Täter schlugen wohl mit Ästen auf Gülsüms Gesicht

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Kleve. Die drei Angeklagten sollen der ermordeten Gülsüm mit Ästen und Knüppeln das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zertrümmert haben, sagt die Staatsanwaltschaft im Prozess am Klever Landgericht. Die Kurdin aus Rees habe sterben müssen, weil der Familie der westliche Lebensstil nicht passte.

Mit Knüppeln und Ästen sollen der Bruder und ein Bekannter eine 20-jährige Kurdin aus dem niederrheinischen Rees erschlagen haben. Wegen des mutmaßlichen «Ehrenmordes» müssen sich die beiden Männer zusammen mit dem 49-jährigen Vater des Opfers seit Freitag vor dem Landgericht Kleve verantworten. Laut Anklage töteten sie die junge Frau Anfang März auf einem Feldweg, um die «Ehre» der Familie wiederherzustellen. Zu den Tatvorwürfen wollten sich die Angeklagten am ersten Verhandlungstag nicht näher äußern.

Bei der Polizei hatte der 20-jährige Drillingsbruder der Frau das Verbrechen eingeräumt, der Vater und der 32-jährige Bekannte bestritten jegliche Beteiligung an der Tat.

Laut Staatsanwaltschaft musste die junge Frau aus Wut und Verärgerung der Familie über ihren westlichen Lebensstil sterben. Die 20-Jährige habe sich den strengen Regeln ihres Vaters nicht unterwerfen wollen, hieß es in der Anklage. Das Opfer war nach einer Zwangsverheiratung in der Türkei im vergangenen Jahr nach Deutschland zurückgekehrt und führte hier eine Beziehung mit einem anderen Mann. Als herauskam, dass die 20-Jährige Anfang 2009 heimlich eine Abtreibung in den Niederlanden hatte vornehmen lassen, beschlossen der angeklagte Bruder und der Vater laut Staatsanwaltschaft, sie zu ermorden.

Unter Vorwand ins Auto gelockt

Den Ermittlungen zufolge lockte der Vater am Abend des 2. März eine andere Tochter - die Drillingsschwester der Getöteten - aus der Wohnung, die sich die beiden jungen Frauen teilten. Unter dem Vorwand, er habe ihr verschwundenes Fahrrad gefunden, fuhr der Bruder schließlich mit der 20-Jährigen zu einem abgelegenen Feldweg. Unterwegs stieg laut Anklage auch der 32-jährige Bekannte des Bruders ein, der von den Mord-Plänen gewusst haben soll.

Als die 20-Jährige an dem Feldweg mit einer Taschenlampe nach dem Fahrrad suchte, überwältigte ihr Bruder sie laut Staatsanwaltschaft von hinten und würgte sie mit einem Seil bis zur Bewusstlosigkeit. Anschließend sollen er und der ebenfalls angeklagte Bekannte mit Knüppel und Ästen auf den Schädel des Opfers eingeschlagen und ihr Gesicht dabei bis zur Unkenntlichkeit zertrümmert haben. Die 20-Jährige starb an ihren massiven Verletzungen.

Spaziergänger entdeckten Leiche

Spaziergänger hatten die entstellte und mit Laub bedeckte Leiche der Frau einen Tag nach der Tag entdeckt und die Polizei alarmiert. Spuren am Tatort lenkten den Verdacht schnell auf die Familie der Getöteten. Der 49-jährige Vater lebt seit 15 Jahren in Deutschland und hat aus zwei Ehen insgesamt elf Kinder. Sie seien alle nach den traditionellen Regeln der Kurden und des Korans erzogen worden, erklärte die Staatsanwaltschaft. Weil die 20-jährige Tochter rebellierte, sei es bereits häufiger zu Streitigkeiten mit dem Vater gekommen.

Der Prozess soll am nächsten Dienstag fortgesetzt werden. Insgesamt sind zehn Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil wird nicht vor Mitte Dezember erwartet. (ap)

 
 

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