeichnet.

Das Ruhrgebiet könne stolz auf seine vielen jungen Talente sein, sagt Schmidt, und müsse als Vorbild wahrgenommen werden, was deren Förderung angeht. Viel sei schon erreicht, so Bernd Kriegesmann, Präsident der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen-Bocholt-Recklinghausens, seit man die Talent Metropole Ruhr 2011 aus der Taufe hob. Die Zusammenarbeit der Akteure, die neuen Formate hätten „infizierenden Effekt“. Trotzdem blieben viel zu viele Talente noch immer unentdeckt.

Kausar Madani fiel auf. Ihrem Schulleiter, ihren Lehrerinnen, einem Talentscout. Der schlug sie für das neue Schüler-Stipendium „RuhrTalente“ vor, dem jüngsten Kind der Talentförderer im Revier. Die gebürtige Velbertin besucht die Stufe 12 der Gesamtschule Nord. 80 Prozent seiner Schüler hätten – wie Kausar – Migrationshintergrund, 50 Prozent lebten von Transferleistungen, erzählt Schulleiter Wolfgang Erdmann. Wer hier Abitur macht, sei in der Regel „Bildungspionier“ seiner Familie.

Kausar Madani beschreibt der Lehrer als „extrem zuverlässig, fleißig, begabt und engagiert“. Kausar selbst sagt: „Ich mag die Schule, ich mag das Lernen und die Lehrer, ich mag die Gemeinschaft hier. Das fühlt sich an wie Zuhause.“ Die 18-Jährige trägt Kopftuch und ist das jüngste von sieben Kindern einer libanesischen Großfamilie. Mit den Geschwistern spricht sie deutsch, mit Vater und Mutter – beide sind arbeitslos – nur arabisch. Sie ist Jahrgangsstufen-Sprecherin und Patin zweier syrischer Kinder, die als Seiteneinsteiger an die Schule kamen. In ihrer Freizeit sammelt sie Kleidung für Flüchtlinge. Nach dem Abi (mit Deutsch und Mathe als Leistungskursen) will sie studieren. Lehramt vermutlich oder Jura. „Ein unglaublich tolles Mädchen“, schwärmt Maike Matzker, didaktische Leiterin der Schule.

RAG-Stiftung gibt 1,5 Millionen Euro

Ein echtes Talent also. Aber eines wie viele, das Hilfe auf dem Weg braucht. 250 Mädchen und Jungen können bis 2020 gefördert werden, hofft Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstandsmitglied der RAG-Stiftung, die das Stipendien-Programm für die nächsten fünf Jahre mit 1,5 Millionen Euro finanziert. „Bildung muss für jeden zugänglich sein“, glaubt sie. Das sei wichtig für den einzelnen – und die Region, Stichwort: Fachkräftemangel! Workshops und Sprachförderung werden angeboten, Praktika zur Berufsfindung vermittelt. Bis zu 1500 Euro gibt es zudem für direkte Fördermaßnahmen jedes einzelnen Stipendiaten, Laptop mit Drucker etwa, wie Kausar ihn sich wünscht, oder Sprachreisen ins Ausland. „Spanien“, seufzt Kausar, die die Fremdsprache seit Jahren lernt, „fände ich toll. Aber das würden meine Eltern nie erlauben.“ „Abwarten“, sagt Lehrerin Maike Matzker, „das mit der Ski-Freizeit haben wir ja auch hingekriegt...“

Nun drängt es die Schülerin aber wieder in denn Unterricht. In Deutsch lesen sie gerade „Nathan, der Weise“, sprechen über das Thema Aufklärung. „Wirklich interessant“, sagt Kausar.

Mehr Infos und das komplette Programm der Talent Tage unter: www.talentmetropoleruhr.de

Über das Stipendium ist mehr zu erfahren unter:
www.ruhrtalente,de

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