Streetview kommt nach Schnöttentropp

Dortmund. „Pott to go“: Beim Geierabend 2011 laufen die Panneköppe zu Hochform auf. Das Programm hat das Zeug zum Kultklassiker.

Mit 20, da sind die meisten wohl endgültig aus den Flegeljahren heraus. Da werden sie ruhiger, seriöser, vernünftiger – gesittet eben. Auch der Geierabend ist in diesem Jahr 20 geworden. Von gesittet kann aber trotzdem keine Rede sein. Gott sei Dank! Nein, ganz im Gegenteil: Im Jubiläumsjahr laufen die Panneköppe auf Zeche Zollern mal wieder zu Hochform auf. Das Programm „Pott to go“ hat das Zeug zum Kultklassiker – lange nicht mehr so gut gegeiert!

Diese Mischung aus Karneval, Kabarett und Klamauk ist frech, und hemmungslos. Manchmal albern, oft politisch – aber nur selten politisch korrekt: So führt zur Pause ein Fluchtplan durch den Engpass ins Foyer. Und Steiger Martin Kaysh spottet spitz wie eh und je: Duisburgs OB Sauerland etwa komme für den Pannekopp-Orden, diese ungeliebte jährliche Anti-Auszeichnung, nur dann in Frage, wenn man ihm das gut 28 Kilo schwere Stück Stahl auf einer Brücke um den Hals hängen könne – am besten mit einem kräftigen Schlag auf die Schulter.

Der Abend ist wie ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten: Die AWO-Oppas erzählen von ihrer Demo in Kalkar, bei Schlendersacks in Schnöttentropp war Streetview zu Besuch. „Siegfried und Roy“ kämpfen gegen Hörde21 – ihre Bushaltestelle soll nach untertage verlegt werden – und „Wemser & Missgeburt“ stellen uns ihre kleine Schwester vor: Miriam Rixen heißt die hübsche Blonde im richtigen Leben und ist neu in der Truppe. Als schwangere Nonne zeigt sie gleich in der allerersten Szene, dass sie den Panneköppen echt noch gefehlt hat. Kompliment: Besser kann ein Einstieg kaum sein.

Ein zentrales Stück für das ganze Ensemble gibt es diesmal nicht, dafür aber viel Musik mit dem Jallermann Klangtett – und die Arrangements sind wahrlich hinreißend: Der Pillemann-Rap ebenso wie Wemsers „Kein Haus am See“ oder das Pinguin-Potpourri. Besonders zauberhaft: Roman Marczewski als Beth Ditto – eine Rolle, wie ihm auf den Leib geschneidert.

Nun ist dem Premieren-Pu-blikum beim Geierabend übermäßige Ausgelassenheit ja eher fremd: zu viele Honoratioren, zu wenig Narren – oder so. Aber nach gut dreieinhalb Stunden schienen doch alle ihren Spaß zu haben.

Außer ein paar Schalke-Fans vielleicht. . .

 
 

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