Star-Architekt kauft Duisburger Siedlung nach Aus für Outlet

Duisburg..  Sie sollten für ein Outlet-Center weichen, jahrelang kämpften sie für den Erhalt ihrer Zinkhüttensiedlung im Duisburger Norden. Nun erfuhren die verbliebenen Bewohner von einer kuriosen Wende: Der Düsseldorfer Star-Architekt, Milliardär und bekennende Outlet-Kritiker Walter Brune hat nun die Siedlung für 15 Millionen Euro der Immeo Wohnen GmbH abgekauft – und macht den Mietern ein ungewöhnliches Angebot.

Den Plänen für das Outlet-Center (FOC) im Ortsteil Hamborn hatte der Duisburger Stadtrat im März nach jahrelangem Gezerre und zahlreichen Gutachten eine Absage erteilt. Doch die Siedlung war inzwischen trotz aller Proteste zu drei Vierteln leergezogen. Sie sollte abgerissen, zu einem Kundenparkplatz werden. Noch vor wenigen Wochen hatte die städtische Immobilien­gesellschaft Gebag erklärt, Kauf und Neuvermietung sei für sie wirtschaftlich nicht darzustellen.

Am Freitag nun inszenierte sich Brune vor Ort als Retter: „Ich möchte diesen Menschen ihre Ängste nehmen, und ich versichere ihnen, dass ihnen mit mir als Eigentümer niemals wieder so etwas widerfahren wird, wie es in der jüngsten Vergangenheit passiert ist.“ Alle Ehemaligen könnten ihre Wohnungen zu den alten Bedingungen zurückbekommen. Wer einen Neuanfang wolle, könne eine der 398 Zinkhütten-Wohnungen teilweise oder komplett renoviert übernehmen. Dann mit minimalem Mietaufschlag. „Die Menschen sollen ihre Heimat zurückbekommen“, sagte Brune. Die Bewohner jubelten, einigen war die Erleichterung anzusehen.

In die stark verwohnte Bausub­stanz werde er bis zu drei Millionen Euro investieren müssen, erklärte Brune. Das Gelände um die Häuser werde er in den kommenden zwei Jahren zum Park aufwerten. Auch solle die Siedlung künftig „Zinkhütten-Park“ heißen. Autos aber müssten komplett von der Bildfläche verschwinden; für sie werde nötigenfalls eine Tiefgarage erbaut. „Geld steht hier für uns nicht im Vordergrund. Wir werden aber garantiert in Hamborn kein Geld verlieren.“

Der 90-jährige Immobilien-Unternehmer, der das Mülheimer Rhein-Ruhr-Zentrum gebaut und später gekauft hatte, gilt als Kritiker von Einkaufszentren auf der grünen Wiese. Er propagiert stattdessen „integrierte Einkaufspassagen“, wie er sie später bei den Düsseldorfer Schadow-Arkaden umsetzte. Brune begrüßte ausdrücklich das Ende der FOC-Pläne. Das Outlet-Center hätte die Duisburger Innenstadt kaputt gemacht. Auch für die brachliegende Rhein-Ruhr-Halle und das denkmalgeschützte Stadtbad Hamborn hatte der Unternehmer gestern Pläne parat: Er sei mit der Stadt in Gesprächen, ob man dort nicht so etwas wie das kleine, feine „Klemensviertel“ von Düsseldorf-Kaiserswerth bauen könne: Einzelhandel für die Anwohner.

 
 

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